29.11.2007

Poker um Milliardenaufträge für Galileo

Die Verkehrsminister mehrerer EU-Staaten treffen sich zu einer neuen Runde im Poker um Europas milliardenschweres Raumfahrt-Projekt Galileo. Es geht um Milliardenaufträge für Unternehmen.

Brüssel (dpa) - Zu einer neuen Runde im Poker um Europas milliardenschweres Raumfahrt-Projekt Galileo treffen sich die Verkehrsminister mehrerer EU-Staaten am Donnerstag in Brüssel. Dabei werden die Politiker versuchen, Unternehmen ihrer Länder ein möglichst großes Stück vom Auftragskuchen zu sichern. Auch die Anbieter selbst positionieren sich neu.

Diplomaten erwarteten eine Einigung des Rats, anders als beim jüngsten Treffen der EU-Finanzminister. Am Freitag hatte sich Deutschland vergeblich gegen den Finanzierungsplan der EU für Galileo gestemmt. Die Bundesregierung wollte verhindern, dass die langfristige Finanzvorschau der EU aufgeschnürt wird, fand dafür aber keine ausreichende Unterstützung der EU-Partner.

Die EU will mit Galileo 26 Satelliten ins All schießen, um eine Konkurrenz zum amerikanischen Navigationssystem GPS zu schaffen. Das soll mindestens 3,4 Milliarden Euro kosten. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die Aufträge in sechs Tranchen zu teilen und keinem Anbieter davon mehr als zwei Zuschläge zu geben. Jeweils 40 Prozent sollen dabei für Unterauftragsnehmer reserviert werden.

Die Aufteilung des Gesamtpakets soll sicherstellen, dass Firmen aus verschiedenen EU-Ländern einen Teil des Auftrags abbekommen. Aus diesem Grund sind Einzelheiten der geplanten Ausschreibung allerdings noch umstritten, hieß es am Mittwoch aus Ratskreisen. Je nach Zuschnitt der einzelnen Pakete hätte die interessierte Industrie unterschiedliche Chancen auf Beteiligung.

Größter Einzelposten dürfte nach Industrieangaben mit 1,2 Milliarden Euro der Bau der Satelliten sein. Um den Zuschlag will sich ein Konsortium aus der EADS-Tochter Astrium und die französische Thales Alenia bemühen. Falls die EU mehrere Aufträge zum Bau der Satelliten ausschreibt, wollen sich auch das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Technology und dessen britischer Partner SSTL bewerben.

Die Beförderung der Satelliten in die Erdumlaufbahn wird von Branchenkennern auf einen Wert von 700 bis 800 Millionen Euro geschätzt. Weitere Tranchen wären demnach die Signalsicherung für 400 bis 500 Millionen Euro, der Ausbau der Bodenstationen sowie die Systemarbeiten zur technischen Umsetzung des Projekts mit jeweils rund 100 Millionen Euro und die Vorgaben für Endgeräte.

Unklar war vor dem Treffen der Verkehrsminister noch, wie der Betrieb der Bodenstationen geregelt wird. Die Bodenstationen sollen die Signale der Satelliten steuern. Deutschland rechnet fest damit, dass Oberpfaffenhofen bei München hier zum Zuge kommt. Italien wolle eine Galileo-Station in Fucino betreiben und habe Konkurrenz aus Spanien, sagte ein Diplomat.

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