13.06.2018

Preis für Entwicklung ultraschneller Laser

Lasertechnik-Pionierin Ursula Keller aus der Schweiz erhält Europäischen Erfinderpreis 2018.

Das Europäische Patent­amt EPA hat die Schweizer Physikerin, Erfinderin und Professorin Ursula Keller mit dem Euro­päischen Erfinder­preis geehrt. Sie wurde bei der Preis­verleihung vergangene Woche in Paris in der Kategorie „Lebenswerk" ausge­zeichnet. Im Laufe ihrer mehr als dreißigjährigen Karriere hat sie richtungs­weisende Entwicklungen auf den Weg gebracht, darunter den „sättigbaren Halbleiter-Absorber­spiegel", kurz SESAM – die erste praktische Methode zur Erzeugung ultra­schneller Pulse in Festkörper­lasern sowie Lasern, die in der Unterhaltungs­elektronik und der Quantenphysik genutzt werden.

Abb.: Die Schweizer Physikerin Ursula Keller nahm in Paris den Europäischen Erfinderpreis 2018 für ihr Lebenswerk entgegen. (Bild: EPA)

„Ursula Keller hat ihre Karriere der Forschung und den Inno­vationen gewidmet, die neue Wege in der Laser­technologie bereitet und vollkommen neue Einsatz­möglichkeiten in einer Vielzahl von Branchen wie Elektronik und Automobil­herstellung erschlossen haben", sagte EPA-Präsident Benoît Battistelli. „Ihre Arbeit unterstreicht Europas führende Rolle im Bereich der ultra­schnellen Laserforschung und -implemen­tierung." Ursula Keller ist eine von vier Erfinderinnen, die mit dem Europäischen Erfinder­preis 2018 ausge­zeichnet wurden. Seit der erstmaligen Vergabe im Jahr 2006 sind noch nie so viele Frauen wie in diesem Jahr damit geehrt worden.

Während ihrer Zeit in den AT&T Bell Laboratories in New Jersey in den frühen 1990er-Jahren entwickelte Keller eine praktische Methode, um konti­nuierliche Lichtwellen auf ultraschnelle Lichtpulse zu verkürzen. Die studierte Physikerin der Stanford University inte­grierte spezielle reflek­tierende Halbleiter als Spiegel in einem Lasergerät, um kurze, energie­reiche Licht­blitze zu erzeugen. Ihre patentierte SESAM-Technik gab den Lasern eine genauere Kontrolle über die Material­bearbeitung und eröffnete neue Verarbeitungs­techniken in Bereichen wie Opto­elektronik und Smartphone-Produktion, medi­zinische Chirurgie und Automobil­herstellung. In ihrer Funktion als Professorin an der Eidge­nössischen Technischen Hochschule Zürich hat Keller das SESAM-Konzept weiter­entwickelt und auch hochgenaue wissen­schaftliche Messgeräte konzipiert, mit denen sich die Grundlagen­physik auf Quantenebene erforschen lässt.

Kellers Arbeit hat in vielen Branchen nachhaltig Eindruck hinter­lassen. „Es gibt kaum etwas, das nicht mit kurz­pulsigen Lasern weiter­verarbeitet wird, und es werden immer mehr Anwendungen", sagt sie. Ultra­schnelle Laser machen bereits zwanzig Prozent des weltweiten Laser­marktes aus und generierten 2017 einen Umsatz von rund 2,2 Milliarden Euro. Kellers Arbeit hat dazu beigetragen, dass Europa eine führende Rolle auf dem Gebiet der ultra­schnellen Laser-Entwicklung spielt. Nahezu drei Viertel aller hoch­intensiven, ultra­schnellen Laser sind in Europa zu finden.

Ursula Keller hat nicht nur dazu beige­tragen, den Einsatz von Lasern neu zu definieren. Sie hat auch Barrieren für Forscherinnen abgebaut. Ihre konti­nuierlichen Fortschritte in der Laser­technologie haben sie zu einer welt­weiten Autorität auf dem Gebiet der ultra­schnellen Photonik gemacht. In ihrem ETH-Labor betreut sie die nächste Generation von Laserforschern - von denen bereits viele Professoren und Start-up-Unternehmer sind - und öffnet Frauen die Tür zur Wissenschaft.

Der Erfinder­preis wird jährlich vom EPA verliehen, um heraus­ragende Erfinder aus Europa und der ganzen Welt zu würdigen, die mit ihrer Erfindung einen maßgeb­lichen Beitrag zu gesell­schaftlicher Entwicklung, techno­logischem Fortschritt und wirtschaft­lichem Wachstum geleistet haben. Die Preisträger wurden von einer unab­hängigen, inter­nationalen Jury unter mehr als 500 Erfindern und Erfinder-Teams für die diesjährige Preis­verleihung ausgewählt.

EPA / JOL

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