05.09.2011

Ruhige Sonne löst keine Eiszeit aus

Nicht die Anzahl von Sonnenflecken, vielmehr Vulkane und Treibhausgasmengen in der Atmosphäre dominieren die Klimaentwicklung.

Die schwächelnde Sonne war nicht der bestimmende Faktor für die kleine Eiszeit. Vor allem Vulkanausbrüche sowie eine geringere Menge von Treibhausgasen in der Atmosphäre haben entscheidend zu dieser Phase kühleren Klimas im 16.und 17. Jahrhundert beigetragen, wie eine neue Studie zeigt. Entsprechend lässt sich von einer geringen Sonnenaktivität, wie sie einige Forschern für die kommenden Jahrzehnte erwarten, keine spürbare Abkühlung für das vom Menschen mit seinen Treibhausgas-Emissionen aufgeheizte Erdklima erhofften.

Abb.: Ein unbekannter Künstler hielt 1677 auf seinem Gemälde die Eisberge fest, die während der kleinen Eiszeit die Themse hinauf bis nach London trieben. (Museum of London)

„Der Einfluss von Schwankungen der Sonnenaktivität wird oft überschätzt“, sagt Georg Feulner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Autor der Studie. „Die neue Analyse zeigt dies für die Vergangenheit – und hieraus können wir etwas lernen für die Klimaentwicklung der Zukunft.“ Sonnenflecken sind ein sichtbares Zeichen der Sonnenaktivität. Ist ihre Zahl gering, ist auch die solare Strahlungsintensität messbar niedriger. Im späten 17. Jahrhundert befand sich die Sonne nach einer langsamen Abschwächung der Sonnenaktivität, die um das Jahr 1600 einsetzte, in einer ausgedehnten Ruhephase, dem Maunder-Minimum. Dies wird vielfach als Ursache der als kleine Eiszeit bezeichneten Abkühlung des Erdklimas zu dieser Zeit angesehen.

Feulner hat erstmals konkret ermittelt, wie sich die schwankenden Werte für die Sonneneinstrahlung auf die Temperaturen der Nordhalbkugel in den vergangenen 1000 Jahren auswirken. Hierfür hat er die Daten zur solaren Strahlungsintensität in ein Klimamodell eingespeist und berücksichtigte dabei auch die Treibhausgaskonzentration und den kühlenden Effekt von Schwefelsäuretröpfchen aus Vulkanausbrüchen. Die im Modell berechneten Temperaturen verglich er mit den aus natürlichen Klimaarchiven wie Eisbohrkernen, Baumringen, Sedimenten und Korallen rekonstruierten Temperaturen des letzten Jahrtausends.

Das Ergebnis ist eindeutig. Die Werte aus jener Studie, derzufolge die Sonneneinstrahlung in der kleinen Eiszeit extrem gering war, führt in der Modellrechnung über die Jahrhunderte hinweg zu Temperaturen, die in Zeiten niedriger Sonnenaktivität deutlich unter den tatsächlich beobachteten liegen. „Um die Klimageschichte zu verstehen, müssen natürlich neben den Treibhausgasen auch alle anderen Klimafaktoren berücksichtigt werden“, erklärt Feulner. „Die Auswirkung der Sonnenaktivität auf das Klima ist allerdings vergleichsweise gering.“ Eine ähnliche Ruhephase der Sonne wie im Maunder-Minimum würde lediglich eine Abkühlung von höchstens 0,3 Grad bewirken – zu wenig, um den Klimawandel spürbar abzuschwächen.

PIK / OD

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