04.10.2018

Sichere Landung auf Ryugu

MASCOT hat die Oberfläche des Asteroiden erreicht.

Der Asteroid Ryugu hat in 300 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde Besuch erhalten: Der Lander MASCOT ging am 3. Oktober auf dem Aste­ro­iden nieder und nahm seine Arbeit auf. Um 3.58 Uhr Mittel­euro­pä­ischer Zeit wurde das Lande­gerät erfolg­reich von der japa­nischen Raum­sonde Haya­busa-2 getrennt. Damit begannen für das inter­natio­nale Team aus Inge­ni­euren und Wissen­schaftler die 16 Stunden, in denen der Lander mit Messungen auf der Astero­iden­ober­fläche begann. Am Tag zuvor hatte sich die Sonde Haya­busa-2 der japa­nischen Raum­fahrt­agentur JAXA auf den Weg in Rich­tung Ryugu gemacht. In einer Höhe von 51 Metern wurde MASCOT aus­ge­klinkt und fiel im freien Fall – lang­samer als ein irdischer Fuß­gänger – auf sein Ziel zu. Im MASCOT-Kontroll­raum am Deutschen Zentrum für Luft- und Raum­fahrt sowie im angren­zenden Wissen­schaftler­raum war die Erleich­te­rung über die erfolg­reiche Separa­tion und die Bestä­ti­gung der Landung deut­lich spürbar. „Es hätte nicht besser laufen können“, erklärte MASCOT-Projekt­managerin Tra-Mi Ho vom DLR-Institut für Raum­fahrt­systeme. „Aus den Betriebs­daten des Landers konnten wir erkennen, dass er sich von der Raum­sonde trennte und nach rund zwanzig Minuten auf der Astero­iden­ober­fläche zur Ruhe kam.“

Abb.: Künstlerische Darstellung der Landung von MASCOT. (Bild: DLR; CC-BY 3.0)

Bereits der Moment der Separation gehört zu den Risiken während der Mission: Wäre MASCOT nicht wie geplant und oft­mals getestet ohne Probleme aus dem Mutter­schiff sepa­riert worden, hätte das irdische Team kaum Möglich­keiten gehabt, dieses Problem zu beheben. Doch alles ver­lief reibungs­los. Bereits während des Abstiegs auf den Aste­roiden schaltete die Kamera MASCAM ein und nahm zwanzig Bilder auf, die nun an Bord der japa­nischen Sonde gespei­chert sind. „Die Kamera funktio­nierte perfekt“, sagt Ralf Jaumann, DLR-Planeten­forscher und wissen­schaft­licher Leiter des Kamera-Instru­ments. „Damit sind dem Team die ersten Bilder der Kamera sicher.“ Auch das Team des Magne­to­meters konnte in den von MASCOT gesen­deten Daten erkennen, dass das Instru­ment bereits der vor der Sepa­ra­tion ein­schaltete und Messungen durch­führte. „Die Messungen zeigen das relativ schwache Feld des Sonnen­winds und die sehr starken magne­tischen Störungen durch das Raum­fahr­zeug“, erläutert Karl-Heinz Glaß­meier von der TU Braun­schweig. „Im Moment der Sepa­ra­tion erwar­teten wir eine deut­liche Abnahme des Stör­felds – und diese wir konnten wir auch deut­lich erkennen.“

Schon zwanzig Minuten nach der Separation kam MASCOT auf der Ober­fläche zur Ruhe. Nun analy­siert das Team die Betriebs­daten, die MASCOT zur Erde sendet, um zu erfahren, was in 300 Milli­onen Kilo­metern Ent­fer­nung von der Erde auf dem Aste­roiden Ryugu geschieht. Der Lander sollte nun auf der Astero­iden­ober­fläche liegen, sich mit seinem Schwung­arm im Inneren in die richtige Posi­tion gebracht haben und selbst­ständig mit den Messungen beginnen. An Bord befinden sich insge­samt vier Instru­mente: eine Kamera und ein Radio­meter des DLR, ein Spektro­meter des Institut d'Astro­physique Spatiale sowie ein Magneto­meter der TU Braun­schweig. Hat MASCOT alle geplanten Messungen durch­ge­führt, soll er zu einem weiteren Mess-Ort hüpfen. So erhalten die Wissen­schaftler erst­mals Daten von unter­schied­lichen Stellen auf einem Aste­roiden. „Mit MASCOT haben wir die einzig­artige Möglich­keit, das ursprüng­liche Material des Sonnen­systems unmittel­bar auf einem Aste­roiden zu unter­suchen“, betont Jaumann. Mit den von MASCOT gemes­senen Daten und den Proben, die Haya­busa-2 im Jahr 2020 von Ryugu zur Erde bringt, lernen die Wissen­schaftler nicht nur mehr über Aste­ro­iden, sondern vor allem über die Ent­stehung unseres Sonnen­systems.

DLR / RK

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