12.01.2004

Stipendien für die «Elite»

Die Debatte um Elite und Hochschulen kommt Gerhard Roth, dem Präsident der Studienstiftung des deutschen Volkes, gelegen.

Stipendien für die «Elite»

Bonn (dpa) - Die plötzliche Debatte um Elite und Hochschulen kommt Hirnforscher Gerhard Roth durchaus gelegen. «Es war schon lange Zeit, das Thema Elite und Universitäten in breiter Öffentlichkeit zu diskutieren», sagt der Präsident der Studienstiftung des deutschen Volkes. In Deutschland sei «Elite» in den vergangenen Jahrzehnten ja eher ein Tabuwort gewesen, das nicht gern in den Mund genommen wurde. Doch das sei nötig, vor allem dem Ruf und der Konkurrenzfähigkeit deutscher Hochschulen zuliebe.

Roth gilt als Experte für die Elitenförderung an deutschen Unis, denn er ist Chef des größten Begabtenförderungswerkes. Elf solcher Einrichtungen gibt es in Deutschland. Vor allem über sie werden derzeit hier zu Lande begabte Studenten gefördert. Zwar existiert noch eine unüberschaubare Vielzahl von Stiftungen und Unternehmen, die viel versprechenden Nachwuchsakademikern mit Geld unter die Arme greifen. Doch in derart großer Zahl leisten dies nur die Begabtenförderungswerke - zum großen Teil mit staatlicher Hilfe. Rund 80 Millionen Euro fließen dafür pro Jahr aus dem Bildungsressort, hinzu kommt noch Geld von anderen Ministerien, Unternehmen oder auch von Parteien.

Roths Stiftung betreut derzeit rund 6000 Talente aus allen Fachrichtungen. In den erlauchten Kreis der geförderten Studenten und Doktoranden gelangt der Interessierte nicht durch Bewerbung, sondern auf Vorschlag eines Dozenten oder Lehrers. Voraussetzung für ein Stipendium sind hervorragende Leistungen im Fach und ein bestandener Eignungstest, bei dem auch «weiche Faktoren» wie soziales Engagement eine Rolle spielen. Ein Student erhält - je nach seiner finanziellen Situation - bis zu 525 Euro pro Monat plus 80 Euro Büchergeld. Ein Doktorand kann mit rund 1000 Euro monatlich rechnen.

«Da die Summe nach BAföG-Kriterien ermittelt wird, kann von einer direkten Förderung der hoch begabten Studenten aber nicht gesprochen werden», betont Roth. Pluspunkt der Empfänger ist allerdings: Sie müssen im Gegensatz zum BAföG nichts zurückzahlen. Der besondere Vorteil der Geförderten ist laut Roth vor allem das Zusatzprogramm. So werden die Studenten an den Hochschulen von Vertrauensdozenten betreut, können an Sommerakademien teilnehmen und erhalten bei Forschungsprojekten oder Auslandsaufenthalten Hilfe. Als weiteren Vorteil nennt Roth das Netz von Ehemaligen, die den Stipendiaten die Jobsuche erleichtern.

Ähnlich wie bei Roths Stiftung gestaltet sich die Förderung und das Angebot der anderen zehn Werke. Allerdings muss der Begabte dort nicht unbedingt vorgeschlagen werden, sondern kann sich auch selbst bewerben. Dafür sind neben guten Leistungen noch zusätzliche Eigenschaften gefragt. So freut sich etwa die gewerkschaftsnahe Hans- Böckler-Stiftung sehr über Sprösslinge aus einem Arbeiter-Elternhaus. Die arbeitgebernahe Stiftung der Deutschen Wirtschaft nimmt dagegen gern Menschen mit Führungspersönlichkeit unter ihre Fittiche. Politisch geprägte Präferenzen haben die parteinahen Stiftungen.

Roth wünscht sich für hoch begabte Studenten vor allem mehr «inhaltliche Unterstützung» etwa bei der Studienplatzwahl oder die stärkere Einbindung sehr guter Studenten in Forschungsprojekte. «Das ist in den USA der Fall.» Aber auch die Idee der Elite-Unis hält er für attraktiv. Eine Hochschule müsse sich aber nicht in allen Fächern profilieren. Die Universitäten sollten lieber ihre jeweiligen Stärken ausbauen, dann untereinander konkurrieren und für eine sehr gute Arbeit unterstützt werden.

Frank Senger, dpa

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