27.06.2007

Überzogene Klagen?

Arbeitsmarktforscher halten Klagen von Unternehmen über einen akuten Fachkräftemangel vor allem in Ingenieur-Berufen für überzogen.

Überzogene Klagen?

Nürnberg (dpa) - Arbeitsmarktforscher halten Klagen von Unternehmen über einen akuten Fachkräftemangel vor allem in Ingenieur-Berufen für überzogen. «Der Arbeitsmarkt ist keineswegs leer gefegt. Es gibt noch immer 30 000 arbeitslose Ingenieure in Deutschland», sagte die Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Franziska Schreyer, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Das Ganze ist etwas hoch gepusht», unterstrich die Soziologin und Arbeitsmarktforscherin.

Zwar räumte Schreyer ein, «dass sich der Arbeitsmarkt in einigen Teilbereichen etwas verengt». So gebe es eine verstärkte Nachfrage der Wirtschaft nach Maschinenbau- und Elektrotechnik-Ingenieuren. Dem stünden aber noch genügend Fachkräfte gegenüber. Viele der arbeitslosen Ingenieure seien allerdings schon älter. «Die Unternehmen wollen junge, erfahrene und dynamische Kräfte», berichtet sie. Diesem Bild entsprächen naturgemäß Ingenieure von 50 Jahren und älter nicht.

Auch gebe es viele arbeitslose Ingenieurinnen, denen in den vergangenen Jahren männliche Bewerber vorgezogen worden seien. So sei im vergangenen Jahr die Arbeitslosigkeit von weiblichen Maschinenbau- Ingenieurinnen mit 13,9 Prozent mehr als doppelt so hoch gewesen wie die ihrer männlichen Kollegen. Das gleiche gelte für weibliche Elektro-Ingenieurinnen. Aus diesem Kreis lasse sich noch Personal rekrutieren. «Aber man kann natürlich die Kriterien bei der Stellensuche so eng fassen, dass man den Eindruck erwecken kann, es gebe einen Fachkräftemangel», gab Schreyer zu bedenken.

Neben der kurzfristig stärkeren Mobilisierung von Arbeitskraft- Reserven aus dem Kreis älterer Ingenieure und des weiblichen Ingenieur-Nachwuchses spricht sich die Arbeitsmarktforscherin auch für eine Bildungsoffensive aus. «Bildung ist eine der zentralen Stellschrauben bei der Behebung des bis zum Jahr 2015 erwarteten Fachkräftemangels», betonte Schreyer. Die zu diesem Zeitpunkt in Rente gehenden geburtenstarken Jahrgänge müssten ersetzt werden. Derzeit sei aber zu befürchten, dass der Wirtschaft dann nicht nur weniger junge Menschen, sondern zudem schlechter ausgebildete zur Verfügung stehen.

Gespräch: Klaus Tscharnke, dpa

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