16.02.2009

Vatikan ehrt einstigen Ketzer Galileo erstmals mit Messe

Vor zahlreichen Vertretern der Wissenschaftsorganisation "World Federation of Scientists" zelebrierte der Präsident des Päpstlichen Kulturrates die Messfeier in der Basilika "Santa Maria degli Angeli"



Rom (dpa) - Der Vatikan hat den einst als Ketzer verfolgten Physiker Galileo Galilei am Sonntag in Rom erstmals mit einer feierlichen Messe geehrt. Vor zahlreichen Vertretern der Wissenschaftsorganisation «World Federation of Scientists» zelebrierte der Präsident des Päpstlichen Kulturrates, Gianfranco Ravasi, die Messfeier in der Basilika «Santa Maria degli Angeli», berichteten italienische Medien am Sonntag. Es handelt sich dabei - rund vier Jahrhunderte nach Galileos bahnbrechenden astronomischen Entdeckungen - anlässlich seines 445. Geburtstages um die erste Heilige Messe ihm zu Ehren.

«Ich gedenke voller Bewunderung Galileo Galileis, eines göttlichen Mannes des Glaubens», hieß es in einer bei der Messe verlesenen Botschaft von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Galileo habe schon im 17. Jahrhundert «die wissenschaftlichen Wahrheiten» unterschieden von denen, die «für unser Heil notwendig sind», erklärte hingegen Zeremonienleiter Ravasi.

An der Messfeier nahm auch eine Gruppe chinesischer Wissenschaftler teil, die der Basilika eine Bronzestatue Galileos schenkten, wie der italienische Professor Antonino Zichichi am Ende der Feier ankündigte. Ein ähnliches Vorhaben des Heiligen Stuhls für die vatikanischen Gärten war Ende Januar auf Eis gelegt worden. Der Vatikan hatte vorgezogen, die für die Galileo-Skulptur notwendigen Gelder wissenschaftlichen Einrichtungen zukommen zu lassen.

Anlässlich des von der UNESCO ausgerufenen internationalen Jahres der Astronomie 2009 plant der Heilige Stuhl im Übrigen noch weitere Initiativen zu Ehren des toskanischen Astronomen: Dazu gehören eine große Ausstellung in Florenz und ein Symposium an der Päpstlichen Sternwarte.

Die Entdeckungen Galileos hatten für den Wissenschaftler zu einem offenen Konflikt mit der Kirche geführt. Galileo stützte das kopernikanische Weltbild, also die Annahme, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Diese Sicht der Welt war den damaligen Kirchenwächtern ein Dorn im Auge, da sie den biblischen Zeugnissen mit der Erde im Zentrum widersprachen. So wurde der toskanische Wissenschaftler 1633 gezwungen, seinen Theorien abzuschwören, um der Inquisition zu entgehen.

Erst im 20. Jahrhundert wurde mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine vorsichtige Rehabilitierung Galileos eingeleitet. Später hatte sich Papst Johannes Paul II. mit einer Prüfungskommission dafür eingesetzt, den Fall Galileo zu untersuchen. Die Untersuchung endete 1992 mit einem öffentlichen «mea culpa» des Papstes: Die Kirche hatte sich geirrt.


AL

Veranstaltung

AKL – International Laser Technology Congress in Aachen

AKL – International Laser Technology Congress in Aachen

Vom 22. bis 24. April 2026 lädt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT zum AKL’26 ein. Der Photonik-Kongress mit über 500 Teilnehmenden findet zum 15. Mal statt, diesmal mit einem deutlich erweiterten Programm, über 80 Vorträgen und 54 Ausstellerständen.

Anbieter des Monats

RCT Reichelt Chemietechnik GmbH + Co.

RCT Reichelt Chemietechnik GmbH + Co.

Die Reichelt Chemietechnik wurde am 1. September 1978 als Vertriebs- und Produktionsgesellschaft von Dr. Peter Reichelt in Heidelberg gegründet, wobei sich das Unternehmen als „Mailorderhaus“ verstand.

Meist gelesen

Photo
07.10.2025 • NachrichtPanorama

Makroskopisches Quantentunneln

John Clarke, Michel H. Devoret und John M. Martinis erhalten den Physik-Nobelpreis 2025 für die Entdeckung des makroskopischen quantenmechanischen Tunnelns und der Energiequantisierung in einem elektrischen Schaltkreis.

Themen