02.02.2007

Veränderte Strömungen

Der vom Menschen verstärkte Klimawandel könnte die besonders ertragreichen Fischgründe entlang zahlreicher Küsten beeinflussen.

Bremen/Washington (dpa) - Der vom Menschen verstärkte Klimawandel könnte die besonders ertragreichen Fischgründe entlang zahlreicher Küsten beeinflussen. Das berichtet eine internationale Gruppe um Helen McGregor von der Universität Bremen im US-Fachjournal «Science». Demnach sorgen durch den Treibhauseffekt veränderte Winde dafür, dass etwa vor der Küste Marokkos mehr kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser an die Oberfläche gelangt. Solche küstennahen Kaltwasserregionen sind wirtschaftlich sehr bedeutend: Sie machen zwar nur rund ein Prozent der Meeressoberfläche aus, liefern aber etwa zwanzig Prozent des weltweiten Fischfangs.

McGregor und ihre Kollegen - darunter Forscher des Alfred-Wegener- Instituts in Bremerhaven - untersuchten mehrere Bohrkerne vom Meeresboden vor dem marokkanischen Kap Ghir an der Atlantikküste. Daraus ließ sich der Temperaturverlauf des Wassers in dieser Region von 520 vor Christi Geburt bis 1998 rekonstruieren. Demnach zeigte sich im 20. Jahrhundert eine Abkühlung um etwa 1,2 Grad Celsius - mehr als je zuvor. Der beobachtete Temperatur-Trend gehe einher mit dem Anstieg des klimaschädigenden Gases Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre, das der Mensch in großer Menge beim Verbrennen von Kohle, Öl und Gas freisetzt, heißt es in «Science».

«Der scheinbar paradoxe Zusammenhang zwischen mehr Treibhausgas, höheren Temperaturen in der Atmosphäre und sinkenden Wassertemperaturen lässt sich leicht erklären», sagte der Bremer Mit- Autor Stefan Mulitza. So nähmen durch die steigenden Lufttemperaturen die Druckunterschiede in der Atmosphäre über Land und Ozean zu und verstärkten damit die äquatorwärts wehenden Winde.

«Dies hat zweierlei Folgen», erläuterte Mulitza. «Zunehmende Winde und Erdrotation sorgen dafür, dass verstärkt küstennahes Oberflächenwasser auf das offene Meer verdriftet wird. Diese Warmwassermassen werden sodann durch aufquellendes kühles Wasser aus tieferen Ozeanschichten ersetzt.» Solche Meeresregionen würden als Auftriebgebiete bezeichnet. «Dort gilt: Je stärker der Treibhauseffekt, desto stärker arbeitet die Kaltwasserpumpe.»

Entsprechende Hinweise gebe auch in anderen Regionen, erklärt das Team um McGregor, etwa vor der Iberischen Halbinsel und in der Arabischen See zwischen Afrika und Indien. In der Arabische See könnte ein Temperaturanstieg über der eurasischen Landmasse die Ursache sein. Auch die Küsten Kaliforniens und Perus seien laut anderen Untersuchungen betroffen. Bislang herrsche in diesen Regionen eine komplexe Balance zwischen Temperatur, Ozeanchemie, Ozeanströmen und dem Fischereidruck des Menschen. Die ökologische und wirtschaftliche Bedeutung dieser Gegenden gebiete eine weitere Untersuchung dieser Effekte, erklären die Forscher.

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