07.04.2020 • Vakuum

Vom Nutzen des Nichts

Vakuumhersteller Leybold feiert 170. Geburtstag.

Traditions­unternehmen können nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn sie inno­vativ sind. Dem Vakuum­­spezialisten Leybold ist diese Verbindung aus Tradition und Innovation im Laufe seiner Firmen­­ge­schichte immer wieder eindrucks­voll gelungen. Nicht zuletzt deshalb ist Leybold stolz, im Jahr 2020 mit seinem 170. Ge­burts­tag einen ganz beson­deren Meilen­­stein zu feiern. Dabei betont das Unter­nehmen, dass dieses wichtige Jubiläum nicht möglich gewesen wäre ohne den unermüd­lichen Einsatz und die Arbeit mehrerer Genera­tionen engagierter Mitarbeiter.

Abb.: Firmen­gründer Ernst Leybold, Groß­händler für Labor­bedarf, vor...
Abb.: Firmen­gründer Ernst Leybold, Groß­händler für Labor­bedarf, vor seinen Pro­dukten. (Bild: Leybold)

Den Grundstein des Erfolges legte der Kaufmann Ernst Leybold als er 1850 aus Rothen­burg ob der Tauber nach Köln zog und sein erstes Unter­nehmen gründete – zunächst als Kommis­sions- und Spedi­tions­geschäft für Medizin­gläser, Salben­töpfe, Thermo­meter und Waagen. 1854 erwei­terte er sein Angebot um physi­kalische, pharma­zeutische und chemische Apparate. 1870 verkaufte Leybold schließ­lich sein Geschäft, das jedoch weiter unter dem Namen E. Leybold’s Nach­folger firmierte.

Der Siegeszug der Vakuum­­technologie begann im Jahr 1906 durch die Zusammen­­arbeit mit Dr. Wolfgang Gaede, Professor für Physik in Karlsruhe. Gaedes Arbeits­ethos war von Effizienz geprägt: „Wenn ich aus wissenschaftlichem Interesse einer Idee nachgehe, springt immer eine Erfindung dabei heraus“. Entsprechend ergiebig war die Ko­ope­ration zwischen Leybold und Gaede: Unter anderem brachte sie In­nova­tionen hervor, deren Bedeutung heute noch sehr hoch sind, wie etwa die Er­fin­dung der Mole­kular­­luftpumpe, das Grund­­prinzip der Turbo­­mole­kula­r­pumpe (1911) sowie die Nutzung der Dif­fusions­pumpe (1913). Dif­fusions­pumpen haben keine be­weg­lichen Teile – ihr Funkt­ions­­prinzip basiert auf dampf­förmigen Treib­mitteln und er­mög­licht einen zuverlässigen, war­tungs­­armen Betrieb. Die robusten „Arbeitspferde“ werden heute noch in Appli­kationen eingesetzt. Aber auch Gaedes 1935 patentierte Gas­­bal­last­­einrichtung zum effi­zienten Abpumpen von Dämpfen findet sich heute noch in vielen Anwendungen.

Abb.: Anfänge in Sachen Unter­druck­erzeugung (v.l.n.r): die...
Abb.: Anfänge in Sachen Unter­druck­erzeugung (v.l.n.r): die Queck­silber-Hoch­vakuum-Pumpe von 1907 erzielte mit einem Saug­ver­mögen von 5 l/min einen End­partial­druck kleiner 10-5 mbar, die be­rühm­te Molekular-(Luft)-Pumpe von 1912 kam mit einem Saug­ver­mögen von 1 l/s auf Drücke im kleiner 10-6 mbar, die auch die Queck­silber-Diffu­sions-Pumpe von 1930 mit einem Saug­ver­mögen von 15 l/s erreichte. (Bilder: Leybold)

Den Beginn der Vakuum-Metallurgie mar­kiert das Jahr 1913. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte der Leiter des Physi­kali­schen Ver­suchs­labors der W.C. Heraeus GmbH, Dr. Wilhelm Rohn, in Hanau ein Verfahren, um hochreine Metalle unter Vakuum zu schmelzen. Unterbrochen durch den ersten Weltkrieg wurde das „Verfahren zum Vakuum­­schmelzen und Vergüten von Metallen und Legierungen“ aller­dings erst nach dem Krieg, im Jahr 1918, patentiert. 1931 gelang es Wilhelm Carl Heraeus Metalle auf Glas aufzudampfen – ein weiterer Meilen­stein der Vakuum­beschich­tungs­technik.

Im selben Jahr trat bei E. Leybold’s Nach­folger mit Dr. Manfred Dunkel ein Geschäfts­führer an, der das Unternehmen erfolgreich und lange (bis 1967) leitete. Die Epoche war prägend, auch weil die Va­ku­um­technik in dieser Zeit zu­neh­mend industriell genutzt wurde. Entsprechend waren neben technischen und natur­wissen­schaftlichen Kenntnissen nicht zuletzt Manage­ment­fähigkeiten gefragt, um die Erkenntnisse in verfahrenstechnische Anwendungen zu bringen.Bereits in den Jahren 1948 und 1955 sicherten sich die Metall­gesellschaft AG sowie die Degussa AG Beteiligungen an E. Leybold’s Nachfolger. Daraus ergaben sich Synergien, die den Erfolg auf den Weltmärkten sicherten und 1967 zur Fusion von E. Leybold’s  Nach­folger und der Heraeus Hoch­vakuum GmbH führten. Das Re­sul­tat war ein gut ge­misch­tes Port­folio aus Va­ku­um­technik und Vakuum-Verfahrens­technik. Flan­kiert wurde das weitere Wachstum durch Pro­dukt­­entwicklungen wie die Kryopumpen mit flüssigem Helium (1962) sowie Helium-Leck­sucher. Im Jahr 1963 wurden zudem erstmals Ionen­­zer­stäu­ber­­pum­pen prä­sentiert.

Die 1980er Jahre waren geprägt durch starkes Wachs­tum, sodass Leybold 1987 auf rund 5.600 Mitarbeiter angewachsen war und einen Umsatz von über einer Milliarde D-Mark erzielte. Noch im selben Jahr erfolgten grund­legende Um­struk­tu­r­ierungen in den Eigen­tums­­ver­hält­nis­sen: Die Me­tal­l­ge­sell­­schaft schied als Ge­sell­­schaf­ter aus und auch W.C. Heraeus trennte sich von den Anteilen – alleiniger Ge­sell­schaf­ter war nun die Degussa. Als „Leybold AG“ wurde die Zentrale nach Hanau verlagert, mit der Folge, dass sich in Köln die Vakuumtechnik, in Hürth die Natur­wissen­schaftlich-technischen Lehrmittel und in Hanau die Vakuum-Verfahrens­technik ansiedelten. Mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 und öko­no­mischen Ver­wer­f­ungen der westlichen In­dus­trie­­staaten geriet die neue Leybold AG in große wirtschaft­liche Tur­bu­­lenzen, in deren Folge die Degussa 1994 ihre Anteile an die Oer­likon-Bührle Gruppe (Schweiz) verkaufte und Leybold 1995 mit der Balzers AG zur Balzers und Leybold Gruppe zusammen­geführt wurde.
 

Abb.: Zweimal Dreh­schieber­pumpen­prinzip: Die rotie­rende Kapsel-Pumpe...
Abb.: Zweimal Dreh­schieber­pumpen­prinzip: Die rotie­rende Kapsel-Pumpe (links) stellte 1908 mit einem Saug­ver­mögen 2,5 m3/h ihren Anwen­dern einen End­partial­druck kleiner 10-1 mbar bereit. Die Trivac D 25 B (rechts) kommt heut­zu­tage mit einem Saug­ver­mögen von 25,7 m3/h energie­effizient, vibra­tions­arm und leise auf einen End­druck von 2·10-3 mbar. (Bilder: Leybold)

1997 gründete die Leybold GmbH eine hundert­prozentige Tochter­gesellschaft in China, um ab 1998 von dem hohen Po­ten­zial der auf­stre­benden Wirt­schafts­­region und der Kunden­nähe zu pro­fitieren. Im Jahr 2000 erfolgte die Um­be­nennung der Oer­likon-Bührle Gruppe in UNAXIS, einhergehend mit weitreichenden Re­struk­turierungen durch die Fo­kus­sierung auf Halb­leiternahe Techno­logien. Dies erforderte Inno­vationen in der Herstellungs­technologie: Mit der Eröffnung des neuen Kölner Fertigungs­gebäudes für die Hoch­vakuum­­technologie 2004 kam Leybold den gestiegenen Anforderungen in der Forschungs- und Entwicklungs­arbeit nach. Gestützt durch wirtschaft­liches Wachstum erfolgte 2006 die Umbenennung des UNAXIS Konzerns in Oerlikon. Leybold firmierte bis zum Verkauf an Atlas Copco als Oerlikon Leybold Vacuum.

Im Jahr 2016 übernahm die schwedische Atlas Copco AB Leybold zu 100 Prozent. Atlas Copco ist ein Multi-Brand Konzern mit Kunden in mehr als 180 Ländern und rund 37 000 Mitarbeitern. Leybold ist heute Teil des Geschäfts­bereichs Vacuum Technique von Atlas Copco. Dabei setzt Atlas Copco auf die tra­diti­onelle Marken­stärke von Leybold und auf die Er­gän­zung des in­no­va­tiven tech­no­logischen Know-hows.

Seit 170 Jahren entwickelt und liefert Leybold mit Stammsitz in Köln international Vakuumpumpen, Systeme, standardi­sierte und maßgeschneiderte Vakuum­lösungen sowie Service­leistungen für viele unterschiedliche Branchen. Als Anbieter von Vakuum­technologie ist Leybold heute führend in vielen industriellen Anwendungen wie etwa der Metallurgie und der industriellen Beschichtungstechnologie. Ergänzt um Applikationen in der Analysentechnik, Display­herstellung sowie Forschung und Entwicklung gehört der Vakuumpionier zu den führenden Anbietern weltweit. Durch die synergetische Leistungs­fähigkeit von Atlas Copco und Leybold in den Bereichen trockene industrielle Vakuum­pumpen sowie Hoch­vakuum­pumpen für die Wissen­schaft und Forschung ist eine technologische Plattform zur Entwicklung von nachhaltigen Hochleistungs-Produkten für die kommenden Generationen entstanden.

Leybold / LK

 

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