Von harten Kugeln zu dünnen Gasen
Eine der Fields-Medaillen 2026 geht an Yu Deng für seine Arbeiten in der mathematischen Physik.
Jakob Schöll
Alle vier Jahre vergibt die Internationale Mathematische Union (IMU) die Fields-Medaille für herausragende Leistungen in der Mathematik und die Aussicht auf weitere Erfolge. Dieses Jahr würdigt die Auszeichnung auch Arbeiten aus der mathematischen Physik. Der chinesische Mathematiker Yu Deng erhielt den Preis für die rigorose Analyse von komplexen dynamischen Systemen. Er zeigte auf, wie makroskopisches Verhalten aus den dynamischen Prozessen der mikroskopischen Ebene hervorgeht.

Gemeinsam mit Zaher Hani und Xiao Ma leitete er die Boltzmann-Gleichung für verdünnte Gase rigoros aus der Dynamik harter Kugeln her. Dabei gelang es ihnen, beliebig viele Kollisionen zwischen den Gasmolekülen miteinzubeziehen, während vorherige Arbeiten vereinfachend nur jeweils eine Kollision betrachtet haben. Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbindung von Newtonscher Mechanik und kinetischer Gastheorie.
Darüber hinaus konnte Deng gemeinsam mit Hani große Fortschritte bei der Herleitung der kinetischen Wellengleichung aus nicht-linearen dispersiven Systemen erzielen und entwickelte zusammen mit Andrea Nahmoud und Haitian Yue neuartige Ansätze für nicht-lineare Schrödinger-Gleichungen. Die Ergebnisse spielen eine wichtige Rolle für die Wellenturbulenz und gewähren neue Einblicke in das langfristige Verhalten von nicht-linearen, dispersiven Gleichungen.
Deng wuchs in Shenzhen, China, auf. In seiner Jugend spielte er einige Jahre lang Go und dachte sogar über eine professionelle Go-Karriere nach. Als daraus nichts wurde, wandte er sich sehr erfolgreich Mathematikwettbewerben wie der Internationalen Mathematik-Olympiade zu und entdeckte dabei sein Talent auf diesem Gebiet. Er studierte an der Peking University sowie am Massachusetts Institute of Technology in den USA und promovierte 2015 an der Princeton University in Mathematik. Heute ist er Professor an der University of Chicago. Seine Forschung fokussiert sich auf partielle Differentialgleichungen, wobei er sich unter anderem mit der Wahrscheinlichkeitstheorie von Differentialgleichungen, statistischer Physik und Quantenfeldtheorie beschäftigt.
Die Fields-Medaille ist mit 15.000 kanadischen Dollar dotiert und wird nur an Forschende verliehen, die nicht älter als vierzig Jahre sind. Die IMU ehrte dieses Jahr neben Deng auch den US-Amerikaner John Pardon, den Kanadier Jacob Tsimerman sowie die chinesische Mathematikerin Hong Wang mit der Medaille. Hong Wang ist nach der Iranerin Maryam Mirzakhani und der Ukrainerin Maryna Viazovska erst die dritte Frau, die diese Auszeichnung erhielt.













