02.08.2018

Fields-Medaille für Peter Scholze

Höchste Mathematik-Auszeichnung für neue Methoden im Grenzbereich von Zahlentheorie und Geometrie.

Peter Scholze ist erst der zweite Deutsche, der die Fields-Medaille in mehr als 80 Jahren erhalten hat. Erster deutscher Preis­träger war im Jahr 1986 Gerd Faltings, der derzeit Direktor am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn und Vorstands­mitglied des Hausdorff-Zentrums für Mathe­matik der Univer­sität Bonn ist. Die Verleihung ist nur der Höhepunkt einer Vielzahl von Preisen und Auszeich­nungen für Peter Scholze in den letzten Jahren. Seine wissen­schaftlichen Leistungen fanden bereits Anerkennung im Clay Fellowship der Clay Foundation, dem Prix Peccot des Collège de France, dem Clay Research Award, dem Cole Prize for Algebra der American Mathematical Society, dem Leibniz-Preis der Deutschen Forschungs­gemeinschaft und der Aufnahme in vier renommierte wissen­schaftliche Akademien.

Abb.: Peter Scholze vom Hausdorff-Zentrum für Mathematik in Bonn entdeckte die perfektoiden Räume und wurde nun mit der Fields-Medaille ausgezeichnet. (Bild: V. Lannert, Univ. Bonn)

Peter Scholze hat das Methoden­spektrum im Grenzbereich von Zahlen­theorie und Geometrie, der Arith­metischen Geometrie, durch die von ihm entdeckten „perfektoiden Räume“ grundlegend erweitert. Diese neuen Strukturen erlauben es, die ganzen Zahlen besser als bislang als geome­trisches Gebilde zu inter­pretieren, in dem auch in einer Umgebung von Primzahlen – über p-adischen Zahlen – Geometrie betrieben werden kann. Dadurch werden umgekehrt neue, unerwartete Rückschlüsse auf offene zahlen­theoretische Frage­stellungen ermöglicht.

Die Auszeich­nung von Peter Scholze ist ein weiterer Meilen­stein in der langen Tradition der Bonner Mathematik, die zu den größten und wichtigsten Zentren für mathematische Lehre und Forschung in Deutschland und weltweit gehört. Mit ihrer Geschichte verbinden sich große Gelehrte wie Julius Plücker, Felix Klein, Rudolf Lipschitz, Felix Hausdorff und Otto Toeplitz. Friedrich Hirzebruch machte Bonn im 20. Jahrhundert zu einem inter­nationalen Zentrum der Mathematik und gründete das Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn. Seit Jahrzehnten fördert die Universität Bonn die Mathematik syste­matisch und nachhaltig für die Zukunft. So bildet mathe­matische Forschung einen ihrer sechs Profil-Bereiche. Seit 2006 wird das Hausdorff Center for Mathematics im Rahmen der Exzellenz­initiative des Bundes und der Länder als Exzellenz-Cluster gefördert. Auch hierdurch konnte die Förderung hoch­talentierter Nachwuchs­wissenschaftlerinnen und -wissenschaftler noch stärker erfolgreich adressiert und das bereits vorhandene hervor­ragende Umfeld der Mathematik an der Universität Bonn weiter­entwickelt werden.

Dieses Bonner Umfeld war für Peter Scholze der entscheidende Grund, aus Berlin kommend, die Universität Bonn als Studienort zu wählen. Bereits als Schüler hat er auf sein mathe­matisches Talent durch drei Gold- und eine Silber­medaille bei der Inter­nationalen Mathematik-Olympiade auf sich aufmerksam gemacht. Während der Promotion bei seinem akademischen Lehrer und Wegbereiter, Leibniz Preisträger Michael Rapoport, wurde die Brillanz des jungen Forschers weltweit erkannt. Um ihn an Bonn zu binden, hat sich die Universität Bonn im Jahr 2012 zu einem außer­gewöhnlichen Schritt entschlossen: Mit Mitteln der Exzellenz­initiative wurde er mit nur 24 Jahren als jüngster W3-Professor Deutschlands auf einen renommierten „Hausdorff Chair“ des Hausdorff-Zentrums für Mathematik der Universität Bonn berufen. Seither wird er von den besten Univer­sitäten weltweit umworben.

Der Rektor der Univer­sität Bonn, Michael Hoch, betont: „Die Auszeichnung und der ganz persönliche Erfolg von Peter Scholze ist auch für die Universität Bonn von größter Bedeutung. Unser Ziel war und ist es, die besten Köpfe der jeweiligen Diszi­plinen, auch und vor allem heraus­ragende Nachwuchs­talente, für Bonn zu gewinnen und ihnen optimale Bedingungen für ihre Forschung zu bieten. Hierfür ist Peter Scholze als Ausnahme-Mathematiker ein überaus beein­druckendes Beispiel. Ohne jeden Zweifel wird er die mathe­matische Forschung auch in Zukunft maßgeblich prägen.“ Peter Scholze bleibt der Wissen­schaftsstadt Bonn erhalten: „Die Rahmen­bedingungen hier in Bonn sind großartig und die inter­nationale Atmosphäre sehr inspirierend“, erklärt der Mathematiker. Neben seinem Hausdorff Chair am Mathe­matischen Institut der Universität wurde er kürzlich auch als Wissen­schaftlicher Direktor an das Bonner Max-Planck-Institut für Mathematik berufen.

U. Bonn / JOL

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