13.04.2004

Windmühlen im Meer

Die Zukunft der Windkraft liegt auf dem Meer. Weit draußen sollen gigantische Windmühlen Wind zu Strom wandeln.

Windmühlen im Meer 

Hamburg (dpa) - Die Zukunft der Windkraft liegt auf dem Meer. Weit draußen sollen gigantische Windmühlen, zu Dutzenden in Parks zusammengefasst, Wind zu Strom wandeln. 30 Anträge auf so genannte Offshore-Parks liegen derzeit beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg. Vier Projekte mit je 12 bis 80 Mühlen wurden bislang genehmigt, drei Parks werden nördlich von Borkum entstehen, ein weiterer westlich von Sylt.

Deutsche Windkrafttechnologie gilt inzwischen als weltweit beste, in keinem anderen Land gibt es ähnlich viele Windmühlen. Mehr als 15 000 Mühlen wurden bis Ende 2003 aufgestellt, die meisten in Norddeutschland, wo der Wind besonders häufig und kräftig bläst. Deutschlands Windstromleistung ist so groß wie die von Dänemark, Spanien und den USA zusammen, bis 2010 soll sie verdoppelt werden.

Demnächst sollen gigantische Windmühlenparks nicht nur an Land sondern verstärkt auf dem Meer entstehen - bis zu 40 km vor der Küste. (Quelle: REpower Systems AG, Jan Oelker)

Beim Thema Offshore allerdings hinkt Deutschland international hinterher. «Wir haben uns das wieder mal schwerer gemacht als andere», sagt Fritz Vahrenholt, Vorstandsvorsitzender der Windkraft-Firma REpower. «Als Windenergie nur eine Spielwiese war, wurde sie gelobt. Jetzt, wo sie Erfolg hat, wird sie in Grund und Boden kritisiert», bemängelt er. «Es ist schon erstaunlich, dass ein technologieorientiertes Land wie Deutschland so mit Angst und Schrecken auf alles Neue reagiert», sagt auch Greenpeace-Windenergie- Experte Sven Teske.

Während in Dänemark schon seit Jahren Windmühlen überm Wasser kreisen und auch in Schweden, England und Irland Offshore-Parks entstanden sind, werden deutsche Anlagen frühestens 2006 den ersten Strom ins Netz speisen. Ursache sind neben Zweifeln an der Wirtschaftlichkeit vor allem Naturschutzbedenken. Das Wattenmeer, Naturparks und Vogelschutzgebiete sind tabu - und damit fast die gesamte Nord- und Ostseeküste.

Die deutschen Anlagen werden deshalb bis zu 40 Kilometer von den Küsten entfernt rotieren, die Betonfundamente in rund 30 Meter tiefem Wasser versenkt. «Die Tierdichte ist dort viel geringer und die Türme sind von den Stränden aus nicht zu sehen», erklärt Vahrenholt. Grund für Greenpeace, den Naturschutzbund (NABU) und den Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Offshore-Anlagen zu befürworten. Und eine technische Herausforderung der Superlative: «Es gibt weltweit keinen Park, der weiter als 15 Kilometer draußen liegt», sagt Teske.

Stromriesen wie RWE und E.ON sehen die Projekte deshalb skeptisch: Bislang gebe es keine Praxiserfahrungen mit vergleichbaren Projekten, heißt es bei E.ON. Die Kosten für eine Kilowattstunde Windstrom aus Offshore-Parks beziffern internationale Schätzungen auf 3,5 bis 9 Cent.

Derzeit stammen mehr als 30 Prozent des heimischen Stromes aus der Kernkraft, etwa 6 Prozent werden vom Wind produziert. Bis 2020 sollen nach dem Willen der Bundesregierung 20 000 Megawatt aus Offshore-Anlagen hinzukommen. Vahrenholt hält mittelfristig einen Anteil der Windenergie von insgesamt 15 bis 20 Prozent für realistisch. Diese birgt allerdings ein Problem: Sie ist unberechenbar. Bei Sturm pumpen die Anlagen gigantische Strommengen ins Netz, bei Flaute müssen andere Kraftwerke zugeschaltet werden. Stromkonzerne wie E.ON warnen daher nach der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) Anfang April vor massiven Preissteigerungen.

Dass es funktionieren kann, zeigt das Beispiel Dänemark. «Die Dänen haben einen Windkraftanteil von bis zu 30 Prozent», sagt Greenpeace-Experte Teske. «Wären drei Prozent der europäischen Seefläche Windparks, würden diese 30 Prozent des gesamten Strombedarfs in Europa decken.»

Weit schwieriger ist es, die Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt zu beurteilen. Naturschützer fürchten, dass die Giganten den Vogelzügen im Weg stehen, mit dem Lärm der Propeller Schweinswale verscheuchen und die Verteilung der Fischarten verändern. Teske hält solche Annahmen für zu pessimistisch: «Auch bei den Land-Anlagen wurde vor verheerendem Vogelschlag gewarnt. Diese Vorhersagen sind zum Glück nie eingetreten.»

Alternativen zu den Offshore-Parks sehen selbst Naturschützer momentan nicht. «Wind ist ein heimischer Energieträger. Bei anderen Quellen wie Braunkohle werden ganze Landschaften verheizt», argumentiert Teske. «Wir wollen Strom, und wir wollen eine ganze Menge davon. Und eine Energiequelle ganz ohne Auswirkungen auf die Umwelt, die gibt es nun mal leider nicht.»

Annett Klimpel, dpa

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