Physik Journal 10 / 2026

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Gravitationswellen berechnen
Smart Farming
Exzellenzcluster Dynaverse

Wenn zwei Schwarze Löcher einan­der passieren, senden sie bereits weit vor ihrer Kollision Gravitationswellen aus.  Um diese zu detektieren, gilt es, eine enorme Zahl solcher Gravitationswellenmuster zu simulieren. (Bild: Mathias Driesse / Humboldt-Universität zu Berlin; vgl. S. 25)


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Meinung

Wie solidarisch ist die Physik?Hannes Vogel • 10/2026 • Seite 3

Wie solidarisch ist die Physik?

Würden wir Haltung zeigen, wenn andere Fachbereiche politisch unter Druck geraten?

Aktuell

Anja Hauck • 10/2026 • Seite 6 • DPG-Mitglieder

Start-up ins All

Das deutsche Start-up-Unternehmen Isar Aerospace hat erfolgreich eine Trägerrakete mit Nutzlast in den Weltraum geschickt.

Kerstin Sonnabend • 10/2026 • Seite 7 • DPG-Mitglieder

Strahlzeit zahlt sich aus

Eine Wirkungsanalyse betont die positive sozio-ökonomische Bedeutung von BESSY für Berlin und Deutschland.

Alexander Pawlak • 10/2026 • Seite 8 • DPG-Mitglieder

Das Universum im Weitwinkel

Das Nancy-Grace-Roman-Weltraumteleskop der NASA erforscht die Geschichte des Kosmos und testet neue Technik, um Exoplaneten aufzuspüren und zu untersuchen.

Maike Pfalz / FZ Jülich • 10/2026 • Seite 10 • DPG-Mitglieder

Ein Taktgeber für die Quanten­zukunft

Mit JION geht in Jülich ein neuer Ionenfallen-Quantencomputer für Forschung und Industrie an den Start.

Kerstin Sonnabend • 10/2026 • Seite 10 • DPG-Mitglieder

Prototyp für Positronen

Eine neuartige Positronenquelle am Paul Scherrer Institut könnte ausreichende Intensitäten für den Future Circular Collider erzeugen.

Alexander Pawlak • 10/2026 • Seite 11 • DPG-Mitglieder

Europäisch eigenständiger im All

Der erste International Space Summit nahm am 9. und 10. September die Zukunft der Raumfahrt ins Visier.

Alexander Pawlak • 10/2026 • Seite 12 • DPG-Mitglieder

Vereint getrennt zum Merkur

Mit der erfolgreichen Abtrennung des Transfermoduls hat die mehrstufige Ankunftsphase der ESA-Mission BepiColombo zum Merkur begonnen.

Matthias Delbrück • 10/2026 • Seite 12 • DPG-Mitglieder

Großbritannien: Grundlegende Kürzungen

Auch die neue britische Regierung bevorzugt Forschungsthemen, die im Trend stehen.

Kerstin Sonnabend • 10/2026 • Seite 13 • DPG-Mitglieder

Planung in Verzug

Die Verhandlungen über die Gestaltung des nächsten europäischen Forschungsrahmenprogramms sind ins Stocken geraten.

Matthias Delbrück • 10/2026 • Seite 14 • DPG-Mitglieder

USA: Rettung gescheitert; Goldene Zeiten?

High-Tech

Michael Vogel • 10/2026 • Seite 16 • DPG-Mitglieder

Hybride Ernte; Mobiles Spektrometer; Maser zum Anwenden; Gemessene ­Beschleunigung

Brennpunkt

Seltsames HypertritonAndreas Nogga • 10/2026 • Seite 18 • DPG-Mitglieder

Seltsames Hypertriton

Ein neues Experiment am Mainzer Mikrotron MAMI liefert für die Bindungsenergie des leichtesten Hyperkerns einen signifikant höheren Wert als bisher gemessen.

Kerstin Sonnabend • 10/2026 • Seite 21 • DPG-Mitglieder

Auf den Punkt gebracht

Münzwurf mit QuantenvorteilMaik Romancewicz und Otfried Gühne • 10/2026 • Seite 22 • DPG-Mitglieder

Münzwurf mit Quantenvorteil

Quantenmechanische Methoden erlauben es, mit schwachen Zufallsquellen
perfekten Zufall zu erzeugen.

Überblick

Schwarze Löcher tanzen lassenJan Plefka • 10/2026 • Seite 25 • DPG-Mitglieder

Schwarze Löcher tanzen lassen


Wie sich mit Methoden der Quantenfeldtheorie das gravitative Zweikörperproblem lösen lässt.

Gravitationswellendetektoren beobachten das Verschmelzen Schwarzer Löcher und Neutronensterne mit stetig wachsender Präzision. Um aus den Signalen ­Massen, Spins und Bahnparameter zu bestimmen, benötigt man hochpräzise Vorhersagen für die Wellenformen aus der Allgemeinen Relativitätstheorie, deren Genauigkeit mit der Empfindlichkeit der Detektoren Schritt hält. Numerische Relativität allein kann das nicht leisten, sodass die analytische Störungstheorie unverzichtbar ist. Dabei zeigt sich eine synergetische Verbindung zu Streuprozessen an Teilchenbeschleunigern: Theoretische Methoden der Collider-Physik lassen sich auf das klassische Zweikörperproblem der Allgemeinen Relativitätstheorie übertragen. Feynman-­Graphen, Vielschleifenintegrale und deren Lösung durch Differentialgleichungen liefern heute die präzisesten Vorhersagen für die Streuung zweier Schwarzer Löcher und führen uns dabei auf fortgeschrittene Mathematik, bis hin zu Calabi-Yau-Geometrien.

Das gravitative Zweikörperproblem ist so alt wie die Physik als exakte Wissenschaft selbst: Newton formulierte die Bewegungsgleichungen zweier Massen unter dem Einfluss seines Gravitationsgesetzes und löste sie in den Principia mithilfe der neu entwickelten Analysis exakt. Damit gelang es ihm, die empirisch gewonnenen Keplerschen Gesetze herzuleiten, nach denen sich Himmelskörper auf Kegelschnitten bewegen. Entweder liegt der gebundene Fall mit elliptischen Bahnen vor (die Planetenbahnen) oder aber der ungebundene Streuungsfall mit hyperbolischen Bahnen, wie sie sich bei der Passage interstellarer Objekte durch unser Sonnensystem zeigen.
Wie wir heute wissen, ist die Newtonsche Dynamik lediglich eine Näherung für kleine (nichtrelativistische) Geschwindigkeiten und schwache Gravitationsfelder. Die exakte Formulierung folgt aus Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie (ART) und ist ungleich komplizierter: In der Regel ist sie nicht mehr exakt lösbar. Die Körper bewegen sich nicht in einem festen ­Potential, sondern in einer Raumzeitgeometrie, die sie selbst erzeugen. Daher hat man es mit einem gekoppelten System nichtlinearer gewöhnlicher und partieller Differentialgleichungen zu tun, welche die Trajektorie des Körpers und des Gravitationsfeldes beschreiben. In der ART strahlen hierbei beschleunigte Massen Gravitationswellen ab, die selbst Energie und Impuls tragen. Das Zweikörpersystem verliert somit Energie in Form von Gravitationsstrahlung und ist nicht mehr konservativ, in Analogie zur Elektrodynamik, wo beschleunigte Ladungen elektromagnetische Strahlung emittieren. Bei der Gravitation erweist sich diese Strahlungsdynamik jedoch aufgrund der nichtlinearen Feldgleichungen als deutlich anspruchsvoller. (...)

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Spektroskopie trifft auf KIJulius Schöning und Stefan Stiene • 10/2026 • Seite 33 • DPG-Mitglieder

Spektroskopie trifft auf KI

Wie Reflexionsspektren und künstliche neuronale Netze die Landwirtschaft
datengetrieben machen.

Die moderne Landwirtschaft arbeitet datengestützt: Drohnen und Roboter erfassen im Sekundentakt den Zustand der Pflanzen auf den Feldern; Algorithmen lernen aus jedem „Lichtfingerabdruck“ einer Pflanze und erkennen, ob sie Wasser braucht, ihr Stickstoff fehlt oder ein Pilzbefall beginnt – sogar bevor ihn ein menschliches Auge wahrnimmt. Hinter diesen Innovationen stecken tiefe künstliche neuronale Netze, die Reflexionsspektren von Chlorophyll bis Wasser und autonome Feldroboter miteinander verknüpfen.

Die Weltbevölkerung wächst, während die nutzbaren Ackerflächen schrumpfen und Wetterextreme zunehmen. Gleichzeitig erfordern Klima- und Umweltschutz einen drastisch reduzierten Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Diese scheinbar widersprüchlichen Anforderungen kann nur die bislang unerreichte Präzisionssteigerung einer quadratmetergenauen Bewirtschaftung lösen. Sie bezieht jede zusammenhängende, einheitlich bewirtschaftete Ackerfläche eines Betriebs ein und passt sich dynamisch an Boden, Klima und den aktuellen Zustand der Kulturen an. Genau hier setzen die Konzepte des Smart Farming und des Precision Farming an [1 – 3].

Im Vordergrund stehen drei treibende Kräfte (Abb. 1). Der Klimawandel erzwingt angepasste Sorten und Anbauverfahren, während der Verlust der Biodiversität eng mit der klassischen Pflanzenschutzpraxis verknüpft ist. Darüber hinaus weiß die Landwirtschaft inzwischen um globale Abhängigkeiten bei Düngemitteln, fossilen Treibstoffen und Agrarrohstoffen. Optimierte Prozesse und Maschinen steigern die Effizienz und wirken sich nachhaltig aus. Die Optimierung beruht vor allem auf Daten, benötigt aber auch Sensorik, Plattformen und Auswerte-Algorithmen, die unter realen Bedingungen funktionieren müssen.

Im Umland von Osnabrück gibt es ein weltweit einmaliges Ballungszentrum von Landtechnikunternehmen. Im Zentrum dieses Agrotech Valley stehen neben den Unternehmen auch Forschungseinrichtungen wie die Hochschule und die Universität Osnabrück, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz sowie der Verein Agrotech Valley Forum e. V. mit einem Anwendungsfokus auf innovative Landtechnik. Vor Ort haben sie ein gemeinsames Portfolio aufgebaut und arbeiten in zahlreichen Projekten an Smart-Agriculture-Technologien.
Seit Ende der 2000er-Jahre gibt es den autonomen Feldroboter BoniRob [4]. Dieser Klassiker der Agrarrobotik nutzte zur individuellen Pflanzenphänotypisierung multispektrale Kameras, 3D-Time-of-Flight-Sensoren und ein modulares Werkzeugkonzept. Inzwischen ist an seine Stelle ein breites Portfolio von Maschinen getreten, die sich vor allem in ihrer Größe und Leistungsklasse unterscheiden: von hochautomatisierten Traktoren als Generalisten bis zu kleinen Systemen für Nischenanwendungen. (...)

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Forum

Von Sekunden bis JahrmilliardenJakob Schöll • 10/2026 • Seite 40 • DPG-Mitglieder

Von Sekunden bis Jahrmilliarden

Der Exzellenzcluster „Unser dynamisches Universum“ erforscht die Evolution
des Universums auf allen Zeitskalen.

Sekundenschnelle Fast Radio Bursts oder Supernovae sind für die Dynamik des Universums ebenso wichtig wie die Sternentstehung, die mehrere Millionen Jahre in Anspruch nimmt, oder die Entwicklung der Galaxien über Milliarden von Jahren hinweg. Das Ziel des Exzellenzclusters „Unser dynamisches Universum“ (Dynaverse) ist es zu untersuchen, wie sich die Ereignisse auf kurzen Zeitskalen und die langfristigen Prozesse gegenseitig beeinflussen, um die Dynamik des Universums besser zu verstehen. Dafür vereint der Cluster Expertise für Instrumentenentwicklung, Beobachtungen, Simulationen, Laborastrophysik und Astroinformatik.

Dynaverse ist eine Kooperation zwischen der Universität zu Köln, der Universität Bonn, dem Max-Planck-Institut für Radioastronomie und weiteren Institutionen (Infokasten). Die beiden Universitäten arbeiten in der Astronomie bereits seit vielen Jahren eng zusammen, unter anderem im Rahmen von Sonderforschungsbereichen. Zu den gemeinsamen Projekten zählen zudem der Bau und Betrieb des Fred Young Submillimeter Telescope in Chile zusammen mit internationalen Partnern.

Die Forschung im ­Cluster fokussiert sich auf drei „Astro­physical Research Challenges“. Die erste beschäftigt sich mit der Zeitraffer-Astronomie, also mit Phänomenen im Universum, die auf so langen Zeitskalen stattfinden, dass sie sich nicht in Echtzeit verfolgen lassen. Dazu gehören die Galaxienentwicklung sowie die Stern- und Planeten­entstehung und der damit verbundene Transport von Staub und Gas über viele Skalen hinweg.

In der Zweiten geht es um die Zeitlupen-Astronomie, die sich auf kurzzeitige, also transiente Ereignisse wie Supernovae, Radioblitze oder die Verschmelzung von Schwarzen Löchern konzentriert. Diese meist sehr energie­reichen Phänomene können ganze Galaxien beeinflussen, was ­eine Verbindung zur ersten Research ­Challenge herstellt. Um Wechselwirkungen zwischen transienten Ereignissen und den Entwicklungen auf langen Zeitskalen genau zu verstehen, sind neben detaillierteren Beobachtungen auch umfangreiche ­Simulationen not­wendig, welche die unterschiedlichen Skalen miteinander koppeln.

Die dritte Research Challenge zielt auf „Cosmic Twists“ ab, also Wendepunkte in der Evolution des Kosmos, die einmalig auftreten und das gesamte Universum für immer verändern. Dazu zählen die kosmische Inflation, also die exponentielle Expansion des Universums direkt nach dem Urknall, die Phase der Reionisation kurz nach der Entstehung der ersten Sterne und Galaxien und der Zeitpunkt, seit dem die Dunkle Energie über die sichtbare und Dunkle Materie dominiert. (...)

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Physik im Alltag

Die Qual der PlatzwahlLaura Lehmann • 10/2026 • Seite 44 • DPG-Mitglieder

Die Qual der Platzwahl

Physik und visuelle Täuschungen sorgen dafür, dass das wahrgenommene Erlebnis einer Achterbahnfahrt vom Sitzplatz in der Bahn abhängt.

Menschen

Kerstin Sonnabend • 10/2026 • Seite 46 • DPG-Mitglieder

„Das Heisenberg-Programm sollte viel mehr genutzt ­werden.“

Interview mit Daniel Hiller

10/2026 • Seite 48 • DPG-Mitglieder

Personalien

Jens Heufelder, Andrea Denker und ­Antonia Rötger • 10/2026 • Seite 52 • DPG-Mitglieder

Im Gedenken an Heinrich Homeyer

Stefan Blügel, Rudolf Zeller, Samir Lounis und Ingrid Mertig • 10/2026 • Seite 53 • DPG-Mitglieder

Nachruf auf Peter Heinz Dederichs

Rezensionen

Michael Vollmer • 10/2026 • Seite 54 • DPG-Mitglieder

Thomas Hockey: Naked-eye Astronomy

Sigismund Kobe • 10/2026 • Seite 54 • DPG-Mitglieder

Reinhard Folk et al.: Ernst Ising’s Doctoral Thesis – One Hundred Years On

Alexander Pawlak • 10/2026 • Seite 55 • DPG-Mitglieder

Stephen J. Pyne: Feuer – Eine Kultur- und Naturgeschichte

DPG

10/2026 • Seite 24 • DPG-Mitglieder

WEH-Stiftung: Stipendien­programm Wissenschafts­journalismus

10/2026 • Seite 32 • DPG-Mitglieder

Ein Tag vor Ort – Labor­besichtigungsprogramm

10/2026 • Seite 43 • DPG-Mitglieder

DPG-Akademie: ­Ideen­wettbewerb

10/2026 • Seite 56 • DPG-Mitglieder

Physik entdecken, Talente fördern

10/2026 • Seite 56 • DPG-Mitglieder

Quantencomputing verständlich vermitteln

Notizen

10/2026 • Seite 57 • DPG-Mitglieder

Notizen

Produkte und Firmen

SmarAct GmbH • 10/2026 • Seite 58 • DPG-Mitglieder

Präzision als Schlüssel für Quantentechnologien

Ob Quantencomputer, -kommunikation oder -sensorik: Der Weg von der Grundlagenforschung zu skalierbaren Anwendungen führt über hochpräzise Positionier- und Messtechnik.

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