Jakob Schöll • 10/2026 • Seite 40 • DPG-MitgliederVon Sekunden bis Jahrmilliarden
Der Exzellenzcluster „Unser dynamisches Universum“ erforscht die Evolution
des Universums auf allen Zeitskalen.
Sekundenschnelle Fast Radio Bursts oder Supernovae sind für die Dynamik des Universums ebenso wichtig wie die Sternentstehung, die mehrere Millionen Jahre in Anspruch nimmt, oder die Entwicklung der Galaxien über Milliarden von Jahren hinweg. Das Ziel des Exzellenzclusters „Unser dynamisches Universum“ (Dynaverse) ist es zu untersuchen, wie sich die Ereignisse auf kurzen Zeitskalen und die langfristigen Prozesse gegenseitig beeinflussen, um die Dynamik des Universums besser zu verstehen. Dafür vereint der Cluster Expertise für Instrumentenentwicklung, Beobachtungen, Simulationen, Laborastrophysik und Astroinformatik.
Dynaverse ist eine Kooperation zwischen der Universität zu Köln, der Universität Bonn, dem Max-Planck-Institut für Radioastronomie und weiteren Institutionen (Infokasten). Die beiden Universitäten arbeiten in der Astronomie bereits seit vielen Jahren eng zusammen, unter anderem im Rahmen von Sonderforschungsbereichen. Zu den gemeinsamen Projekten zählen zudem der Bau und Betrieb des Fred Young Submillimeter Telescope in Chile zusammen mit internationalen Partnern.
Die Forschung im Cluster fokussiert sich auf drei „Astrophysical Research Challenges“. Die erste beschäftigt sich mit der Zeitraffer-Astronomie, also mit Phänomenen im Universum, die auf so langen Zeitskalen stattfinden, dass sie sich nicht in Echtzeit verfolgen lassen. Dazu gehören die Galaxienentwicklung sowie die Stern- und Planetenentstehung und der damit verbundene Transport von Staub und Gas über viele Skalen hinweg.
In der Zweiten geht es um die Zeitlupen-Astronomie, die sich auf kurzzeitige, also transiente Ereignisse wie Supernovae, Radioblitze oder die Verschmelzung von Schwarzen Löchern konzentriert. Diese meist sehr energiereichen Phänomene können ganze Galaxien beeinflussen, was eine Verbindung zur ersten Research Challenge herstellt. Um Wechselwirkungen zwischen transienten Ereignissen und den Entwicklungen auf langen Zeitskalen genau zu verstehen, sind neben detaillierteren Beobachtungen auch umfangreiche Simulationen notwendig, welche die unterschiedlichen Skalen miteinander koppeln.
Die dritte Research Challenge zielt auf „Cosmic Twists“ ab, also Wendepunkte in der Evolution des Kosmos, die einmalig auftreten und das gesamte Universum für immer verändern. Dazu zählen die kosmische Inflation, also die exponentielle Expansion des Universums direkt nach dem Urknall, die Phase der Reionisation kurz nach der Entstehung der ersten Sterne und Galaxien und der Zeitpunkt, seit dem die Dunkle Energie über die sichtbare und Dunkle Materie dominiert. (...)
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