Physik Journal 11 / 2026

Cover

Winde simulieren
Farbige Sterne sehen
Jonathan Zenneck

Mittels ICON lässt sich die Wind­geschwindigkeit in Oberflächennähe mit einem Kilometer Auf­lösung simulieren. (Bild: Max Planck Institute for ­Meteorology, ­Hamburg, Germany; vgl. S. 26)



Ausgabe lesen

Meinung

Spitzenforschung macht SchuleJohn-Luke Ingleson • 11/2026 • Seite 3

Spitzenforschung macht Schule

Wie die Physik jungen Menschen neue Perspektiven eröffnen kann

Aktuell

Ronja Pappenberger • 11/2026 • Seite 6 • DPG-Mitglieder

Physik-Nobelpreis: Spurensuche im Eis

DPG / Fraunhofer-Gesellschaft /­ ­Alexander Pawlak • 11/2026 • Seite 7 • DPG-Mitglieder

Historische Stätte der Innovation

11/2026 • Seite 8 • DPG-Mitglieder

Medizin-Nobelpreis: Wie Licht in Zellen wirkt

Maike Pfalz / DFG • 11/2026 • Seite 10 • DPG-Mitglieder

Fünf Aufsteiger in die Exzellenzliga

Stefan L. Wolff • 11/2026 • Seite 11 • DPG-Mitglieder

Stolpersteine für Richard und Rosa Jacoby

Alexander Pawlak • 11/2026 • Seite 11 • DPG-Mitglieder

Zu den Sternen!

Fraunhofer IST / Anja Hauck • 11/2026 • Seite 12 • DPG-Mitglieder

Batterien der nächsten Gene­ration

Ronja Pappenberger • 11/2026 • Seite 12 • DPG-Mitglieder

Strukturwandel mit Technologie

Ronja Pappenberger • 11/2026 • Seite 13 • DPG-Mitglieder

Nachhaltiger Supercomputer

Kerstin Sonnabend • 11/2026 • Seite 14 • DPG-Mitglieder

Physik studieren in Europa

MPG / Alexander Pawlak • 11/2026 • Seite 14 • DPG-Mitglieder

Wissenschaftliche Mobilität im Krieg

Ronja Pappenberger • 11/2026 • Seite 15 • DPG-Mitglieder

Large Hadron Collider: Auf dem Weg in eine neue Ära

Kerstin Sonnabend • 11/2026 • Seite 16 • DPG-Mitglieder

CTAO-Nord: Aus eins mach vier

Matthias Delbrück • 11/2026 • Seite 17 • DPG-Mitglieder

UK: Nicht bei Physik-Lehr­kräften geizen

Matthias Delbrück • 11/2026 • Seite 18 • DPG-Mitglieder

USA: Für KI und Quantencomputer; Neutronenquelle regeneriert; Weniger Förderzusagen; Grünes Licht für Infrarot

High-Tech

Michael Vogel • 11/2026 • Seite 20 • DPG-Mitglieder

Polymere in Sternform; MKG statt EKG; Strom aus der Tapete; Optische Biopsie

Brennpunkt

Gedächtnis im QuantenchaosKlaus Richter • 11/2026 • Seite 22 • DPG-Mitglieder

Gedächtnis im Quantenchaos

Neue Simulationen zeigen, dass chaotische Quantenzustände eine bleibende Signatur ihres Anfangszustands behalten.

Kerstin Sonnabend • 11/2026 • Seite 24 • DPG-Mitglieder

Auf den Punkt gebracht

Überblick

Getriebene WindeMarius Winkler, Divya Sri Praturi und Bjorn Stevens • 11/2026 • Seite 26 • DPG-Mitglieder

Getriebene Winde

Kilometerauflösende gekoppelte Simulationen von Atmosphäre und Ozeanen zeigen, wie Grenzschichtprozesse die tropische Zirkulation prägen.

Neue kilometer­auflösende Simulationen zeigen, dass etablierte Erklärungen für äquatoriale Winde und damit verbundene Strukturen an ihre Grenzen stoßen. Um ­realistischere Simulationen zu ermöglichen, sind rechenaufwändige globale Modelle mit neuartigen Gitter-­ und Diskretisierungskonzepten nötig.

Winde verbinden die Ozeane mit der Atmosphäre.­ Sie transportieren Wärme, Feuchtigkeit und Impuls, steuern die Bildung von Wolken und Niederschlag und prägen die großskalige Zirkulation des Klimasystems, einschließlich markanter Strukturen wie der „intertropischen Konvergenzzone“. Wind entsteht, wenn Luft von Gebieten höheren Drucks zu Gebieten niedrigeren Drucks strömt, angetrieben durch die ungleichmäßige Erwärmung der Erdoberfläche durch die Sonne. Auf der rotierenden Erde lenkt die Coriolis-Kraft diese Strömung ab und Reibung bremst sie an der Oberfläche; dieses Bild stößt jedoch in den Tropen an seine Grenzen. Aus dem Gleichgewicht dieser Kräfte, das in der Meteorologie Kräftebilanz heißt, entstehen die großen Windsysteme der Erde: Passatwinde, Westwindgürtel und polare Ostwinde. Besonders in den Tropen ist ihr Verhalten jedoch schwer zu beschreiben, weil dort lokale Druckgradienten, Turbulenz und vertikaler Impulsaustausch eng ineinandergreifen. Klassische Klimamodelle können viele dieser Prozesse nur parametrisieren, also ihre mittlere Wirkung auf größeren Skalen annähern. Kilometer­auflösende Simulationen er­öffnen nun einen neuen Blick auf tropische Atmosphärendynamik. Sie zeigen, dass äquatoriale Oberflächenwinde und die asymmetrische Struktur der intertropischen Konvergenzzone nicht durch einfache Druck-Reibungs-Bilanzen zu verstehen sind, sondern aus der Kopplung von Grenzschichtturbulenz, Advektion, Konvektion und großskaligen Energieflüssen entstehen. (...)

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Die Farben der NachtMichael Vollmer • 11/2026 • Seite 33 • DPG-Mitglieder

Die Farben der Nacht

Wie nehmen wir farbige Sterne wahr – wie viele können wir mit dem bloßen Auge erkennen?

Die Farbwahrnehmung des menschlichen Auges erfordert eine minimale Leuchtdichte der beobachteten Objekte und ist in der Regel auf das Sehen bei Tag beschränkt. Doch auch am klaren Nachthimmel gelingt es mit bloßem Auge, einige Sterne als farbig wahrzunehmen. Subjektive Schätzungen der entsprechenden Anzahl variieren stark und reichen bis maximal etwa zweihundert. Hier zeigt sich die Grenze der mensch­lichen Farbwahrnehmung.

Nachts sind alle Katzen grau – so besagt es ein Sprichwort. Tagsüber erscheinen Katzen dagegen in vielen Farb­nuancen. Doch nachts wirken nicht nur Katzen grau, sondern alle tagsüber farbig wahrgenommenen Lebe­wesen und Gegenstände. Aber gilt das auch für Sterne? Oder erscheinen sie uns vielleicht doch farbig? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht trivial und beginnt bei grundlegenden Aspekten der Wahrnehmung des menschlichen Auges. Dabei sind die Klassifikation von Sternen durch ihre Spektren, ihre scheinbare Helligkeit und ihre Entfernung zur Erde relevant. Ebenso spielt der Kontrast von Punktlichtquellen zur Himmelsleuchtdichte in der irdischen Nacht eine Rolle.
Wir nehmen etwas optisch wahr, wenn Licht in unsere Augen fällt. Lichtquellen in unserer Umwelt sind immer durch ihr Spektrum charakterisiert. In den im Folgenden vorgestellten Theorien der Farbwahrnehmung können wir berechnen, wie Licht eines vorgegebenen Spektrums zu wohldefinierter Farbe führt, angegeben durch Farbkoordinaten [1, 2]. Ob diese Farben auch mit bloßem Auge wahrnehmbar sind, hängt davon ab, wie viel Licht ins Auge gelangt. Menschen haben dort zwei Arten von Photorezeptoren: Stäbchen sind empfindliche Detektoren für Situationen mit wenig Licht; sie erzeugen eine monochrome Wahrnehmung. Zusätzlich gibt es drei Arten von Zapfen, die bei stärkerem Lichteinfall ansprechen und zur Farbwahrnehmung führen [1, 3]. Welche Detektoren aktiv sind, hängt von der Leuchtdichte der Objekte in unserer Umgebung ab. (...)

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Geschichte

Praktiker und PragmatikerMichael Eckert • 11/2026 • Seite 40 • DPG-Mitglieder

Praktiker und Pragmatiker

Jonathan Zenneck (1871 – 1959) und die technische Physik

Jonathan Zenneck ging als Pionier der drahtlosen Telegrafie in die Geschichte ein. Er war Assistent des Nobelpreisträgers Ferdinand Braun und hatte um 1900 mit Funkversuchen in der Elbemündung für Aufsehen gesorgt. Doch Zenneck machte sich auch auf anderen Gebieten der technischen Physik einen Namen, von der Akustik bis zur Ionosphärenforschung – Gebiete, die nicht so oft im Fokus der Physikgeschichte stehen.

Durch seinen besonderen Entwicklungsgang ist Zenneck zum vornehmsten Vertreter der technischen Physik in Deutschland geworden.“ Mit dieser Empfehlung sorgten Wilhelm Conrad Röntgen und Arnold Sommerfeld 1917 für Zennecks Wahl zum außerordentlichen Mitglied der Mathematisch-Physikalischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften [1]. Drei Jahre später wurde er zum ordentlichen Mitglied gewählt.

ie technische Physik behauptete erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ihre Eigenständigkeit – nicht zuletzt mit der Gründung der Deutschen Gesellschaft für technische Physik (DGTP) neben der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) im Jahr 1919. Ausdrücklich wurde damals auf ihre „vielfältigen Leistungen im Kriege“ verwiesen und betont, dass „von allen Physikern Deutschlands etwa zwei Drittel in der Technik und ein Drittel in der Wissenschaft tätig“ waren [2]. In den 1920er-Jahren nahm die technische Physik einen rasanten Aufschwung. 1930 bestand die DGTP aus 1370 Mitgliedern und übertraf damit die DPG mit 1320 Mitgliedern. „Heute liegen die Verhältnisse geradezu so, dass es kaum irgendein Gebiet der produzierenden Technik gibt, in dem keine Physiker verwendet werden“, so machte Zenneck 1930 die Rolle der technischen Physik in einem Festschrift-Beitrag für den Gründer der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft augenfällig. In dieser Forschungsförderorganisation, aus der später die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hervorging, repräsentierte Zenneck die technische Physik – ohne sie begrifflich näher zu charakterisieren. „Ich denke nicht daran, eine Definition zu geben: selbstverständlich lässt sich die technische Physik weder gegen die reine Physik noch gegen die Technik abgrenzen.“ Stattdessen skizzierte er die Entwicklung einiger Teilgebiete, „die man wohl allgemein zur technischen Physik rechnet“ [3]. (...)

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Physik im Alltag

Gebiss im FokusJakob Schöll • 11/2026 • Seite 44 • DPG-Mitglieder

Gebiss im Fokus

Intraoralscanner erstellen digitale dreidimensionale Modelle des Mundinnenraums.

Menschen

Maike Pfalz • 11/2026 • Seite 46 • DPG-Mitglieder

„Letztlich geht es darum, Patienten zu heilen.“

Interview mit Katia Parodi

11/2026 • Seite 48 • DPG-Mitglieder

Personalien

Rezensionen

Claus Kiefer • 11/2026 • Seite 54 • DPG-Mitglieder

Jean-Luc Lehners: Quantum Cosmology

Michael Schaaf • 11/2026 • Seite 54 • DPG-Mitglieder

Monika Gisler: Erzählte Physik

Alexander Pawlak • 11/2026 • Seite 55 • DPG-Mitglieder

Oliver Passon: Quantenmechanik

DPG

11/2026 • Seite 47

Virtuelle Jobbörse

11/2026 • Seite 53 • DPG-Mitglieder

Physik im Advent

Anja Metzelthin und Maike Pfalz • 11/2026 • Seite 56 • DPG-Mitglieder

Warnsignal für den Physikunterricht

Nach den ernüchternden Ergebnissen des IQB-Bildungstrends 2024 fordert die DPG in einer Stellungnahme entschlossenes Handeln der Bildungspolitik.

11/2026 • Seite 57 • DPG-Mitglieder

Potenzial, Risiko und die Rolle der Physik

Christian Kautz, Silke Stanzel, Claudia Schäfle, Peter Riegler, Micol Alemani und Susanne Heinicke • 11/2026 • Seite 58 • DPG-Mitglieder

Forschungsbasiert lehren

Tarsila Ribeiro Neiva • 11/2026 • Seite 59 • DPG-Mitglieder

Fliegende Fische an der Weser

Bernhard Nunner und Wiebke Schuppe • 11/2026 • Seite 60 • DPG-Mitglieder

Niederschrift der Außerordentlichen Mitgliederversammlung 2026

11/2026 • Seite 60 • DPG-Mitglieder

Kurzprotokoll zur Sondersitzung des Vorstandsrats vom 12. September 2026

A. Saenz, M. Richter, A. Kato, K. Horn • 11/2026 • Seite 61 • DPG-Mitglieder

Mitgliederversammlung der Physikalischen Gesellschaft zu Berlin e.V.

11/2026 • Seite 69

Physikerin der Woche

Tagungen

Florian Bernlochner, Keri Vos, Nikhef Amsterdam, Dr. Markus Prim • 11/2026 • Seite 62 • DPG-Mitglieder

Challenges in Semileptonic B Decays

856. WE-Heraeus Seminar

Dennis Meier, Manfred Fiebig • 11/2026 • Seite 62 • DPG-Mitglieder

Advanced Imaging of Ferroic Materials

857. WE-Heraeus-Seminar

Axel Pelster, Carlos A. R. Sá de Melo • 11/2026 • Seite 62 • DPG-Mitglieder

New Trends in Degenerate Gases: Quantum Computa­tion and Simulation

859. WE-Heraeus-Seminar

Simona Olmi, Michael Rosenblum, Marc Timme, Edmilson Roque • 11/2026 • Seite 63 • DPG-Mitglieder

Half a Century of the Kuramoto Model: Explaining Emergent Order in Time and Space

860. WE-Heraeus-Seminar

Jens R. Stellhorn, Laszlo Pusztai, Wolf-Christian Pilgrim • 11/2026 • Seite 63 • DPG-Mitglieder

Past, Present and Future of Reverse Monte Carlo Modeling: Recent Challenges in Determining Structure-Property Relationship in Materials

861. WE-Heraeus-Seminar

Dmitri K. Efetov, Giorgio di Battista, Tim Wehling, Roser Valentí • 11/2026 • Seite 63 • DPG-Mitglieder

Recent Advances in 2D Moiré Materials

862. WE-Heraeus-Seminar

Thais Schroeder Rossi, Karina Morgenstern, Lars Schäfer • 11/2026 • Seite 64 • DPG-Mitglieder

Confinement Control on the Molecular Level: Principles, Mechanisms, Applications

865. WE-Heraeus-Seminar

Martin Kozák, Andrea Konečná, Peter Hommelhoff • 11/2026 • Seite 64 • DPG-Mitglieder

Quantum Electron-Photon Interactions

867. WE-Heraeus-Seminar

Emmanuel Margeat, Ulrike Endesfelder, Dominique Bourgeois, Viktorija Glembockyte • 11/2026 • Seite 64 • DPG-Mitglieder

Fluorescence Markers for Advanced Microscopy: From Photophysics to Biology

Französisch-deutsches WE-Heraeus-Seminar

Natalija Rajeshri Sheth • 11/2026 • Seite 65 • DPG-Mitglieder

Dark Intersections

Bad Honnef Physics School

Michael Vollmer, Safia Ouzi, Christian Strube • 11/2026 • Seite 65 • DPG-Mitglieder

Physik in Technik, Natur und Umwelt

WE-Heraeus-Lehrkräftefortbildung

11/2026 • Seite 66 • DPG-Mitglieder

Tagungskalender

Notizen

11/2026 • Seite 68 • DPG-Mitglieder

Notizen

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