22.06.2026 • Science Fiction

Jens Harder: Gamma

Jens Harder: Gamma (Die große Erzählung 4), Carlsen 2025, geb., 192 S., 44 Euro,
ISBN 9783551793003

Jens Harder

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Der Illustrator und Comiczeichner Jens Harder hat sich mit seinem drei Bände umfassenden Bildopus „Alpha ...directions“ (2010) und „Beta ...civilisations“ (2014 und 2022) nichts weniger vorgenommen, als die Geschichte des Universums, der Erde und der Menschheit visuell zu erzählen.

13,8 Milliarden Jahre packt Harder graphisch auf rund 1000 großformatige Seiten. Dabei kompiliert und kontrastiert er den riesigen Bildvorrat der Menschheit auf seine ganz eigene zeichnerische Weise. So prallen im ersten Band mythologische und wissenschaftliche Bilder zur Weltentstehung auf spannende Weise zusammen.

Mit „Gamma“ wagt sich Harder nun in die nahe bis fernste Zukunft und setzt seine „große Erzählung“ fort, wobei dieser Band auch für sich funktioniert. Seine Herangehensweise ist ähnlich wie in den vorangegangenen Bänden, aber die Darstellung bekommt einen Twist:

Die wie immer zweifarbigen, diesmal strikt blau-schwarz gehaltenen Bilder wirken in diesem Band pixelig und sind durch die Zweifarbigkeit in ihrer Detailfülle reduziert. Die wenigen Textzeilen enthalten immer wieder Rechtschreibfehler und oft ist ein Buchstabe durch ein Sonderzeichen ersetzt.

Jens Harder: Gamma
Quelle: Jens Harder / Carlsen-Verlag

Das hat seinen Grund: In einer Art Präambel bittet Jens Harder, „eine gewisse Unschärfe bzw. Fehlerquote in Bild und Text bei der „Informationsübermittlung aus der Zukunft (vor allem aus nicht-humanen Quellen)“ zu entschuldigen. Er blickt gewissermaßen mit einer temporalen Virtual-Reality-Brille in die Zukunft, bei der sich Bildartefakte sowie Echos vergangener Zukunftsvisionen einschleichen.

Im futuristischen Bildermeer tauchen vereinzelt Textzeilen auf, und für jeden Zeitabschnitt gibt es eine Chronologie der wichtigsten zukünftigen Ereignisse und Entwicklungen. Doch das dient nur als roter Faden, um aus der Abfolge wie Anordnung der Zeichnungen die Zukunfts­geschichte „herauszulesen“.

Zukunftsvisionen

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22.09.2025 • Rezension

Aniara

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Unweigerlich wird man auf vertraute Bilder aus Büchern, Filmen, Kunst und Popkultur stoßen, die aber verfremdet in einem neuen, visuellen Zusammenhang stehen. Vor allem Science-Fiction-Buffs dürften ihre Freude daran haben, vertraute Bilder zu identifizieren.

Harder schildert damit eine mögliche Zukunft voller gewaltiger und oft genug bedrohlicher Umwälzungen, wobei sein Unbehagen angesichts des Klimawandels und einer allgegenwärtigen KI spürbar wird. Das zeigt sich auch in den Titeln der Zeitalter, wie „Ultimative Kybernetische Ablösung“ oder „Symbiotische Boliden“. Der zeitliche Rahmen spannt sich vom Jahr 2022 bis zum Ende des Universums. Hier wählt Harder bewusst eine physikalisch unwahrscheinlichere Variante.

Herausgekommen ist so eine höchst ungewöhnliche Graphic-Novel, welche die visuelle Assoziationskraft der Lesenden bzw. besser Schauenden herausfordert.

Alexander Pawlak

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