19.06.2024

Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor

Steffen Schroeder: Planck oder Als das Licht seine Leichtigkeit verlor, Rowohlt, Berlin 2022, geb., 320 S., 22 Euro, ISBN 9783737101561;
­Taschenbuch (2024): brosch., 320 S., 14 Euro,
ISBN 9783499009310

Steffen Schroeder

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Max Planck und Albert Einstein sind den meisten Menschen als brillante Physiker ein Begriff. Das Anliegen des Romans von Steffen Schroeder ist es jedoch, ihre bislang eher untergeordnete Rolle als Familienväter im Kontext des zu Ende gehenden Zweiten Weltkrieges zu beleuchten.

Wissenschaftsgeschichte in literarischer Form stellt sicher kein neues Genre, aber hier ein ambivalentes Unterfangen dar. Der Autor selbst ist, wenn auch weitläufig, mit Planck verwandt. Steffen Schroeders Ur-Urgroßmutter väterlicherseits war eine Halbschwester des Nobelpreisträgers. Dennoch gelingt es ihm, die nötige Distanz und Multiperspektivität aufzubauen. Er tappt damit nicht in die hagiografische Falle, sondern fördert kritische Momente, persönliche Auseinandersetzungen und charakterliche Schwächen der Protagonisten zu Tage.

Sein Roman beschreibt im Kern zwei Tragödien: Der Physiker Max Planck bangt 1944 im fernen Rogätz um seinen in Berlin verhafteten Sohn Erwin, der als Mitwisser des Hitler-Attentats vom 20. Juli im Todestrakt des Tegeler Gefängnisses sitzt. Derweil leidet Albert Einsteins Sohn Eduard in der Schweizer Heilanstalt Burghölzli. Es dreht sich um politische Verantwortung, Widerstand, Freiheit, Schuld, das Verhältnis zu Gott. Themen sind Einsamkeit, Sehnsucht, Verzweiflung und Furcht, nicht zuletzt Glaube, Liebe, Hoffnung.

Schroeder geht mitunter ins Risiko, wenn er tiefgründige physikalische Fragestellungen verständlich einbindet. An einzelnen Stellen gibt es sprachliche (S. 34: „physische“ anstatt „physikalische“) oder inhaltliche Unschärfen (S. 141: Hermann v. Helmholtz war nicht Max Plancks Doktorvater). Derlei Einschränkungen sind indes nur für akademische Griffelspitzer relevant, für Uneingeweihte behindert es den Lesefluss nicht.

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Dogmatische Vertreter der Zunft werden den Roman vermutlich mit Vorsicht genießen, wohl aber bislang unbekannte Dokumente künftig zu Rate ziehen wollen, so eine „Kostenrechnung der Gerichtskasse“ für die Inhaftierung Erwin Plancks (S. 265). Im Roman gibt es zudem neue biografische Details zu Planck und Einstein. Die quellenmäßige Prüfung ist nicht dem Autor anzulasten, sondern muss nun die Wissenschaftsgeschichte leis­ten. Historische Romane haben nun einmal per se keinen wissenschaft­lichen Quellenapparat und richten sich an eine größere Leserschaft.

Neugierig macht indes das dem Autor bislang exklusiv zur Verfügung stehende Material. Er bezieht sich „auf zahlreiche Briefe, Notizen, Fotos und Dokumente der Familie Planck“ (S. 311), die hoffentlich eines Tages zugänglich sind. Ebenso bleibt zu hoffen, dass Max Plancks Nachkommen die Übergabe dieses wertvollen Konvoluts an ein einschlägiges Archiv in Erwägung ziehen.

Steffen Schroeders künstlerischer wie dokumentarischer Ansatz erinnert an Physikgeschichte antizipierende Werke wie Brechts „Leben des Galilei“, Dürrenmatts „Die Physiker“ oder in neuerer Zeit „Copenhagen“ von Michael Frayn und „Das Prinzip“ von Jérôme Ferrari, lässt aber die politisch-moralische Durchschlagskraft außen vor. Es geht ihm vielmehr „um sinnliche Wahrnehmungen und persönliche Empfindungen“, so Thomas Combrink in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Eine wunderbare Klammer bildet die Einbeziehung kulturgeschichtlicher Ebenen wie klassische Musik (Brahms, Rachmaninow, Schubert), Kunst (Böcklin) oder Literatur (Hauptmann, Kafka, Heinrich und Thomas Mann). Wer dieses universale Flechtwerk schätzt, wird Schroeders Roman gern zur Hand nehmen.

Dirk Ullmann, Berlin

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