24.06.2003

The Wizard of Quarks. A Fantasy of Particle Physics

R. Gilmore: The Wizard of Quarks. A Fantasy of Particle Physics, Springer, Heidelberg 2001. XIII + 202 S., geb. ISBN 0387950710

Gilmore

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In seinem dritten Buch adaptiert Robert Gilmore erneut einen Klassiker der englischen Kinderbuch-Literatur für ein populärwissenschaftliches Buch. Gilmore verbindet den Einblick eines aktiv forschenden Teilchenphysikers mit der Fähigkeit, hervorragend zu schreiben. Darüber hinaus ist er auch noch ein begnadeter Illustrator. Er verwandelt den „Zauberer von Oz“ nun in den „Zauberer der Quarks“. Auch hier ist die Hauptfigur eine Zöpfe tragende Dorothy, die Gilmore mit staunenden Augen durch das Wunderland der Teilchenphysik reisen lässt. Allerdings hat sich Gilmore gegen den eher meteorologischen Anfang des Originals entschieden und lässt Dorothy nicht durch einen Wirbelsturm, sondern in einer Wunder-U-Bahn in die Zauberwelt geraten.

Dort angekommen, begegnet ihr und den Lesern natürlich das Personal des Originals – jedoch hat nun jede einen neuen „Job“ übernommen. Die Hexen der vier Himmelsrichtungen werden zu Hexen der vier fundamentalen Wechselwirkungen: die dicke, gemütliche Gravitation, die Hexe des Elektro magnetismus (mit sehr undurchsichtigem Gesichtsausdruck), die lebhafte Starke Wechselwirkung und die gruselige Schwache Wechselwirkung, die ihr Gesicht unter einer Kapuze verbirgt. Ob hier die Vorlieben des Teilchenphysikers Gilmore durchscheinen? Jedenfalls lässt er die Starke und die Schwache Wechselwirkung in einem furiosen Disput über Leptonen und Quarks kräftig aneinander geraten.

In den ersten Kapiteln begegnet Dorothy ihren zukünftigen Begleitern. Die Vogelscheuche wird zur „Observant Scarecrow“. Sie führt in die Grundbegriffe der Quantenmechanik ein: Wahrscheinlichkeit, Amplitude, Phase, Interferenz und Superposition. Alle wichtigen Begriffe sind in eigenen Informationskästen mit einfachen Worten erklärt. Der erstarrte Blech-Holzfäller muss nicht mehr geölt, sondern mit einer Systemdiskette gestartet werden. Mit ihm lernen wir die De-Broglie-Beziehung und Heisenbergs Unschärferelation kennen. Beim feigen Löwen kommen dann die Fermionen und Bosonen dran. So stellt das Buch Schritt für Schritt die wichtigsten Teilchenfamilien vor.

Robert Gilmore ist erneut ein wundervolles Buch gelungen. Schon seine Illustrationen machen beim Blättern so neugierig, dass man genauer wissen will, was da passiert. Allerdings wirft die populärwissenschaftliche Darstellung einer so komplexen Materie – wie immer – viele Fragen auf, die notgedrungen unbeantwortet bleiben müssen. Trotzdem ist das Buch ein wichtiger Beitrag zur populären Darstellung physikalischer Themen „für Jung und Alt“. Zum Schluss bleibt vor allem eine Frage offen: Wann erscheint die deutsche Übersetzung?

Roland Wengenmayr
Redaktion "Physik in unserer Zeit"

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