• 1/2026 • Seite 36 • DPG-MitgliederPhoxonische Kunst
Eine Skulptur auf dem Campus der TU Chemnitz ist der weltweit größte photonische Kristall – und zugleich ein phononischer.
In Chemnitz ist ein Kunstwerk mehr als gedacht: Vor dem zentralen Hörsaalgebäude der Technischen Universität Chemnitz offenbart es als großskaliger photonischer und phononischer – also phoxonischer – Kristall messbare Bandlücken für Schall- und Radiowellen. Im Folgenden stellen wir vor, wie sich damit Wellengleichungen, Simulationen und Experimente mit Kunst, Kultur und Wissenschaftsvermittlung verbinden lassen.
Chemnitz ist von jeher ein Ort der Macher:innen. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1143 als Kameniz, abgeleitet vom sorbischen „kamjenica“ für Steinbach. Zu den bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt gehören der Renaissance-Gelehrte Georgius Agricola, der im 16. Jahrhundert die moderne Geologie, Mineralogie und Bergbaukunde begründete, und Hans Carl von Carlowitz, der 1713 das erste geschlossene Lehrwerk über die Forstwirtschaft vorlegte und als Schöpfer des Nachhaltigkeitsbegriffs gilt. Während der industriellen Revolution wuchs Chemnitz rasant. Die Familie Esche erlangte mit der Strumpffabrikation Weltgeltung; der Ingenieur und Fabrikant Richard Hartmann prägte im 19. Jahrhundert mit dem Bau von Dampflokomotiven das Eisenbahnwesen des Kontinents. Lange Zeit bildeten Maschinenbau und Automobilindustrie das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt. Heute beherbergt Chemnitz mit der Kommunikationsfirma Staffbase Ostdeutschlands erstes und einziges Technologie-Einhorn, also ein Start-Up mit einer Bewertung oberhalb einer Milliarde Dollar, das mit Martin Böhringer ein Absolvent der TU Chemnitz gegründet hat.
Chemnitz ist nach West-Berlin (1988), Weimar (1999) und Essen (2010) erst die vierte deutsche Stadt, die sich 2025 ein Jahr lang Europäische Kulturhauptstadt nennen durfte. Die offizielle Eröffnung fand am 18. Januar 2025 unter dem Motto „C the Unseen“ statt. Das Programm lud ein, das bislang Ungesehene zu entdecken und neue Perspektiven einzunehmen, sei es bei Biografien, Orten, Talenten und Nachbarschaften − aber auch in der Wissenschaft. (...)


















