16.01.2023

Acht superheiße Sterne entdeckt

Untersuchung hochbetagter seltener Himmelsobjekte am Ende ihres Lebenszyklus.

Mithilfe des größten Einzel­teleskops auf der Südhalbkugel, dem SALT in Südafrika, hat ein inter­nationales Team von Astronomen acht der heißesten Sterne im Universum entdeckt. Ihre Oberflächen­temperatur liegt bei mehr als 100.000 Grad – die Oberfläche der Sonne erreicht lediglich 5800 Grad. Die Entdeckungen entsprangen einem Forschungs­projekt unter der Leitung von Simon Jeffrey vom Armagh-Obser­vatorium in Nordirland, an dem Klaus Werner vom Institut für Astronomie und Astrophysik der Univer­sität Tübingen beteiligt ist.

Abb.: Der Stern SALT J203959.5-034117 im plane­tarischen Nebel PN G0425-25.8...
Abb.: Der Stern SALT J203959.5-034117 im plane­tarischen Nebel PN G0425-25.8 hat eine Oberflächen­temperatur von mehr als 100.000 Grad. (Bild: T. Watts (AOP), STScI, NASA / Dark Energy Survey)

Das Southern African Large Telescope (SALT) befindet sich rund 400 Kilometer nordöstlich von Kapstadt. Die Forscher untersuchten Daten, die mithilfe dieses Teleskops bei der Durch­musterung helium­reicher heißer Unterzwerge gewonnen wurden, die sich zu weißen Zwergen weiter­entwickeln. „Weiße Zwerge sind ungefähr so groß wie die Erde, allerdings eine Million Mal massereicher. Sie sind die dichtesten existierenden Sterne, die aus normaler Materie bestehen. Ihre direkten Vorläufer, die heißen Unterzwerge, sind noch etwas größer. Sie ziehen sich zusammen und werden innerhalb weniger Tausend Jahre weiße Zwerge“, erklärt Klaus Werner. „Sowohl die heißen Unterzwerge als auch die weißen Zwerge können eine hohe Oberflächen­temperatur haben. Von den acht superheißen Sternen, die wir entdeckt haben, war der heißeste ein weißer Zwerg mit einer Oberflächen­temperatur von 180.000 Grad.“

Jeder der neuent­deckten Sterne sei mehr als ein­hundertmal heller als die Sonne, so Werner. Allerdings befänden sie sich zwischen 1500 und 22000 Lichtjahre fern der Erde und könnten daher nicht mit bloßem Auge gesehen werden. Einer der aufge­fundenen Sterne ist der Zentralstern eines neu entdeckten plane­tarischen Nebels, der einen Durchmesser von einem Lichtjahr hat. Zwei der anderen Objekte sind oszillierende Sterne. „All diese Sterne befinden sich in einem weit fortge­schrittenen Stadium ihres Lebenszyklus und nähern sich dem Sterben als Weiße Zwerge“, sagt Werner und fügt hinzu: „Ich bin stolz darauf, diese bahn­brechende Forschung mit auf den Weg gebracht zu haben. Die Ergebnisse könnten auch ein neues Licht auf die Entstehung unserer Galaxie werfen.“

Itume­leng Monageng von der University of Cape Town und dem South African Astronomical Observatory, dem Betreiber des SALT-Teleskops, sagt: „Die SALT-Durch­musterung helium­reicher heißer Unterzwerge hatte den Zweck, die Entwicklungs­wege unter­schiedlicher Sterntypen in ihren späten Stadien zu erforschen. Die Entdeckung extrem heißer Sterne hat uns überrascht.“ Simon Jeffery erklärt, dass Sterne mit Temperaturen von 100.000 Grad oder mehr außer­ordentlich selten sind. „Überraschend war auch, dass bei unserer Himmelsdurch­musterung gleich so viele solcher Objekte gefunden wurden. Diese Entdeckungen werden hilfreich sein, um die Spätphasen der Stern­entwicklung besser zu verstehen. Sie demonstrieren auch, dass SALT ein großartiges Teleskop für unser Projekt ist.“

U. Tübingen / JOL

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