21.11.2017

Auf dem Weg zum Perowskit-Laser

Eine Stunde kontinuierliche Emission nach optischer Anregung erreicht.

Perowskit-Materialien sollen wegen ihrer verblüffend hohen Wirkungs­grade nicht nur zu günsti­geren Solar­zellen führen. Auch als Laser­material sind die hybriden orga­nisch-anorga­nischen Kristalle mit variabler Band­lücke prinzi­piell geeignet. Neben geringen Ferti­gungs­kosten lockt eine neue Laser-Klasse mit ein­stell­baren Wellen­längen. Auf diesem Weg gelang nun einer Forscher­gruppe aus den USA erst­mals die Anre­gung einer konti­nuier­lichen Licht­emission, die länger als eine Stunde anhielt.

Abb.: Schichtaufbau eines Prototyps für einen Perowskit-Laser, der länger als eine Stunde konti­nuier­lich korre­liertes Licht emit­tierte. (Bild: Y. Jia et al. / NPG)

Yufei Jia von der Pennsylvania State University und seine Kollegen von der Princeton Univer­sity nutzten für ihre Laser-Proto­typen das Perowskit-Material Methyl­ammonium­blei­iodid. Es zeigte bereits in früheren Studien, dass es prinzi­piell als Halb­leiter für die ver­stärkte spontane Emission von Licht geeignet ist. Mit litho­gra­fischen Ver­fahren depo­nierten die Forscher eine struk­tu­rierte Schicht aus Aluminium­oxid auf einer Saphir-Unter­lage und bedeckten diese mit einem nass­chemischen Ver­fahren mit einer 120 Nano­meter dünnen Perowskit-Schicht.

Frühere Versuche mit diesem erprobten Perowskit-Material zeigten bei Tempe­ra­turen über 160 Kelvin bereits, dass nach einem optischen Pumpen eine Emis­sion von Laser­licht prinzi­piell möglich ist. Doch währte der Effekt nur einige Dutzend Nano­sekunden und war daher für weitere Ent­wick­lungen oder tech­nische Anwen­dungen nicht zu nutzen. Um dieses „Laser-Tod-Phänomen“ zu ver­meiden, kühlten Jia und seine Kollegen ihre Proto­typen auf bis zu hundert Kelvin ab. Dabei durch­liefen die Perowskit-Kristalle einen Phasen­wechsel von einer tetra­gonalen Struktur zu einem ortho­rhom­bischen Aufbau.

Angeregt mit 920 Nanosekunden langen Pulsen einer Laser­diode aus Indium­gallium­nitrid mit einer Wellen­länge von 445 Nano­metern und einer Inten­sität von 37,5 Kilo­watt pro Quadrat­zenti­meter reagierte das Perowskit-Material mit der konti­nuier­lichen Emission von Laser­licht. Anfangs fand sich das Emissions­maximum bei 750 Nano­metern Wellen­länge, das sich kurz darauf etwas zu einem Maximum bei 790 Nano­meter verschob. Dieses Ver­halten ließ sich mit mehreren Modulen repro­du­zieren. Im deut­lichen Unter­schied zu früheren Ver­suchen blieb die Emission von Laser­licht dank der perma­nenten Kühlung auf etwa hundert Kelvin etwas länger als eine Stunde stabil.

Die Lichtemission bei 790 Nanometern Wellenlänge konnten die Wissen­schaftler der optischen Anre­gung der ortho­rhom­bischen Perowskit­phase zuordnen. Die etwas kürzere Wellen­länge wurde dagegen von der tetra­gonalen Perowskit­phase emit­tiert. Von den anre­genden Laser­pulsen etwas erwärmt, fand punk­tuell inner­halb von Zeit­spannen kürzer als einer Mikro­sekunde ein Phasen­wechsel statt, der ohne Licht­ein­fall wegen der anhal­tenden Kühlung rever­sibel war. Warum aller­dings der punk­tu­elle Wechsel zur tetra­gonalen Perowskit­phase, die zuvor für eine konti­nuier­liche Licht­emission nicht geeignet war, nun einen länger anhal­tenden Laser­effekt ermög­lichte, konnten die Forscher bisher nicht klären.

In weiteren Versuchen wollen Jia und seine Kollegen das Ver­halten der Perowskit-Misch­phasen – tetra­gonal und ortho­rhombisch – besser analy­sieren. Doch ihre Experi­mente zeigen jetzt schon, dass Perowskite durchaus für eine neue Klasse von Lasern geeignet sind. Eine konti­nuier­liche Licht­emission gilt als gute Aus­gangs­position, um die optische Anre­gung durch eine rein elek­trische ersetzen zu können. Sollte auch dieser Schritt gelingen, ließen sich Perowskit-Laser­dioden mit je nach chemischer Zusammen­setzung varia­blen Wellen­längen günstig in nass­chemischen Ver­fahren produ­zieren.

Jan Oliver Löfken

RK

Sonderhefte

Physics' Best und Best of
Sonderausgaben

Physics' Best und Best of

Die Sonder­ausgaben präsentieren kompakt und übersichtlich neue Produkt­informationen und ihre Anwendungen und bieten für Nutzer wie Unternehmen ein zusätzliches Forum.

Veranstaltung

Spektral vernetzt zur Quantum Photonics in Erfurt

Spektral vernetzt zur Quantum Photonics in Erfurt

Die neue Kongressmesse für Quanten- und Photonik-Technologien bringt vom 13. bis 14. Mai 2025 internationale Spitzenforschung, Industrieakteure und Entscheidungsträger in der Messe Erfurt zusammen

Meist gelesen

Themen