25.06.2007

Bundesagentur sieht Fachkräftemangel

Gerade hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt einigermaßen entspannt, da droht den deutschen Arbeitsagenturen schon das nächste Problem: Der Fachkräftemangel.

Nürnberg (dpa) - Gerade hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt einigermaßen entspannt, da droht den deutschen Arbeitsagenturen schon das nächste Problem: Der Fachkräftemangel. Vor allem in Ingenieur-Berufen, in der Metall- und Elektrobranche, aber auch auf dem Bau werden nach Berichten von Branchenverbänden zusehends die Kräfte knapp. Arbeitsagenturen spüren die neue Lage auf dem Arbeitsmarkt nach Berichten der Bundesagentur für Arbeit (BA) vor allem durch verstärkte Firmen-Anfragen. Doch auch die Stellenvermittler haben trotz hoher Arbeitslosigkeit nicht immer auf Anhieb den Traumkandidaten der Unternehmen in ihren Stellenpools parat.

Das für die Arbeitslosengeld-I-Empfänger zuständige BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker warnt denn auch Firmen, bei der Lösung des Fachkräftemangels einseitig auf die Arbeitsagenturen zu setzen. Die hätten zwar ihren Arbeitgeber-Service im Zuge des BA-Umbau stark ausgebaut; und er sei auch froh, dass immer mehr Unternehmen den Agenturen ihre freien Stellen melden. Aber: «Wir können dabei allenfalls ein flankierender Faktor sein, keine Ersatzfunktion für den Markt», unterstreicht er. Bei der Lösung des Problems sei vor allem die Wirtschaft gefordert.

Dabei würde sich Becker beispielsweise verstärkte Fortbildungsanstrengungen der Unternehmen wünschen. «Viele Firmen unterstellen dabei, dass die duale Ausbildung von Nachwuchs ausreiche und der Rest Erfahrungswissen ist». Internationale Vergleichsstudien zeigen nach Erkenntnissen des BA-Managers Sven Schütt, dass Deutschland bei der Weiterbildung international eher in Mittelfeld rangiert. «Auf die gesamte Lebensarbeitszeit bezogen absolvieren deutsche Beschäftigte rund 50 Tage Fortbildung - ein Drittel davon wird von den Arbeitsagenturen bezahlt.»

Aber selbst attraktive finanzielle Förderprogramme wie das jüngst gestartete Programm «Weiterbildungskosten für gering qualifizierte beschäftigte Arbeitnehmer» ist nach Berichten der BA bei Arbeitgebern auf wenig Interesse gestoßen. Dabei wäre es nach Einschätzung von Becker für Unternehmen eine attraktive Möglichkeit, gerade dem Fachkräftemangel in der Metall- und Elektroindustrie zu begegnen. Immerhin erhalten Unternehmen für bis zu einem Jahr einen Gehaltszuschuss für eine Ersatzkraft. «Das läuft ziemlich schleppend» bedauert Becker. Als Konsequenz hat die Bundesagentur inzwischen 200 Weiterbildungsberater eingestellt, die Unternehmen gezielt über das Förderspektrum bei internen Weiterbildungen informieren.

Beim Thema «Fachkräftemangel» geraten nach Einschätzung Beckers inzwischen zunehmend auch ältere Arbeitslose in den Blick von Unternehmen - allerdings noch längst nicht bei allen. «Auch Arbeitgeber müssen da flexibler werden. Zur Zeit beharren immer noch viele auf hohen Anforderungen», weiß der BA-Manager. Auch um Investitionen in ältere Beschäftigte, aber auch um eine entsprechende Gesundheitsprävention kämen viele kaum noch umhin. Bei zunehmend härter werdendem Wettbewerb dürften dazu immer mehr Arbeitgeber bereit sein, prognostiziert Becker.

Für problematisch hält es der BA-Mann, das Fachkräfteproblem mit verstärkter Zuwanderung von Experten aus dem Ausland zu lösen. «Nur das Heil in der Zuwanderung zu suchen, würde ich für problematisch halten», warnt Becker. «Das Ganze muss ein Mix sein, zu dem natürlich auch eine Verbesserung des Schulsystems gehört». Derzeit verließen pro Jahr rund 80.000 bis 90.000 junge Menschen die Schule ohne Hauptschulabschluss. Damit werde ein Problem des Bildungssystems vor den Toren der Arbeitsagenturen abgeladen. Die von der BA finanzierten Ausbildungen für junge Arbeitslose beliefen sich derzeit auf rund drei Milliarden Euro. «Das mag sozial sein. Aber es kann doch nicht sein, dass die Bundesagentur permanent einen Marktersatz finanziert.»

Klaus Tscharnke, dpa

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