30.01.2004

Die Zukunft ist 3D

3D-Bildschirme könnten Ärzte bei der Arbeit unterstützen. Die Technik dazu befindet sich noch in den Anfängen.

3D-Bildschirme 3D-Bildschirme könnten Ärzte bei der Arbeit unterstützen. Die Technik dazu befindet sich noch in den Anfängen.

Jena/Dresden (dpa) - Das Bild vom Herz schwebt mitten im Raum. Eine Mikrokamera filmt durch ein Loch im Brustkorb direkt im Körper des Patienten. Bei der Operation ruhen die Augen des Arztes auf einem 3D-Bildschirm, während er mit den Operationsinstrumenten hantiert. «Das ist nicht zu vergleichen mit einem flachen Kamerabild», schwärmt der Herzchirurg Mohammad Taha. Der Oberarzt des Herzzentrums der Universitätsklinik Dresden setzt als einer der ersten Ärzte in Deutschland auf dreidimensionale Bildschirmtechnik.

«Man kann genau erkennen, welche Struktur vor der anderen liegt und wie tief die einzelnen Teile sind», sagt Taha. Das Bild werde viel realitätsnaher, das Gehirn begreife es daher viel schneller. Nicht nur Organe, auch Zellen oder einzelne Moleküle können Mediziner mit 3D-Bildschirmen erheblich besser untersuchen. Außer Ärzten setzen auch Militär, Flugschüler und -lotsen sowie Kartografen auf die neuartige Technik.

«Bislang ist das aber noch ein Nischenmarkt», sagt der Stuttgarter Professor für Bildschirmtechnik, Norbert Frühauf. «Die Geräte finden nur dort Verwendung, wo man bereit ist, für bestimmte Features viel Geld zu bezahlen.» Ein Massenmarkt kann seiner Meinung nach erst entstehen, wenn sich die Technik weiter entwickelt hat und 3D-Bildschirme nicht länger ein Vielfaches von herkömmlichen kosten. «Für Fernsehen und Videospiele ist das ein großes Zukunftsthema.» Für einen 3D-Effekt muss jedes Auge ein anderes Bild wahrnehmen, woraus das Gehirn ein dreidimensionales errechnet. «Dafür gibt es insgesamt mehr als 30 verschiedene Verfahren», erklärt Frühauf.

Die im Dresdner Herzzentrum eingesetzte Technik hat die Firma SeeReal Technologies entwickelt. «Eine spezielle Prismenmaske vor dem Bildschirm zerlegt das Bild in Streifen», erklärt Andreas Kozak von dem Dresdner Unternehmen mit 30 Mitarbeitern. «Die geradzahligen, ein Pixel breiten Spalten werden auf das linke, die ungeradzahligen Spalten auf das rechte Auge projiziert.» Eine 3D-Brille ähnlich wie in 3D-Kinos braucht der Betrachter daher nicht.

Dieser Bildschirm der Dresdner Firma SeeReal Technologies ist für den medizinischen Bereich konzipiert. Eine 3D-Brille ist nicht notwendig. (Quelle: SeeReal Technologies)

Das Jenaer Unternehmen X3D Technologies GmbH setzt auf eine andere Technik. «Wir haben eine Spezialfolie entwickelt, die wie eine Lochmaske wirkt», sagt X3D-Geschäftsführer Bernd Riemann. Je nach Wellenlänge lasse der Filter nur einen Teil des Bildes hindurch. In Winkelsegmenten, so breit wie der durchschnittliche Augenabstand, erreiche daher jedes Auge ein anderes Bild. Das Gehirn setzt daraus eine dreidimensionale Wirklichkeit zusammen. «Der Vorteil ist, dass nicht nur ein Betrachter sondern alle Umstehenden den 3D-Effekt wahrnehmen.»

«Vor kurzem haben wir einen Entwicklungskooperation mit der Medizintechnik von Siemens geschlossen», sagt Riemann. Das Hauptgeschäft sieht der Chef von 23 Beschäftigten aber in der Werbung. «Bei Messeauftritten können Firmen sich mit unserer Technik von der Konkurrenz absetzen, in Einkaufspassagen auf sich aufmerksam machen.» Die Nachfrage nach X3D-Bildschirmen sei bisher allerdings noch mäßig. Die vor kurzem vom New Yorker X3D-Konzern übernommene Jenaer Firma verkaufe etwa 50 Stück im Monat.

«Es ist nicht einfach, sich gegen den zweidimensionalen Standard durchzusetzen», sagt Riemann. Diese Erfahrung teilt auch der nach eigenen Angaben weltweit größte Anbieter, Stereographics mit Sitz im kalifornischen San Rafael. Michael Longerbeam, Sprecher der Firma mit 25 Mitarbeitern, sagt: «Insgesamt haben wir von unseren ohne 3D- Brille nutzbaren Monitoren einige Hundert verkauft.»

Arno Schütze, dpa

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