10.09.2026

Zürich statt Boston

Die Verleihung der Ig Nobel-Preise fand erstmals in Europa statt.

Kerstin Sonnabend

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Seit 1991 würdigen die Ig Nobel-Preise wissenschaftliche Leistungen, die Menschen zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen. Mit der diesjährigen „36th First Annual Ig Nobel Prize ceremony“ fand die Preisverleihung erstmals nicht am Massachusetts Institute of Technology oder an der Harvard University statt, sondern im Kongresshaus Zürich. Für diesen Schritt entschieden sich die Verantwortlichen der Zeitschrift „Annals of Improbable Research“, nachdem im letzten Jahr mehrere der Ausgezeichneten aufgrund der US-amerikanischen Grenz- und Visapolitik nicht anreisten.

Wie in den Vorjahren wurden insgesamt zehn Ig Nobel-Preise in verschiedenen Kategorien verlieren, die jedoch anders als bei den „echten“ Nobelpreisen von Jahr zu Jahr variieren und nicht immer ganz ernst zu nehmen sind. So lässt sich mit gutem Willen in diesem Jahr ein Physikbezug bei nicht weniger als fünf Kategorien finden, auch wenn die Forschenden nicht immer einen Hintergrund in Physik mitbringen.

Dabei lässt der Titel der Veröffentlichung, die das Rennen um den Ig Nobel-Preis für Physik gewonnen hat, zunächst gar nicht an ein physikalisches Problem denken: „Splash-free urinals for global sustainability and accessibility“. Das Forschungsteam aus den Fachbereichen für Maschinenbau der kanadischen University of Waterloo und der US-amerikanischen Weber State University nutzte Experimente, um die typische Verteilung der Spritzer bei verschieden geformten Urinalen zu bestimmen und wie viel die Spritzer im Vergleich zur Gesamtmenge der Flüssigkeit ausmachten. Mithilfe eines theoretischen Modells und Simulationen optimierte es die Form, sodass möglichst wenige Spritzer auftreten. Im Zusatzmaterial erklären sie, wie sich damit eine Hauswand so gestalten lässt, dass maximales Zurückspritzen vom öffentlichen Urinieren abhält.

Ig Nobel-Preise für Physik

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Alexander Pawlak • 12/2009 • Seite 56

''Wissenschaft darf man auch mal durch den Kakao ziehen''

Alexander Pawlak • 12/2002 • Seite 11

IgNobel-Preis: Akkurater Bierschaum

Der Ig Nobel-Preis für Medizin ging an eine fast 50 Jahre alte Veröffentlichung über eine aerodynamische Untersuchung der Vorgänge beim Nase putzen. Für den mittlerweile verstorbenen Tokuji Unno von der japanischen Wakayama Medical University nahm sein Kollege Miki Takahara den Preis entgegen. Er erklärte, wie Druckunterschiede die Geschwindigkeit der Luft und das ausgepustete Volumen beeinflussen – und warum sich die Dynamik grundlegend ändert, wenn man ein Nasenloch zudrückt. Aerodynamische Zusammenhänge habe Unno auch für das Husten, Niesen und andere physiologische Vorgänge des Atemtrakts experimentell untersucht, um wissenschaftlich basierte Ratschläge für deren hygienische Folgen zu geben.

Die Fluiddynamik beim 3D-Druck hat der Ig Nobel-Preis für Technologie zum Thema. Um mikrometergroße Strukturen mit hoher Präzision herzustellen, nahm sich das Forschungsteam der kanadischen McGill University und der US-amerikanischen Drexel University den Rüssel von Moskitos zum Vorbild. Als entscheidendes Merkmal für einen gleichförmigen Durchfluss des Druckmaterials stellte sich die Steifheit des nachgebildeten Rüssels heraus.

Den Ig Nobel-Preis für Bodenkunde durften vier Forschende von der Universität Zürich entgegennehmen. Sie nutzten das Prinzip der Citizen Science, um in mehr als 25 Ländern die Bodengesundheit zu bestimmen. Dazu verteilten sie tausend identische Baumwoll-Unterhosen mit Gummizug, ließen diese verbuddeln und nach zwei Monaten wieder ausgraben. Aus dem umfangreichen Datensatz ließ sich eindeutig eine Korrelation zwischen dem Grad der Zersetzung und der Qualität des Bodens ableiten.

Warum Schlangen nicht immer zuschnappen, wenn man auf sie tritt, erkundete ein brasilianisches Forschungsteam mithilfe von knapp 120 Individuen der Art Bothrops jararaca. Da sich diese nicht wie geplant durch das Berühren mit Stöcken oder ähnlichem zum Biss verleiten ließen, hat das Team an verschiedenen Körperstellen mit unterschiedlicher Intensität auf sie getreten und die Reaktionen unter anderem in Abhängigkeit von Impuls, Temperatur und Tageszeit untersucht. Das brachte ihm nun den Ig Nobel-Preis für Biologie ein, obwohl die Redaktion von Scientific Reports die Veröffentlichung im Februar letzten Jahres zurückgezogen hatte, weil Tierschutz-Richtlinien nicht eingehalten wurden.

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Neben den Dankesworten der Ausgezeichneten, die maximal 60 Sekunden in Anspruch nehmen dürfen, gehörten auch wieder die „24/7 Lectures“ zum Programm, bei denen es gilt, zunächst in 24 Sekunden die eigene Forschung fachlich vollständig zu beschreiben und anschließend mit sieben Worten für alle verständlich zusammenzufassen. Dabei stellte unter anderem Els Titeca für den möglichen Standort Euregio Maas-Rhein das Einstein-Teleskop vor. Die schweizerische Sopranistin Serafina Giannoni präsentierte neben einem Stück zum diesjährigen Motto „FUNGI“ eine musikalische Erklärung des Dunning-Kruger-Effekts. Dieser beschreibt, warum einige inkompetente Menschen das eigene Wissen und Können überschätzen. Sehr zur Freude des Publikums wurde währenddessen ein Foto von Donald Trump eingeblendet.

Künftig soll die Preisverleihung in geradzahligen Jahren in Zürich stattfinden und dazwischen in ganz Europa Station machen – im kommenden Jahr in Antwerpen für die belgische Region Flandern. Wer sich den Termin schon einmal vormerken möchte, sollte sich am 5. September nichts vornehmen.

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Die Reichelt Chemietechnik wurde am 1. September 1978 als Vertriebs- und Produktionsgesellschaft von Dr. Peter Reichelt in Heidelberg gegründet, wobei sich das Unternehmen als „Mailorderhaus“ verstand.

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