17.10.2019

Laser entschärfen Blindgänger

Mit dem Einsatz eines Festkörperlasers lassen sich Sprengkörper kontrolliert räumen.

Der Entschärfungs­versuch auf dem Sprengplatz verlief ganz nach Plan: Anstatt einer großen Detonation ploppte der chemische Zünder aus der 500 Pfund Bombe heraus, die Hülle platzte entlang der vorgegebenen Nut auf und nur ein sehr geringer Teil des Spreng­stoffs explodierte. Das Ende des gemeinsamen Projekts von Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH), Laser on Demand GmbH und dem Kampfmittel­räumdienst Hamburg (KRD) ist damit mehr als gelungen. Der laser­basierte Ansatz könnte zukünftig für mehr Sicherheit für Kampf­mittelräumer sorgen.

Abb.: Erfolg­reicher Pilot­versuch: Aufge­platzte Bombe nach der...
Abb.: Erfolg­reicher Pilot­versuch: Aufge­platzte Bombe nach der Ent­schärfung mit einem Laser. (Bild: LZH)

Die Wissenschaftler am LZH entwickelten in dem Projekt Deflag den Prozess zur auto­matisierten Defla­gration. Bei einer Defla­gration verbrennen die Sprengstoffe zwar schnell, doch deutlich langsamer als bei einer zer­störerischen Detonation. Dabei wird im ersten Schritt mit einem Festkörper­laser mit zwei Kilowatt Leistung eine Nut in die Bombenhülle eingebracht. Danach wird im zweiten Schritt der Sprengstoff kontrolliert zu einer Deflagration gebracht. Da die Systemtechnik starker Hitze und Druck ausgesetzt ist, hat das LZH zusammen mit seiner Ausgründung Laser on Demand GmbH einen kostengünstigen, 3D-gedruckten Laser­bearbeitungskopf mit optischen Standard­komponenten entwickelt. Der Umgang mit dem Kampfmittel und dem Sprengstoff in den Praxis­versuchen und beim finalen Feldversuch mit der 500 Pfund Bombe erfolgte dabei durch das Personal des Kampfmittel­räumdienstes Hamburg.

Diese vielver­sprechenden Ergebnisse sind nun Grundlage für weitere Forschungs­projekte, um das Verfahren möglichst bald einsetzen zu können. Außerdem wollen die Partner den Prozess und die Systemtechnik für den Einsatz unter Wasser adaptieren. Denn mehr als 1,5 Millionen Tonnen Weltkriegs­munition wird noch in Nord- und Ostsee vermutet. Das Vorhaben Deflag – Sichere Deflagration von Blindgängern durch Laser­technologie – wird im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit 2012-2017“ der Bundes­regierung durch das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung gefördert. 

LZH / JOL

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