Doppeltes Nobel-Jubiläum
In Berlin wird eine Ausstellung zum Fotoprojekt „Nobelpreisträger im Potrait“ eröffnet – pünktlich zum Jubiläum der Lindauer Nobelpreistagungen.
LINO / Jakob Schöll
Im Juni 1951 fand in Lindau am Bodensee erstmals die „Europatagung der Nobelpreisträger“ statt. Die Idee dazu hatten die beiden Ärzte Franz Karl Hein und Gustav Wilhelm Parade, weil sie die wissenschaftliche Isolation Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg beenden wollten. 1953 nahmen dann erstmals junge Forschende an den hochkarätigen Treffen teil und begründeten damit die Tradition des generationenübergreifenden Austauschs. Inzwischen sind die einzigartigen Zusammenkünfte als „Lindauer Nobelpreistagungen“ bekannt und finden dieses Jahr zum 75. Mal statt. Vom 28. Juni bis zum 3. Juli werden rund 75 Preisträger:innen und sechshundert junge Wissenschaftler:innen am Bodensee zusammenkommen.
Auch die Fotoserie „Nobelpreisträger im Potrait“ (englisch: „Nobel Heroes“), feiert Jubiläum. Die Lindauer Nobelpreistagungen und der deutsche Fotograf Peter Badge riefen das von der Klaus-Tschira-Stiftung geförderte Projekt vor 25 Jahren ins Leben, ursprünglich in Zusammenarbeit mit der Smithsonian Institution und der National Portrait Gallery in Washington, D.C., sowie dem Deutschen Museum.




Das Ziel von „Nobelpreisträger im Potrait“ ist es, alle lebenden Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger zu fotografieren und dabei die Persönlichkeiten hinter den bahnbrechenden wissenschaftlichen Entdeckungen zu zeigen. Badge hat bereits über fünfhundert Preisträger auf der ganzen Welt besucht und mit seiner Kamera verewigt. „Die unglaubliche Bescheidenheit und Höflichkeit der Laureaten, gepaart mit einem klaren Wissen, was sie geschaffen haben, hat mich immer wieder beeindruckt. Aus diesen Begegnungen habe ich sehr viel mitgenommen, gerade in Bezug auf meinen eigenen moralischen Kompass“, sagte er vor einigen Jahren in einem Interview.
Anlässlich des Doppel-Jubiläums beginnt am 18. Mai am Gendarmenmarkt in Berlin die Dauerausstellung „Lindau Nobel“. Jürgen Kluge, Vorstand der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertagungen, und Bettina Bernadotte, Präsidentin des Kuratoriums, eröffnen die Ausstellung. Letztere ist die Tochter von Lennart Bernadotte, Graf von Wisborg, der die beiden Gründer der Nobelpreistagungen damals unterstützte und eine wichtige Rolle in der weiteren Entwicklung spielte. So war er es, der auf die Idee kam, junge Menschen zu den Treffen einzuladen.
Höhepunkt des Eröffnungsabends ist ein moderiertes Gespräch mit Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell. Er erhielt die prestigeträchtige Auszeichnung im Jahr 2014 für die Entwicklung der superauflösenden Fluoreszenz-Mikroskopie.
Im Anschluss des offiziellen Programms lädt die Stiftung zu einem Empfang ein, um die beiden Jubiläen zu feiern und den Abend ausklingen zu lassen.
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