27.02.2004

Luftfahrtindustrie setzt auf Asien

Der asiatische Markt soll der Wachstumsmotor für die deutsche Luftfahrtindustrie werden.

Der asiatische Markt soll der Wachstumsmotor für die deutsche Luftfahrtindustrie werden.

Singapur (dpa) - Für die deutsche Luftfahrtindustrie ist Asien der Wachstumsmarkt der Zukunft. «Ohne den asiatischen Markt wäre die deutsche Luftfahrtindustrie in einer dramatischen Schieflage», stellt der Präsidialgeschäftsführer des Bundesverbandes der Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Hans-Joachim Gante klar. «Wir erwarten hier mittelfristig ein signifikantes Wachstum, während die Märkte in Europa und Nordamerika eher stagnieren dürften.»

Diese Einschätzung teilen die zur Zeit auf der Luftfahrtmesse Asian Aerospace in Singapur vertretenen Unternehmen. «Asien ist für uns der wichtigste Zukunftsmarkt», schätzt der Direktor der Braunschweiger Aerodata, Manfred Haverland ein. Das Unternehmen prüft gemeinsam mit Kooperationspartnern und regionalen Joint Ventures Instrumentenlandesysteme in der ganzen Welt.

Nicht nur für den niedersächsischen Mittelständler mit seinen rund 200 Beschäftigten ist das Dreieck zwischen Dubai, Sydney und Peking das Geschäftsgebiet der Zukunft. «Zusätzlich zur Wartung von Lufthansa-Flugzeugen ist Asien unser wichtigster Auslandsmarkt», beschreibt Bernd Habbel, Sprecher der Lufthansa-Technik, die Bedeutung des Marktes. Das Unternehmen überholt nicht nur Airbus- und Boeing-Jets des Mutterkonzerns, sondern bietet seine Kapazitäten auch anderen Fluggesellschaften an.

Zusätzlich zum Hauptsitz in Hamburg mit seinen rund 7000 Mitarbeitern betreibt Lufthansa-Technik beispielsweise Wartungszentren in Manila und Peking. Das Joint Venture in der chinesischen Metropole blickt inzwischen auf eine 15-jährige Geschichte zurück. «Das hat sich sehr gut entwickelt», bilanziert Habbel die Kooperation. «Wir können durch diese Nähe zum Markt zusätzliche Kunden gewinnen. Das sichert auch unsere Jobs in Deutschland.» Die Wartungsbranche in der Luftfahrt ist global organisiert und steht in einem harten Konkurrenzkampf. Preisdruck durch Billig-Airlines hat den Wettbewerb nochmals verschärft.

Branchenkenner und Analysten gehen davon aus, dass sich die Region zwischen Australien, China und den Arabischen Emiraten in den kommenden 20 Jahren für Zulieferer und Flugzeughersteller zum Absatzmarkt Nummer eins entwickelt. Eine Studie des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS beziffert allein das Marktvolumen für Passagierflugzeuge bis zum Jahr 2020 auf 500 Milliarden US-Dollar. So ist beispielsweise die Fluggesellschaft Emirates Hauptkunde für den neuen Airbus A380 und hat mehr als 40 Jets des Giganten bestellt.

Rund 70.000 Beschäftigte arbeiten in Deutschland in der Luft- und Raumfahrtindustrie. «Derzeit haben wir stabile Zahlen und erwarten 2005 wieder Wachstum», beschreibt Verbandschef Gante den Trend am Arbeitsmarkt. Die Bandbreite in der Branche reicht dabei vom Großkonzern wie EADS bis zum kleinen Systementwickler. Die Firmen sind nicht nur auf Airbus oder Eurofighter festgelegt. So gelten beispielsweise Liebherr Aerospace oder Diehl als Spezialisten für Klimatechnik beziehungsweise Beleuchtung - die Anlagen stehen auch auf den Einkaufslisten von Boeing oder des brasilianischen Flugzeugbauers Embraer.

Neben dem Verkauf von Zivilflugzeugen gilt Asien auch als Prüfstein für die Rüstungstechnik. Auf ihren Heimatmärkten können die europäischen oder amerikanischen Hersteller mit politischem Rückenwind zum Kauf der einheimischen Produkte rechnen - dieser fehlt in Asien.

Heiko Stolzke, dpa

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