25.07.2018

Mond und Mars sorgen für Spektakel

Längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts am 27. Juli kommt garniert mit großer Marsopposition.

Wenn der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst am 27. Juli 2018 um 22:22 Uhr Mittel­europäischer Sommer­zeit die Gelegenheit hat, einen Blick aus der Inter­nationalen Raum­station ISS zu werfen, wird er die wohl beste Aussicht auf ein außer­gewöhnliches Natur­schau­spiel haben: die längste totale Mond­finsternis des 21. Jahrhunderts. Aber auch wir „Erd­bewohner" dürfen uns auf diesen letzten Freitag­abend des Juli 2018 freuen, wenn der Voll­mond in den Stunden vor Mitter­nacht für knapp zwei Stunden völlig in den Kern­schatten der Erde eintaucht und sich kupfer­rot verfärbt. Insgesamt 103 Minuten wird das Himmels­ereignis dauern. Erst am 9. Juni 2123 wird es eine drei Minuten längere Mond­finsternis geben. Und erst an Sylvester 2028 wird in Mittel­europa wieder eine Mond­finsternis, ähnlich wie jetzt, in vollem Verlauf zu sehen sein.

Abb.: Der Verlauf der Mondfinsternis am 27. Juli 2018 (Bild: ORIONmedien GmbH)

Eine totale Mondfinsternis, bei der der Mond komplett in den Kern­schatten der Erde eintritt und die Voll­mond­scheibe eine kupfer­rote bis strahlend-orangene Farbe annimmt, war in der alt­orientalischen, antiken Welt ein Zeichen der Götter, die im Himmel residierten und von dort aus macht­voll in die irdische Welt eingriffen. Um deren Bot­schaften am Firmament zu verstehen, hielten sich die Regenten damals kundige Stern­deuter, die gewissen­haft den Himmel beobachteten, alles auf­zeichneten und versuchten, verlässliche Vorhersagen für ihren Herrscher zu machen. Auf solche Weise erkannten die babylonisch-sumerischen Gelehrten auch den Saros-Zyklus, ein Zeit­maß für das aufeinander­folgende Auf­treten ähnlich verlaufender Sonnen- und Mond­finsternisse.

Heute weiß man, dass die Ursache für die Färbung des Mondes darin liegt, dass das lang­wellige rote Licht der Sonnen­strahlen gebrochen und in Richtung unseres Trabanten gelenkt wird, während die kurz­welligen blauen Licht­wellen voll­ständig in der Erd­atmosphäre gestreut werden. Zusätzlich sorgen Staub und Asche in der Hoch­atmosphäre für die satte Farbe, die die Mond­finsternis zu einem spektakulären Ereignis werden lässt. Ein Astronaut, der auf dem Mond stände und in Richtung Erde blickte, sähe die Nacht­seite der Erde, umsäumt von einem rötlich schimmernden dünnen Licht­saum – eine totale Sonnen­finsternis. Während der Apollo-Mond­landungs­ära, deren Beginn sich mit Apollo 8 in der kommenden Weihnachts­zeit zum fünfzigsten Mal jährt, hätten die US-Astronauten dazu dreimal eine Chance gehabt.

Nach dem Aufgang des Voll­monds über dem süd­östlichen Horizont um 21:01 Uhr (alle Zeit­angaben in MESZ, für 50 Grad nördlicher Breite und 10 Grad östlicher Länge – was zwanzig Kilo­meter westlich von Schwein­furt liegt) dauert es noch eine knappe halbe Stunde, bis der Mond komplett in den Kern­schatten der Erde eingetaucht ist und die totale Phase beginnt. Während dieser Zeit ist der Himmel noch aufgehellt, da die „bürgerliche Dämmerung“ gerade erst begonnen hat. In dieser hellsten Phase der Dämmerung befindet sich die im Westen unter­gehende Sonne nur knapp unter­halb des Horizonts und der Mond steht gleich­zeitig nur wenige Grad über dem Horizont im Südosten. Das Eintauchen des Mondes in den Kern­schatten der Erde ist zu diesem Zeit­punkt bereits in vollem Gange und die Helligkeit derjenigen Mond­gebiete, die bereits vom östlichen Mond­rand ausgehend im Kern­schatten liegen, nimmt erkennbar ab.

Um 21:30 Uhr befindet sich der Mond schließlich ganz im Kern­schatten. Die Mitte der Finsternis wird um 22:22 Uhr und das Ende der Totalität um 23:13 Uhr erreicht. Von da an tritt der Mond allmählich wieder aus dem Kern­schatten der Erde heraus und wird Stück für Stück heller. Nachts um 1:30 Uhr des folgenden Tages hat er den Halb­schatten komplett verlassen und die Finsternis ist zu Ende.

Die günstigsten Beobachtungs­bedingungen für die Finsternis herrschen im Süden und Osten Deutschlands, klare Sicht bis zum Horizont vorausgesetzt. Im Süden, weil dort der Mond bis zum Ende der totalen Verfinsterung immerhin eine Höhe von maximal 16 Grad über dem Horizont erreicht, im Osten, weil er dort früher aufgeht und die Finsternis voll­ständiger zu beobachten ist, der Mond allerdings nicht sehr hoch über den Horizont steigt. In jedem Fall ist es unabding­bar, sich einen Beobachtungs­platz zu suchen, von dem aus in süd­östlicher Richtung ein freier Blick bis zum Horizont möglich und der weitgehend frei von störenden irdischen Lichtquellen ist. Mit einem Feld­stecher ist die Mond­finsternis noch beeindruckender zu beobachten.

Die Finsternis am 27. Juli ereignet sich zu einem Zeit­punkt, an dem der Mond den erd­fernsten Abschnitt seiner Bahn in rund 406.000 Kilo­metern Distanz durchläuft und so zum „kleinsten Voll­mond des Jahres" wird. Doch dieser für das bloße Auge kaum wahr­nehmbare Größen­unterschied wird durch die Mondtäuschung mehr als kompensiert. Diese optische Täuschung lässt uns den Mond in Horizont­nähe auffallend größer erscheinen, als wenn er hoch am Himmel steht. Am Ende der totalen Phase steht der Mond hierzu­lande im bayerischen Oberst­dorf 16 Grad und auf Sylt knapp 10 Grad über dem Horizont. Und die etwas geringere Bahn­geschwindigkeit des Erd­trabanten in der Erd­ferne, im Apogäum, beschert uns eine etwas längere Finsternis­dauer.

Genau anders verhält es sich mit dem Nachbar­planeten Mars. Zum Zeit­punkt der Finsternis hat der langsamer als die Erde die Sonne umkreisende Mars seine Oppositions­stellung gegen­über der Sonne nahe des Perihels seiner Bahn erreicht und kommt der Erde nach knapp 15 Jahren wieder sehr nahe. Am 31. Juli, nur vier Tage nach der Mond­finsternis, beträgt sein aktuell geringster Abstand 57,6 Millionen Kilometer und der scheinbare Durch­messer des roten Planeten wächst auf 24,3 Bogen­sekunden an. Zur Mitte der Totalität kann man versuchen, ihn ungefähr sechs Grad südlich des Mondes, nur wenige Grad über dem Horizont, zu erspähen und zusammen mit dem Mond zu foto­grafieren.

Die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS werden in der bevorzugten Lage sein, die Mondfinsternis und den nahen Mars unabhängig von Wetter und atmo­sphärischer Absorption zu beobachten. Immerhin dauert die totale Phase mit 103 Minuten länger als eine Erd­umrundung der ISS von 92 Minuten und während des gesamten Finsternis­verlaufs von 19:15 Uhr bis 1:30 Uhr vergehen für die Crew ganze vier „Bordtage“. Die totale Phase der Finsternis könnte die Crew insgesamt mehr als eine Drei­viertel­stunde verfolgen, wenn sie über die Nacht­seite der Erde fliegt. Und in der Tat: Kurz nach Mitte der Totalität wird um 22:30 Uhr die ISS nahe der hell leuchtenden Venus im Westen aufgehen, um 22:34 Uhr nahe am Polarstern vorbeiziehen und knapp zehn Minuten über Deutschland sichtbar sein.

DLR / DE

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