07.02.2007

Sauberer Kraftstoff dank Nanopartikel

Die Fähigkeit zur Entschwefelung von Treibstoff mit Molybdändisulfid-Nanopartikeln hängt nicht nur von der Größe der Teilchen ab, sondern auch von der Form.



Die Fähigkeit zur Entschwefelung von Treibstoff mit Molybdändisulfid-Nanopartikeln hängt nicht nur von der Größe der Teilchen ab, sondern auch von der Form.

Festes Molybdändisulfid (MoS 2) ist ein bekannter und häufig eingesetzter Schmierstoff. Sehr kleine MoS 2-Nanopartikel haben vielfältige weitere Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel als Katalysator zur Entschwefelung von Kraftstoffen, denn bei MoS 2 variieren die physikalischen und chemischen Eigenschaften deutlich stärker mit der Partikelgröße als bei anderen Materialien. Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden und des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf haben dem Zusammenhang zwischen der Größe und den spezifischen Materialeigenschaften von MoS 2-Nanopartikeln nachgespürt. Sie konnten erstmalig zeigen, dass neben der Größe auch die Form der Teilchen für eine Anwendung in der Kraftstoff-Entschwefelung wichtig ist. Diese Ergebnisse wurden jüngst in den Fachjournalen Angewandte Chemie und Nature Nanotechnology diskutiert.

Abb.: Mehrwandiger MoS 2-Nano-Oktaeder (Quelle: A. Enyashin, TU Dresden)


Seit längerem ist bekannt, dass sehr kleine, schwefelreiche MoS 2-Plättchen Kraftstoff entschwefeln können, und dass diese Fähigkeit mit abnehmender Teilchengröße sehr stark ansteigt. Dieser Effekt wurde auf die spezielle Struktur entlang der Kanten dieser regelmäßig dreieckigen Nanoteilchen zurückgeführt. Im Gegensatz zum halbleitenden MoS 2-Festkörper sind diese Kanten elektronisch leitend wie ein Metall. Da die Bindung schwefelhaltiger Verunreinigungen des Kraftstoffs nur an den Kanten der dreieckigen Plättchen erfolgt, interessierte sich ein internationales Team aus Wissenschaftlern der Technischen Universität Dresden, des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf und des Weizmann-Instituts in Rehovot, Israel, für die Bindungseigenschaften von größeren MoS 2-Nanoteilchen mit vielen, langen und gut zugänglichen Kanten. Vor allem dreidimensionale Teilchen, so fanden sie heraus, versprechen ein hohes Potential für die Entschwefelung und Entgiftung von Autoabgasen. Solche Oktaeder-Teilchen von der Gestalt einer Doppelpyramide sind weniger aufwendig in der Herstellung als die im Einsatz befindlichen sehr kleinen Plättchen, die quasi wie Nano-Konfetti auf einer Goldschicht hergestellt werden müssen.

Erstmalig konnten die Forscher damit zeigen, dass die Fähigkeit zur Entschwefelung von Treibstoff nicht auf kleinste MoS 2-Teilchen beschränkt sein muss, sondern dass auch bei größeren Nanoteilchen verwandte Effekte auftreten. Neben der Partikelgröße, so das Ergebnis, bestimmt die dreidimensionale Struktur von MoS 2-Nanoteilchen die chemischen und physikalischen Eigenschaften in entscheidender Weise. Als wichtiges Ergebnis der gemeinsamen Studien konnte über mehrere Größenordnungen hinweg der Zusammenhang zwischen Teilchengröße und -gestalt einerseits und den elektronischen Eigenschaften andererseits erfasst werden: MoS 2-Nanoteilchen wie Plättchen, Fullerene und sogar Nanoröhren mit Abmessungen von mehr als 10 Nanometern sind halbleitend wie der ausgedehnte MoS 2-Kristall. Im Gegensatz dazu existieren im Durchmesserbereich von 3 bis 7 Nanometern regelmäßige, dreidimensionale Strukturen, die aus je acht gleichseitigen Dreiecken zusammengesetzt sind. Für die Kanten und Ecken dieser Nano-Oktaeder sagen die Berechnungen der Dresdner Wissenschaftler ähnliche metallische Eigenschaften voraus, wie sie für die kleineren, katalytisch aktiven Nanoplättchen gefunden wurden. Einwandige Nano-Oktaeder mit wenigen Hundert Atomen sind der Berechnung zufolge zwar instabil und wurden bislang auch nicht beobachtet. Mehrwandige, wie eine Matrjoschka-Puppe ineinander geschachtelte Oktaeder sind demgegenüber stabil herstellbar und versprechen ähnliche Fähigkeiten wie die kleineren, katalytisch aktiven Nanoplättchen. Diese Materialien wurden mit verschiedenen experimentellen und theoretischen Techniken (Transmissions-Elektronenmikroskopie, quantenmechanische Simulation) untersucht.

Quelle: Technische Universität Dresden

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