06.09.2004

Schlüsselfrage Energie

Die Energieversorgung steht vor großen Herausforderungen. Dies ist der Tenor zum Auftakt des Welt-Energie-Kongresses in Sydney.


Schlüsselfrage Energie

Die Energieversorgung steht vor großen Herausforderungen. Dies ist der Tenor zum Auftakt des Welt-Energiekongresses in Sydney.

Sydney (dpa) - Der enorme Energiehunger der Menschheit wird in den nächsten Jahren noch einmal gewaltig wachsen - und es nicht absehbar, wie er gestillt werden kann. «Energie ist die Schlüsselfrage des 21. Jahrhunderts», sagte Francois Roussely, der Vorstandschef des französischen Energieversorgers Electricité de France (EdF), am Montag zum Auftakt des Welt-Energiekongresses in Sydney. Sowohl die Industrie- als auch vor allem die großen Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien benötigten eine sichere und nachhaltige Energieversorgung, um ihr wirtschaftliches Wachstum abzusichern. Ohne Energie geht nichts voran.

Auf der anderen Seite haben zwei Milliarden Menschen auf der Erde überhaupt keinen Zugang zu elektrischer Energie, mit weit reichenden Folgen für ihre wirtschaftlichen Chancen, die Gesundheitsversorgung und das Bildungssystem. Der Reichtum ist höchst ungleich verteilt: So verbraucht ein Europäer 30-mal so viel Energie wie ein Bewohner von Bangladesh. «Der Zugang zu Energie ist ein grundlegendes Menschenrecht», postulierte Roussely in der australischen Metropole vor rund 1500 Energieexperten aus aller Welt.

Doch die Dimension der Aufgabe, alle Menschen mit sicherer und nachhaltiger Energie zu versorgen, ist gewaltig. Wenn das jährliche Wachstum des weltweiten Energieverbrauchs wie in den vergangenen Jahrzehnten bei rund zwei Prozent liegt, so müsste sich die globale Energieerzeugung noch in diesem Jahrhundert mehr als verdreifachen, rechnete der Umweltexperte Mohammed El-Ashry den Delegierten vor. Das heißt: Drei mal so viele Öl- und Gasförderanlagen, Bergwerke, Pipelines, Kernkraftwerke, Tanker, Lagereinrichtungen und Windrotoren.

Der Investitionsbedarf ist so hoch, dass er nur noch schwer zu schätzen ist. Bis 2030 müsste nach Berechnungen der Internationalen Energie Agentur (IEA) Jahr für Jahr die Welt ungefähr 500 Milliarden Euro in den Energiesektor investieren, will sie negative Folgen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt verhindern. Die jüngsten Stromausfälle in den USA und Europa haben nach Expertenmeinung deutlich gemacht, dass global zu wenig investiert wird. Auch die Preissteigerungen beim Mineralöl sind zum Teil auf ausgelastete Transport- und Verarbeitungskapazitäten zurückzuführen.

Woher soll das Geld kommen? «Nur mit dem Einsatz von privatem Kapital sind die Herausforderungen zu bewältigen», sagt RWE-Chef Harry Roels. Das aber hat weit reichende Folgen für die weltweite Energiewirtschaft: Privates Investitionskapital wird sich in großem Ausmaß nur mobilisieren lassen, wenn die Länder stabile Rahmenbedingungen und die Chance auf eine gute Rendite garantieren - sonst fließt es in andere Bereiche. In der Konkurrenz um das Kapital werden die Länder zwangsweise ihre Energiewirtschaften weiter liberalisieren. Sinkende Preise bedeutet das nicht unbedingt: Die enormen Investitionen müssen letztlich von den Verbrauchern finanziert werden.

Für die nächsten Jahrzehnte, da sind sich die Experten einig, bleiben die fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle das Rückgrat der Energieversorgung. «Aber wir brauchen viel mehr Kernenergie und viel mehr erneuerbare Energien», sagt IEA-Direktor Claude Mandil. Angesichts der angespannten Lage könne es die Welt sich nicht leisten, auf neue Energiequellen zu verzichten. Nur mit einem möglichst breiten Energiemix ließen sich die Risiken für Versorgung und Umwelt begrenzen.

Eckart Gienke, dpa

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