26.06.2026

Seltsame Winde weisen auf Exoplaneten-Magnetfelder hin

Wind­ge­schwin­dig­kei­ten auf sie­ben hei­ßen Ju­pi­tern sind der bis­lang ein­deu­tigs­te Be­leg für Ma­gne­tis­mus auf Exo­pla­ne­ten.

Illustration magnetischer Aktivität eines
Exoplaneten – dessen Magnetfeld (blaue Linien) kann atmosphärische Gasströmungen abbremsen
Quelle: ESO / M. Kornmesser, L. Calçada


Auf der Erde ist das Magnetfeld lebenswichtig, da es verhindert, dass kosmische Strahlung unsere Atmosphäre abträgt. Zugleich lässt es eindrucksvolle Polarlichter entstehen. Magnetfelder gibt es auch auf anderen Planeten unseres Sonnensystems, wie Jupiter und Saturn. Doch wie sieht es auf den Planeten außerhalb unseres Sonnensystems aus?

Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung von Elspeth Lee und Joost Wardenier von der Uni Bern ist der Antwort auf diese Frage nun einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Indem die Forschenden die Windgeschwindigkeiten auf mehreren extrem heißen Jupiter-ähnlichen Exoplaneten ermittelt haben, konnten sie erstmals zeigen, dass je heißer der Planet ist, desto niedriger ist die Windgeschwindigkeit. Eine Erklärung dafür könnten vorhandene Magnetfelder sein, die die Winde dieser Planeten bremsen.

Dieses Diagramm veranschaulicht, wie Astronominnen
und Astronomen die Stärke der Magnetfelder auf
Exoplaneten anhand ihrer Auswirkungen auf die Winde auf
diesen Planeten ableiten können. Ein Trend zu
abnehmender Windgeschwindigkeit bei steigender
Temperatur kann auf das Vorhandensein von
Magnetfeldern auf diesen Planeten hindeuten.
Dieses Diagramm veranschaulicht, wie sich die Stärke der Magnetfelder auf Exoplaneten anhand ihrer Auswirkungen auf die Winde auf diesen Planeten ableiten lässt: Ein Trend zu abnehmender Windgeschwindigkeit bei steigender Temperatur kann auf das Vorhandensein von Magnetfeldern auf diesen Welten hindeuten.
Quelle: ESO / M. Kornmesser, L. Calçada

In der Studie untersuchten die Forschenden die Windgeschwindigkeiten auf sieben Exoplaneten, die verschiedene Sterne umkreisen. Dabei handelt es sich um Gasriesen ähnlich wie Jupiter, die ihrem Stern sehr nahe sind. Lee erklärt: „Die Rotation der Planeten wurde durch die Gezeitenkräfte des Muttersterns mit ihrem Umlauf synchronisiert. So wie wir immer nur eine Seite des Monds sehen, weisen diese Planeten stets eine Seite dem Stern zu. So hat sich eine glühend heiße Tagseite und eine dauerhaft dunkle Nachtseite auf den Planeten herausgebildet. Die extremen Temperaturunterschiede wiederum führen dazu, dass extrem starke Winde vorherrschen.“

Für die Messungen nutzte das Team Daten des ESPRESSO-Instruments am Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in der chilenischen Ata­cama-Wüs­te sowie eines ähnlichen Instruments am Gemini-North-Tele­skop auf Hawaii, USA, das teilweise von der US-ame­ri­ka­ni­schen National Science Foundation (NSF) finanziert und vom NSF NOIRLab betrieben wird. Lee und Wardenier trugen zur theoretischen Interpretation der Beobachtungsdaten bei und brachten ihr Wissen sowie ihre Erfahrung mit der Atmosphäre von heißen Jupitern ein. „Wir sind spezialisiert darauf, die Atmosphäre heißer Jupiter mit Computermodellen zu simulieren. Dabei untersuchen wir, wie sich ihre Winde verhalten, wie sich die chemische Zusammensetzung verändert und wie sich das Klima auf dem ganzen Planeten entwickelt“, erklärt Lee.

Wie das Forschungsteam zeigen konnte, herrschen auf den untersuchten Exoplaneten Windgeschwindigkeiten von etwa 7200 bis über 25 000 km/h. Zum Vergleich: Die schnellsten auf dem Jupiter gemessenen Winde erreichen Geschwindigkeiten von etwa 1500 km/h.

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„Anfangs wollten wir herausfinden, ob sich die atmosphärischen Winde bei allen heißen Planeten gleich verhalten“, erklärt Julia Seidel, Astronomin am Laboratoire Lagrange, Observatoire de la Côte d’Azur, Frankreich, und Hauptautorin der Studie. Als die Forschenden jedoch die Abhängigkeit der Windgeschwindigkeiten von der Planetentemperatur untersuchten, zeigte sich ein sehr faszinierendes Muster: Je heißer der Planet, desto langsamer der Wind. „Das widerspricht völlig der Intuition, denn unter sonst gleichen Bedingungen verfügen heiße Jupiter über mehr Energie, um die Winde zu beschleunigen! Etwas muss den Wind bei heißeren Objekten bremsen“, sagt Vivien Parmentier, Mitautorin der Studie und Professor am Laboratoire Lagrange.

Das Team kam zum Schluss, dass die plausibelste Erklärung das Vorhandensein planetarischer Magnetfelder ist, da sie wie eine Bremse wirken und die Bewegung geladener Teilchen in der Atmosphäre verlangsamen können. Anhand der Daten konnten die Forschenden daher die Stärke des Magnetfelds auf jedem der untersuchten Planeten ableiten. Sie stellten fest, dass diese in ihrer Stärke mit denen in unserem Sonnensystem vergleichbar sind: etwa viermal so stark wie das von Saturn oder etwa halb so stark wie das von Jupiter. „Zum ersten Mal haben wir eine einheitliche Analyse der Windgeschwindigkeiten und Magnetfeldstärken von sieben heißen Jupitern durchgeführt, basierend auf den sehr subtilen Doppler-Verschiebungen, die in ihren Spektren beobachtet wurden. Die in unserer Arbeit verwendeten Daten geben einen beeindruckend detaillierten Einblick in diese Verschiebungen“, erklärt Wardenier.

Solch starke Magnetfelder könnten mehr als nur den Wind auf diesen fernen Planeten beeinflussen. „Hier auf der Erde kennen wir die Schönheit der Polarlichter, bei denen Teilchen der Sonne auf unser Magnetfeld treffen und zu den Polen geleitet werden. Dort kollidieren sie mit Gasen in der Atmosphäre und erzeugen farbenprächtige Schauspiele in Grün, Rosa und Violett“, erklärt Bibiana Prinoth, Mitautorin der Studie, ehemalige Doktorandin an der Universität Lund und heute Astronomin bei der ESO in Garching. „Auf den untersuchten Exoplaneten könnten die magnetisch angetriebenen Polarlichter noch spektakulärer sein“, so Prinoth. [U Bern / dre]

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