02.07.2026

Strahlende Zeiten im Museum

Eine Ausstellung im Bomann-Museum Celle zeigt die Geschichte des Atomzeitalters von Röntgen bis Reagan.

Alexander Pawlak

Die Ambivalenz von Forschung manifestiert sich wohl nirgends so drastisch wie in der Atom- und Kernphysik. In der öffentlichen Wahrnehmung stehen ihre Entdeckungen und Anwendungen zwischen Verharmlosung und Verteufelung. Dies möchte eine Ausstellung in Celle aufbrechen, indem sie Fluch und Segen der Atomforschung aufzeigt, Legenden entlarvt, mit Unbekanntem überrascht und liebgewordene Gewissheiten infrage stellt.

Unter dem Titel „Strahlende Zeiten! Die Geschichte des Atomzeitalters von Röntgen bis Reagan“ spannt die Ausstellung einen Zeitbogen von der Entdeckung der Röntgenstrahlen (1895) und Radioaktivität (1896) bis zu den Auseinandersetzungen um Kernenergie und Atomwaffen Anfang der 1980er-Jahre.

Kaum eine Entdeckung fand so schnell weltweite Verbreitung und Anwendungen wie die Röntgenstrahlen. Doch schon bald zeigte sich, dass ein allzu sorgloser Umgang mit den neuen Wunderstrahlen auch Gefahren mit sich brachte. Gleiches gilt für das 1898 entdeckte Radium, das in den 1920er- und 1930er-Jahren für Heilkraft und Vitalität stand und sogar in die Kosmetik Einzug hielt.

Ein lokaler Anknüpfungspunkt an Celle ergibt sich durch die Geschichte des deutschen Uranvereins im Zweiten Weltkrieg. Aufgrund der Bombardements der Alliierten wurden Forschungsabteilungen in ländliche Regionen verlagert, darunter zwei nach Celle.

Die eine Gruppe leitete Henry Albers, Professor für Chemie an der Technischen Universität Danzig. Sein Team und er untersuchten die Eigenschaften flüchtiger Uranverbindungen und zogen im August 1944 an das Bieneninstitut, das noch heute in Celle seinen Standort hat.

Eine andere Gruppe unter der Leitung des Hamburger Physikochemikers Paul Harteck und seines Assistenten Wilhelm Groth arbeitete an der Anreicherung von Uran-235 mithilfe von Ultrazentrifugen. Sie fanden im Herbst 1944 in einem Nebengebäude der Mitteldeutschen Spinnhütte Unterschlupf.

Radioaktives

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Mark Walker • 3/2018 • Seite 55

Bombe oder Reaktor?

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Silke Fengler und Christian Forstner • 2/2011 • Seite 34

Von der Radiumforschung zur Kernphysik

Die Exponate der Ausstellung stammen bis auf wenige Ausnahmen aus der Sammlung des Celler Diplomphysikers und promovierten Wissenschaftshistorikers Michael Schaaf, der Leser:innen des Physik Journals durch seinen Artikel über Andrej Sacharow und zahlreiche Rezensionen bekannt sein dürfte.

Die vielfältigen Ausstellungsstücke reichen von historischen Objekten, etwa ein Tisch mit Nachbauten der Geräte, die Otto Hahn und Fritz Straßmann 1938 für die Entdeckung der Kernspaltung genutzt haben, über zeitgenössische Dokumente, Fotos, Bücher, Zeitschriften bis hin zu Werbemitteln, wie für die radioaktive Zahnpasta „Doramad“.

Michael Schaaf hat sich intensiv mit den geheimen deutschen und amerikanischen Kernforschungsprogrammen im Zweiten Weltkrieg befasst und hat in den 1990er-Jahren noch Zeitzeugen wie Carl Friedrich von Weizsäcker, Paul Harteck, Edward Teller und Hans Bethe interviewen können.

Daher dokumentiert die Ausstellung die Janusköpfigkeit der Forschung nicht zuletzt anhand der Kernforschung im Zweiten Weltkrieg. Diese zielte von Anfang an auf militärische Anwendungen, was schließlich zu den verheerenden Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki führte. 

Die 1950er- und 1960er-Jahre waren dagegen von einer Euphorie über die zukünftigen Möglichkeiten der zivilen Nutzung der Kernenergie geprägt. Doch gleichzeitig wuchs die Angst vor immer mächtigeren Bomben und den Folgen des ungezügelten nuklearen Wettrüstens. In Kontrast dazu stand die Trivialisierung der Atombombe in der Spielwarenindustrie oder im Zivilschutz.

Die Ausstellung ist bis zum 29. März 2027 zu sehen. Das Begleitprogramm umfasst Vorträge von namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, den Dokumentarfilm „Väter der 1000 Sonnen“ sowie öffentliche Führungen.

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