17.09.2020

Vulkan mit Gedächtnis

Langzeitreihen dokumentieren den Lebenszyklus eines Feuerbergs.

Vulkane werden und vergehen – und erwachsen dann erneut auf ihren eigenen Überresten. Insbesondere der Zerfall eines Vulkans geht oft mit katastrophalen Folgen einher, wie zuletzt im Jahr 2018 am Anak Krakatau. Die Flanke des Vulkans war kollabiert und ins Meer gerutscht. Der dadurch ausgelöste Tsunami tötete mehrere Hundert Menschen an Indonesiens Küste. 
 

Abb.: Der Bezymianny ist ein aktiver Schicht­vulkan auf der Halb­insel...
Abb.: Der Bezymianny ist ein aktiver Schicht­vulkan auf der Halb­insel Kamtschatka. (Bild: GFZ)

Lang anhaltende vulkanische Aktivitäten nach einem Kollaps sind bislang nicht im Detail dokumentiert. Jetzt präsentieren Forscher des Deutschen Geoforschungs­zentrums GFZ gemeinsam mit russischen Vulkanologen erstmals Ergebnisse einer rund sieben Jahrzehnte langen fotogrammetrischen Datenreihe für den Vulkan Bezymianny auf der Halbinsel Kamtschatka. Erstautorin Alina Shevchenko vom GFZ sagt, „durch die deutsch-russische Kooperation konnten wir hier einen einzig­artigen Datensatz analysieren und neu interpretieren.“

Im Jahr 1956 ist der östliche Sektor von Bezymianny kollabiert. Aufnahmen von Helikopterüberflügen aus Sowjetzeiten sowie Satellitenbilder und neuere Drohnen­aufnahmen wurden am GFZ Potsdam mit neuesten Verfahren analysiert und dokumentieren die Wiedergeburt des Vulkans nach dem Kollaps. Unmittelbar darauf erwuchsen mehrere Kegel an zunächst verschiedenen, etwa 400 Meter voneinander entfernten Schloten. Nach rund zwei Jahrzehnten wurde die Aktivität stärker und die Schlote wanderten langsam zusammen. Nach etwa fünfzig Jahren konzentrierte sich die Aktivität auf einen einzelnen Schlot, was das Wachstum eines neuen und steilen Kegels ermöglichte. 

Die Autoren der Studie ermittelten eine durchschnittliche Wachstums­rate von 26.400 Kubikmeter pro Tag – das entspricht in etwa tausend großen Kipplaster-Anhängern. Damit lässt sich prognostizieren, wann das Vulkangebäude erneut die kritische Höhe erreichen könnte, bei der sich Kollaps unter dem eigenen Gewicht wiederholen könnte. Die numerische Modellierung erklärt auch die Änderungen der Spannungen und somit das Wandern der Eruptions­schlote. Thomas Walter, Vulkan­forscher am GFZ und Koautor der Studie, resümiert: „Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass der Zerfall und das erneute Wachstum eines Vulkans große Einflüsse auf die Wegsamkeiten des Magmas in der Tiefe haben. Somit zeigen zerfallene und neu erwachsene Vulkane eine Art Gedächtnis ihres veränderten Spannungs­felds.“ Für künftige Prognosen heiße das, dass die Historie des Werdens und Vergehens mit einzubeziehen ist, um zu Aussagen über mögliche Ausbrüche oder Kollapse zu kommen. 

GFZ / DE
 

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