27.09.2019

Wie Wurzeln Wasser aufnehmen

Ultraschnelle 3D-Neutronentomographie ermöglicht schnell getaktete Bilder biophysikalischer Prozesse.

Ein Team von Forschern aus Potsdam, Berlin und Grenoble konnte mit ultraschneller 3D-Neutronenbildgebung den Transport von Wasser im Boden und die anschließende Aufnahme durch die Wurzeln von Lupinen visualisieren. Die ultrakurze Neutronen­tomographie, die am HZB entwickelt wurde, erzeugt alle 1,5 Sekunden eine vollständige 3D-Aufnahme und ist damit siebenmal so schnell wie zuvor. Die Erkenntnisse sind hilfreich, um die Wasser- und Nährstoff­aufnahme von Nutzpflanzen besser zu verstehen. Die Messungen fanden an der Neutronen­quelle des Instituts Laue Langevin in Grenoble, Frankreich statt. Die Methode ist auch für die Analyse von Transport­prozessen in anderen Materialien interessant. 
 

Abb.: Die zeitaufgelöste 3D-Neutronen­tomographie zeigt den Aufstieg von...
Abb.: Die zeitaufgelöste 3D-Neutronen­tomographie zeigt den Aufstieg von deuteriertem Wasser im Wurzelsystem einer Lupinen­pflanze. (Bild: C. Tötzke / U. Potsdam)

Bei der Aufnahme von Wasser und Nährstoffen durch die Wurzeln der Pflanzen kommt es zu komplexen Wechsel­wirkungen mit dem umgebenden Boden. „Die tomographische Methode ermöglicht es, die Wasserflüsse im Boden und in den Wurzeln im Zeitverlauf festzuhalten", sagt Christian Tötzke, der das Forschungs­team der Universität Potsdam leitet. „Diese Einsichten können dabei helfen, Strategien zum effizienteren und nachhaltigeren Einsatz von Wasser und Dünger beim Anbau von Nutzpflanzen zu entwickeln".

Neutronen reagieren empfindlich auf leichte Elemente wie Wasserstoff, der im Wasser enthalten ist. Mit Neutronen­tomographie lässt sich daher der Wassergehalt präzise kartieren, sowohl in den Wurzeln als auch im umgebenden Boden. Denn wie Pflanzen sich mit Wasser und Nährstoffen versorgen können, hängt maßgeblich von Eigenschaften der Rhizosphäre ab, einer wenige Millimeter dicken Bodenschicht, welche die Wurzeln umgibt. Dieser Bereich umfasst nicht nur die mineralischen und organischen Bestandteile des Bodens, sondern wird durch Ausscheidungen der Wurzeln und durch die Aktivität von Mikro­organismen beeinflusst.

Bisher dauerten 3D-Aufnahmen mit zeitaufgelöster Neutronen­bildgebung mindestens zehn Sekunden pro Aufnahme. Damit war es schwierig, schnelle Prozesse wie die Infiltrierung des Wurzelraumes mit Wasser im Detail zu dokumentieren. Um mehr Aufnahmen in kürzerer Zeit zu ermöglichen, optimierte ein Team um den HZB-Experten Nikolay Kardjilov die Methode am kürzlich eröffneten Tomographie­instrument NeXT-Grenoble des Instituts Laue-Langevin (ILL), das durch einen sechzig Megawatt starken Forschungsreaktor mit kalten Neutronen versorgt wird.

Unter Ausnutzung des sehr viel intensiveren Neutronen­strahls ist es gelungen, die Aufnahmezeit pro Tomogramm auf nahezu eine Sekunde zu reduzieren. „Das Ergebnis übertraf sogar unsere Erwartungen“, erklärt Tötzke: „So war die Erfassungsrate höher als erwartet. Gleichzeitig konnten aber auch das Signal-Rausch-Verhältnis und die räumliche Bildauflösung verbessert werden.“

Nachdem damit die technische Machbarkeit der ultraschnellen Neutronen­tomographie nachgewiesen ist, arbeitet das Team um Kardjilov daran, die Methode weiter zu verbessern und in anderen Gebieten einzusetzen. Da die Berliner Neutronen­quelle des HZB im Dezember den Betrieb einstellt, wird der schnelle Bildaufbau in das NeXT-Instrument in Grenoble integriert, um zukünftig auch in anderen Materialsystemen schnelle Transport­prozesse untersuchen zu können.

So könnte die Hochgeschwindigkeits-Neutronen­tomographie zum Beispiel neue Erkenntnisse über die hydraulische Frakturierung poröser Gesteins­formationen liefern oder zur Untersuchung des Ionen-Transfers während schneller Auf- und Entladungen von Lithium-Akkus eingesetzt werden, um die Sicherheit, Kapazität und Haltbarkeit solcher Energie­speicher zu erhöhen. 

HZB / DE
 

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