03.12.2021

3D-Druck für alle

Zwei-Stufen-Verfahren ermöglicht kompakte und preisgünstige 3D-Laserdrucker.

Die Laser in heutigen Laserdruckern für Papier­ausdrucke sind winzig klein. Bei 3D-Laserdruckern, die drei­dimensionale Mikro- und Nano­strukturen drucken, sind dagegen bisher große und kostspielige Lasersysteme notwendig. Forscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und an der Universität Heidelberg nutzen nun stattdessen ein anderes Verfahren. Die Zwei-Stufen-Absorption funktioniert mit winzig kleinen blauen Laser­dioden, die kostengünstig sind. Dadurch ist es möglich, mit weitaus kleineren Druckern zu arbeiten.

 

Abb.: Elektronen­mikroskopische Rekonstruktion einer 3-D-Nanostruktur, die mit...
Abb.: Elektronen­mikroskopische Rekonstruktion einer 3-D-Nanostruktur, die mit dem Zwei-Stufen-Verfahren gedruckt wurde (li.) sowie licht­mikroskopische Aufnahme (re.) (Bild: R. Schröder, U. Heidelberg / V. Hahn, KIT)

Für additive Fertigung mit 3D-Druck ist Laserdrucken heute das Verfahren der Wahl, denn es bietet von allen Verfahren die beste räumliche Auflösung und zugleich eine sehr hohe Druckgeschwindigkeit. Beim Laserdrucken richtet sich ein fokussierter Laserstrahl auf eine lichtempfindliche Flüssigkeit. Im Brennpunkt legt das Laserlicht in speziellen Molekülen gleichsam einen Schalter um, der eine chemische Reaktion auslöst. Sie führt zu einer lokalen Verfestigung des Materials. Durch Verschieben des Brennpunkts können beliebige Mikro- und Nanostrukturen hergestellt werden. Die chemische Reaktion wird dabei durch die Zwei-Photonen-Absorption bewirkt, das heißt zwei Lichtteilchen regen das Molekül gleichzeitig an, was die gewünschte chemische Veränderung bewirkt. Diese gleichzeitige Anregung ist jedoch äußerst selten, weswegen komplexe gepulste Lasersysteme eingesetzt werden müssen, was wiederum größere Dimensionen beim Laserdrucker zur Folge hat.

Kompaktere, kleinere Drucker sind dagegen mit dem Zwei-Stufen-Verfahren möglich. Dabei versetzt das erste Photon das Molekül in einen Zwischenzustand. In der zweiten Stufe bringt ein zweites Photon das Molekül aus dem Zwischenzustand in den gewünschten Endzustand – und startet die chemische Reaktion. Der Vorteil: Dies muss nicht wie bei der Zwei-Photonen-Absorption gleichzeitig geschehen. „Daher gelingt der Prozess mit kompakten und leistungsarmen Dauerstrich-Laserdioden“, erklärt Vincent Hahn, Erstautor der neuen Publikation, vom Institut für Angewandte Physik (APH) des KIT. Die hierfür erforderlichen Laserleistungen liegen sogar deutlich unter denen von handelsüblichen Laserpointern. Für dieses Druckverfahren müssen jedoch spezifische Fotolacke verwendet werden. „Die Entwicklung dieser Fotolacke hat einige Jahre gedauert und war auch nur durch die Zusammenarbeit mit Chemikerinnen und Chemikern möglich“, erläutert Martin Wegener vom APH.

„In der Publikation zeigen wir, dass die Idee funktioniert, und dies sogar besser als bei der bisher verwendeten Zwei-Photonen-Absorption“, so Hahn. Der Vorteil in der Anwendung liegt für Wegener auf der Hand: „Es macht schon einen erheblichen Unterschied, ob man einen kistengroßen Femtosekunden-Laser für einige Zehntausend Euro braucht oder einen stecknadelkopfgroßen Halbleiter-Laser für weniger als zehn Euro. Jetzt gilt es, die anderen Komponenten des 3-D-Laser-Nanodruckers auch zu miniaturisieren. Dabei scheint mir ein schuh­schachtel­großes Gerät in den nächsten Jahren durchaus realistisch. Das wäre dann sogar kleiner als der Laserdrucker auf meinem Schreibtisch am KIT.“ So können 3D-Laser-Nanodrucker plötzlich für viele Gruppen erschwinglich werden. Fachleute sprechen bereits von der Demokratisierung der 3D-Drucktechnologie.

Neben den Forschern des KIT waren an der Publikation auch Wissenschaftler der Universität Heidelberg beteiligt. Die Veröffentlichung entstand im Rahmen des gemeinsamen Exzellenzclusters „3D Matter Made to Order“ von KIT und Universität Heidelberg.

KIT / DE

 

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