02.01.2026

Das Beste aus zwei Welten: hybride Exzitonen

Forschende ent­decken neu­arti­gen Quan­ten­zu­stand an Grenz­flä­che zwi­schen zwei­di­men­sio­na­lem und or­ga­ni­schem Halb­lei­ter.

Ein Forschungsteam der Universitäten Göttingen und Marburg, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Graz hat wei Materialtypen – einen organischen und einen zweidimensionalen Halbleiter – miteinander kombiniert und deren gemeinsame Reaktion auf Licht untersucht. Dies hat Potenzial für schnellere, effizientere und vielseitigere Technologien in den Bereichen Energie und Informationsverarbeitung.

Künstle­rische Dar­stel­lung der Wel­len­funk­tion ei­nes hy­bri­den Ex­zi­tons mit Elek­tron (rot) und Loch (blaue Wol­ke)
Künstle­rische Dar­stel­lung der Wel­len­funk­tion ei­nes hy­bri­den Ex­zi­tons mit Elek­tron (rot) und Loch (blaue Wol­ke)
Quelle: Lukas Kroll / GAU Göt­tingen

Dafür nutzten sie Photo­elektronen­spektro­skopie und die Viel­teilchen-Störungs­theorie. So konnten sie grund­legende Pro­zesse wie die Energie­über­tragung an der Grenz­fläche zwi­schen den Mate­ri­ali­en im Bruch­teil einer Sekunde beob­achten und be­schrei­ben. Die Kombi­nation dieser ver­schie­denen Halb­leiter mit ihren jewei­ligen Eigen­schaf­ten ist viel­ver­spre­chend für die Ent­wickl­ung neuer Techno­logien, etwa moder­nen Tandem-Solarz­ellen.

In dem Experiment kam eine fort­schritt­liche Form der Photo­elektronen­spektro­skopie zum Ein­satz: die Impuls­mikro­skopie. Die For­schenden visuali­sierten damit die Anord­nung der Elek­tronen im 2D-Halbleiter und im organi­schen Halb­leiter, während diese elektro­nische Struktur durch Licht verändert wurde. So ent­stand ein „Film“, der zeigt, wie Exzi­tonen zunächst durch Ener­gie angeregt und dann in neue Exziton-Arten umge­wan­delt werden. Diese quanten­mecha­ni­schen Elektron-Fehl­stellen-Paare entstehen in Halb­leitern durch Licht­absorp­tion, deshalb spielen sie eine zentrale Rolle in opto­elektro­ni­schen Bau­teilen wie Solar­zellen und Leucht­dioden (LEDs). In Abhängigkeit von ihren Eigen­schaften werden verschiedene Arten unterschieden.

Die Forschenden konnten genau sehen, wie Ener­gie ab­sor­biert und über die Grenz­fläche zwischen dem 2D-Halb­leiter und dem orga­ni­schen Halb­leiter ver­teilt wird. Dies gelang ihnen mit­hilfe des ein­zig­arti­gen spek­tro­skopi­schen Finger­abdrucks jeder Exziton-Art, den sie mit Unter­stützung von Berech­nungen nach der Viel­teilchen-Störungs­theorie der Vertei­lung der Exzi­tonen im Material zu­ordnen konnten. So fanden sie heraus, dass die Ab­sorp­tion eines Photons in der 2D-Schicht zu einer Energie­über­tra­gung in die organi­sche Schicht führen kann, und zwar in weniger als hun­dert Femto­sekunden (< 10–13 s).

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Lukas Schmidt-Mende und Juliane Borchert • 7/2024 • Seite 31

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Selina Olthof • 7/2024 • Seite 25

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„Der Schlüssel zu dieser ultra­schnel­len Energie­über­tra­gung ist die Bil­dung von ‚hybriden Exzi­tonen‘, für die wir nun ein mar­kantes experi­men­telles Merk­mal gefunden haben“, erklärt Stefan Mathias von der Univer­sität Göttingen. Je nach Material ver­halten sich Exzi­tonen unter­schied­lich: In orga­ni­schen Halb­lei­tern sind sie ty­pi­scher­wei­se un­be­weg­lich und so­mit an ei­nen Ort ge­bun­den. In 2D-Halb­lei­tern be­we­gen sie sich da­ge­gen frei durch das ge­sam­te Ma­te­ri­al. An einer Grenz­fläche zwi­schen die­sen bei­den Halb­lei­tern kann jedoch etwas Neues ent­ste­hen: Hier kön­nen sich so­wohl die Eigen­schaf­ten der zwei Ma­te­ri­ali­en als auch die der Ex­zi­to­nen ver­mi­schen, wo­durch neu­arti­ge hy­bri­de Ex­zi­to­nen ent­ste­hen. Genau das haben die For­schen­den in ihrem Ex­pe­ri­ment an der Grenz­fläche zwi­schen dem 2D-Halb­lei­ter WSe2 und dem orga­ni­schen Halb­lei­ter PTCDA beob­achtet.

„Unsere Ergebnisse ermög­lichen es uns, die grund­legenden Prozesse hinter der Energie- und Ladungs­über­tragung in Halbleiter-Nano­struk­turen besser zu ver­stehen und effi­zient zu nutzen. Das ist ein ent­schei­dender Schritt für die Ent­wick­lung effi­zien­ter Solar­zellen, ultra­schnel­ler opto­elek­troni­scher Kompo­nenten und neu­artiger Anwen­dungen in der Quanten­techno­logie“, erklärt Wiebke Bennecke von der GAU. Sie fügt hinzu: „Anläss­lich des 100. Jubi­läums der Quanten­mechanik 2025 zeigen unsere Ergeb­nisse ein­drucks­voll deren Rele­vanz für die Techno­logie der Zukunft.“ [GAU / dre]

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