24.11.2025 • PhotonikKondensierte Materie

Wie Phononen den Lichttransport in 2D-Halbleitern steuern

Marburger Physiker entschlüsseln den Übergang von ultraschnellem zu langsamem Transport in atomar dünnen Materialien.

Wie bewegen sich Licht-Materie-Teilchen in Materi­alien, die nur aus einer einzigen Atom­lage bestehen? Ein Team um Ermin Malic von der Philipps-Univer­sität Marburg hat erst­mals eine mikro­skopi­sche Be­schrei­bung des Exziton-Polaritonen-Transports in solchen zwei­dimen­sio­nalen Halb­leitern ent­wickelt. Die For­schen­den zeigen, dass diese hybriden Licht-Materie-Teil­chen drei unter­schied­liche Bewe­gungs­phasen durch­laufen: zunächst einen blitz­schnel­len, ballis­ti­schen Trans­port, gefolgt von einer super­diffu­siven Über­gangs­phase und schließ­lich einer lang­sa­men, exziton-dominierten Diffu­sion. Ent­schei­dend dabei sind Pho­no­nen, die den Über­gang zwischen diesen Phasen steuern und damit den Energie­fluss im Material prägen.

2D-Halbleiter innerhalb einer Mikrokavität. Die Wechselwirkung von hybriden Licht-Materie-Teilchen (Polaritonen) mit Gitterschwingungen (Phononen) führt zu einem Übergang vom schnellen ballistischen Transport (blau) zu einer langsameren diffusen Ausbreitung (rot).
2D-Halbleiter innerhalb einer Mikrokavität. Die Wechselwirkung von Polaritonen mit Phononen führt zu einem Übergang vom schnellen ballistischen Transport (blau) zu einer langsameren diffusen Ausbreitung (rot).
Quelle: Jamie Fitzgerald, U Marburg

Exzitonen entstehen, wenn ein Elektron durch Licht in einen höheren Zustand angeregt wird und ein positiv geladenes Loch zurück­lässt – gemein­sam bilden sie ein gebun­denes Teil­chen­paar, näm­lich das Exziton. Koppeln diese Exzi­tonen in einer opti­schen Mikro­kavi­tät mit Licht, ent­stehen Exciton-Polari­tonen, die sich deut­lich schnel­ler bewegen können als reine Materie­teilchen. „Unsere Berech­nungen zeigen erst­mals im Detail, wie Phono­nen – also Gitter­schwing­ungen – diesen Pro­zess kontrol­lieren und wie sich dadurch die Geschwin­dig­keit und Rich­tung des Licht­trans­ports gezielt beein­flussen lassen“, erklärt Jamie Fitz­gerald, Postdoc in der For­schungs­gruppe „Ultra­schnelle Quanten­dynamik“ von Ermin Malic, Pro­fes­sor für Theo­reti­sche Physik an der Uni Marburg.

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Für ihre Unter­suchung nutzten die Forscher auf­wän­dige nume­rische Simula­tionen, die auf der Lösung der Boltzmann-Trans­port­glei­chung für Exziton-Polaritonen beruhen. Dabei wurden sämtliche rele­vanten Wechsel­wirkungen zwischen Licht­teilchen, Exzi­tonen und Pho­nonen mikro­sko­pisch genau berücksichtigt – inklusive der sonst oft vernach­lässigten „dunklen“ Exzitonzustände. Das Team fokus­sierte sich  auf MoSe2-Mono­lagen, die in einer Fabry-Pérot-Mikro­kavi­tät einge­schlos­sen sind. Auf diese Weise gelang es, experi­men­tell rele­vante Beding­ungen am Computer exakt nachzu­bilden und die Propa­gation der Licht-Materie-Quasi­teilchen im Piko­sekunden­bereich vor­herzu­sagen.

Die Ergebnisse liefern ein fundamen­tales Ver­ständ­nis für den Licht­transport in atomar dünnen Materi­alien und könnten künftig helfen, energie­effi­ziente opto­elektroni­sche Bau­elemente wie photo­nische Schalt­kreise oder neu­artige Sensoren zu ent­wickeln. Das theore­tische Modell der Mar­burger For­schen­den schafft damit die Grund­lage, um in Zukunft Licht­signale auf der Nano­skala gezielt zu steuern – „ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu ultra­kompakter, licht­basier­ter Informa­tions­techno­logie“, kommen­tiert Malic. [U Marburg / dre]

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