11.07.2022

Deutsches Museum: Der Beginn einer neuen Ära

Der erste Teil des generalsanierten Deutschen Museums ist feierlich eröffnet worden, inklusive der Ausstellungen zur klassischen Optik und Atomphysik.

Am 7. Juli wurde der erste Teil des generalsanierten Deutschen Museums nach knapp sieben Jahren Umbau mit einem großen Festakt feierlich eröffnet. Unter den rund 700 geladenen Gästen war auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Bettina Stark-Watzinger, Bundesministerin für Bildung und Forschung, übermittelte eine Videobotschaft zum Start in die neue Museumsära.

Zu den neuen Ausstellungen gehören die „Klassische  Optik“ und die „Atomphysik“. Sie wurden bereits am 30. Juni zusammen mit den Ausstellungen zur Chemie und der Musikinstrumentensammlung einem geladenen Publikum präsentiert.

Während die 60 Jahre alte Physikausstellung, die sich nun vor dem endgültigen Abbau im Dornröschenschlaf befindet, vor allem aus Experimenten bestand, die mit einem Knopfdruck in Gang gesetzt wurden, hat das Publikum in der neu konzipierten „Klassischen Optik“ nun viel mehr Möglichkeiten zum Ausprobieren.

„Ziel war es, die Freiheitsgrade der Bedienung zu erhöhen“, betont Johannes-Geert Hagmann, Leiter der Hauptabteilung Technik und Kurator für Optik und Akademiesammlung. Das Experimentieren lässt mehr freies Ausprobieren zu, aber auch die Möglichkeit, Fehler zu machen und daraus zu lernen.

Maßgebliche Unterstützung erhielt das Ausstellungsteam vom Experimentalphysiker Markus Greiner, Professor für Physik an der Harvard University und Mitglied im Kuratorium des Deutschen Museums. Er konzipierte und baute einen Teil der neuen Experimente, darunter ein Weißlicht-Interferometer, für das Teile eines Windkanal-Interferometers des DLR genutzt wurden. Nun können Besucher:innen ihre Hand in den Strahlengang halten und dabei beobachten, wie sich das Interferenzmuster durch die Wärme der Hand verändert.

Ebenfalls neu gestaltet ist die Ausstellung zur Atomphysik, die den weiten Bogen von den ersten Atom-Vorstellungen über Radioaktivität und Quantenphysik bis zur modernen Kern- und Teilchenphysik spannt. Klassische Exponate, etwa die Laue-Apparatur zur Kristallinterferenz von 1912 oder Geräte von Marie und Pierre Curie, haben wieder ihren Platz gefunden, aber auch eine menschliche Silhouette, an der sich die Auswirkungen unterschiedlicher Strahlung verfolgen lassen. Im runden Ausstellungsraum bilden die Demonstrationsexperimente den Kern, während die Peripherie den historischen Exponaten gewidmet ist, einschließlich einer witzigen Visualisierung des Gedankenexperiments mit Schrödingers Katze.

Insgesamt sind seit 8. Juli 19 neue Ausstellungen zu bewundern, darunter die beliebten Ausstellungen zur Luft- und Raumfahrt, aber auch zu Mathematik, Chemie, Robotik oder Gesundheit. „Ich bin sehr froh, dass wir jetzt zeigen dürfen, woran wir so lange und intensiv gearbeitet haben“, sagt Wolfgang M. Heckl, der Generaldirektor des Deutschen Museums.

Ein spektakuläres Interimsgebäude, dessen Fassade im 3D-Druck entstanden ist, sorgt für den Museumszugang, solange der alte Haupteingang im Zuge der weiteren Sanierung gesperrt ist. Nicht mehr zugänglich sind zwei der Klassiker des Museums: das Bergwerk und die Blitz-Anlage, deren spektakuläre Vorführung seit 1953 rund 15 Millionen Besucher:innen erlebt haben dürften.

Die Generalssanierung des Deutschen Museums, eines der größten naturwissenschaftlich-technischen Museen weltweit, ist eine Herkulesaufgabe. 2028 soll dieses Vorhaben, das mittlerweile auf eine Milliarde Euro veranschlagt wird, vollendet sein, drei Jahre später als geplant, aber passend zum 125. Gründungsjubiläum des Museums.

Die Herausforderungen sind groß, so sind die Baukosten allein im vergangenen Jahr um 15 Prozent gewachsen, und essenzielle Ausstellungen, wie die zur Astronomie, sind noch nicht finanziert. Hier setzt Generaldirektor Heckl seine Hoffnung auch auf Spenden aus der freien Wirtschaft und Crowd-Funding-Projekte.

Alexander Pawlak
 

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