19.04.2007

Europa spielt nur kleine Rolle

Europa kann im Kampf gegen den weltweiten Klimawandel nach Meinung von Experten zwar in erster Reihe stehen, der Beitrag wird im weltweiten Vergleich aber nur gering sein.

Hannover (dpa) - Europa kann im Kampf gegen den weltweiten Klimawandel nach Meinung von Experten zwar in erster Reihe stehen, der Beitrag wird im weltweiten Vergleich aber nur gering sein. Zu diesem Ergebnis kamen Vertreter aus Wirtschaft und Politik bei einem Energiekongress auf der Hannover Messe. In den kommenden 25 Jahren werde der globale Energiebedarf um mehr als die Hälfte wachsen, sagte der Präsident des Deutschen Nationalen Komitees im Weltenergierat, Jürgen Stotz, am Mittwoch. Das werde «fast vollständig» in Staaten geschehen, die nicht zur OECD gehören. «Und nur 30 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen entfallen auf Staaten mit Begrenzungsverpflichtung.»

Die Experten waren sich einig, dass vor allem der Wachstumsmarkt China maßgeblich bestimmen werde, wie schnell der Klimawandel zu bremsen sei. «Was wir in Europa gestalten können aus eigener Kraft in unserer Atmosphäre ist gemessen an den chinesischen Dimensionen nur noch der Rundungsfehler im Steigungswinkel», sagte der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW, Utz Claassen. In China wachse die Stromerzeugung alle drei Jahre um die Menge, die aktuell auf ganz Deutschland entfalle, rechnete Stotz vor. «50 Prozent der weltweiten Bautätigkeiten im Jahr 2020 finden in China statt», sagte der Geschäftsführer der Deutschen Energie Agentur, Stephan Kohler.

Eine europäische Energieaußenpolitik sei deshalb dringend notwendig, um die eigenen Bemühungen der EU-Mitgliedsstaaten auch außerhalb ihrer nationalen Einflussbereiche zu unterstützen. Die Experten unterstrichen, dass die Industrienationen in einem weitaus stärkeren Maße in der Pflicht seien, klimaschädliche Kohlendioxid (CO2)-Emissionen einzusparen, als Länder, deren Industrie und Wohlstand gerade erst heranwachse.

Energieverbrauch und umweltschädliche Emissionen zu reduzieren, werde es «nicht in markwirtschaftlichem Selbstlauf geben», sagte Kohler. «Deshalb brauchen wir internationale Vereinbarungen, um der Umwelt ihren Preis zu geben.» Weiterer Handlungsbedarf bestehe auch auf der Nachfrageseite des Energieverbrauches. Die Stromerzeuger müssten ihre unternehmerische Kraft auf die Einsparpotenziale beim Kunden ausrichten - das sei nicht zuletzt eine Investition in die eigene Wettbewerbsfähigkeit angesichts des bedrohlichen Klimawandels.

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