17.08.2018

Fliegen wie Otto Lilienthal

Nachbau des Normalsegelapparats fliegt sicher bis zu einhundert Meter weit. 

Otto Lilienthal gilt als der bedeu­tendste Pionier der Luftfahrt des 19. Jahr­hunderts. Vor mehr als 125 Jahren gelangen ihm erstmals Gleit­flüge mit vom ihm entwickelten Flugzeugen, vor allem mit seinem Normalsegel­apparat. Den Inge­nieuren Markus Raffel vom Institut für Turbo­maschinen und Fluid-Dynamik der Leibniz Univer­sität Hannover, und Felix Wienke konnten mit viel privatem Engage­ment nun nachweisen, dass Flüge bis zu einhundert Metern Länge problemlos möglich sind. Dafür haben die Maschinen­bauingenieure anhand der Konstruktions­zeichnungen von Otto Lilienthal das Fluggerät original­getreu nachgebaut und in Flug­versuchen erprobt. Unter­stützung dafür gab es von weiteren Flugenthu­siasten und seitens des Otto-Lilienthal-Museums in Anklam, dessen Beschäf­tigte das Wissen über Material und Verbindungs­technik beigesteuert haben.

Abb.: Der Nachbau von Lilienthals Normalsegelapparats lässt sich nach einiger Übung leicht auf Kurs halten und einfach landen. (Bild: LUH)

Bereits im Jahr 2016 hatten Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt in Göttingen die Flug­stabilität des Normalsegel­apparates anläss­lich des 125. Jubiläums des Menschen­fluges bewiesen. Mit den aktuellen Unter­suchungen, die in die Phasen Festigkeits­untersuchungen, Fesselflüge, Flüge an der Seilwinde und Freiflüge unterteilt waren, haben die Flug­enthusiasten nun den flie­gerischen Nachweis erbracht, dass Lilienthal ein Flugzeug erschaffen und geflogen hat, das um alle drei Achsen stabil ist und sicher hang­abwärts gesteuert werden kann.

Bei den Flug­versuchen konnte jetzt gezeigt werden, dass Flüge zwischen fünfzig und hundert Metern Länge in geringer Höhe gefahr­los möglich sind. Dabei sei der Gleiter nach einiger Übung leicht auf Kurs zu halten und einfach zu landen, berichtet Markus Raffel. Von höheren Flügen, unruhigem Wetter und Kurven­flügen rät er allerdings ab. Für solche Flüge war der Apparat seinerzeit auch nicht entworfen worden.

Das Patent auf den Normalsegel­apparat hatte Otto Lilienthal 1893 erhalten. Viele hundert Male flog der Erfinder mit dem Gerät selbst hang­abwärts und verkaufte es unter anderem nach Moskau, Dublin, Wien und New York. Mehr als einhundert Foto­grafien zeigen Otto Lilienthal in der Luft. Die Bilder lösten eine epochale Wende aus und regten Erfinder in der ganzen Welt an, sich eingehend mit dem Thema Fliegen auseinander zu setzen.

Nach Otto Lilien­thals tödlichem Flugunfall im Jahr 1896 wurde der Normal­segelapparat allerdings nur noch selten geflogen. Aufnahmen von erfolg­reichen späteren Flügen existieren nicht. Vielmehr wurde lange Zeit ange­nommen, dass das Gerät nicht gut steuerbar und flug­mechanisch nicht hin­reichend stabil gewesen sei. Die Arbeiten Lilien­thals waren Grundlage für den ersten Motorflug der Gebrüder Wright in den USA und für das Wirken von anderen Luftfahrt­pionieren.

LUH / JOL

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