30.01.2024

Gerd Leuchs wird Präsident von Optica

Der Experimentalphysiker wird für 2024 zum Präsidenten der renommierten Gesellschaft ernannt.

Gerd Leuchs, der als Direktor Emeritus am Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts in Erlangen und Senior-Professor an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg eine Forschungsgruppe leitet, wurde von den Mitgliedern der weltweit führenden Gesellschaft für Optik und Photonik Optica für 2024 zum Präsidenten gewählt. Leuchs gehört bereits seit 2022 dem erweiterten Präsidium an und folgt auf die bisherige Präsidentin Michal Lipson.


Gerd Leuchs
Abb.: Gerd Leuchs, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts und Optica Präsident 2024.
Quelle: S. Spangenberg

Noch als Doktorand sah ich andere Vorbilder meines Fachs – Arthur Schawlow, Boris Stoicheff und Emil Wolf – Präsidenten von Optica werden. Nicht in meinen wildesten Träumen hätte ich mir damals vorstellen können, eines Tages in ihre Fußstapfen zu treten“, sagte Leuchs, der seit 2004 Optica Fellow ist, zu seiner Wahl zum Gesellschaftsvorsitzenden. „Es ist eine Ehre von Optica für das Jahr 2024 zum Präsidenten ernannt zu werden. Ich freue mich darauf, der Optica-Gemeinschaft zu dienen.“

Die 1916 gegründete Wissenschaftsgesellschaft Optica (ehemals OSA, Optical Society of America) widmet sich der Förderung, der Erzeugung, Anwendung, Archivierung und Verbreitung von Wissen in der Optik und Photonik weltweit. Heute ist sie die führende Organisation für Wissenschaftler, Ingenieure, Geschäftsleute, Studierende und andere an der Wissenschaft des Lichts Interessierte. Durch ihre vielbeachteten Publikationen, Tagungen, Online-Ressourcen und anderen Aktivitäten fördert die Gesellschaft Entdeckungen, gestaltet reale Anwendungen und beschleunigt wissenschaftliche, technische sowie pädagogische Errungenschaften.

In Leuchs Präsidentenjahr soll die Auseinandersetzung mit dem aktuellen Trend, die Qualität der Wissenschaft – und der Wissenschaftler – anhand des „Impact Factors“ der publizierenden Zeitschrift zu beurteilen, eine wichtige Rolle einnehmen. Zudem möchte der renommierte Wissenschaftler die Beziehung zwischen Optica und der Industrie sondieren. „Ich selbst habe fünf Jahre lang in der Industrie gearbeitet und sehe noch Raum für weitere Verbesserungen. Letztendlich haben Wissenschaft und Industrie immer voneinander profitiert und werden dies auch weiterhin tun.“

2025 soll voraussichtlich das Internationale Jahr der Quantenwissenschaft und -technologie der UNO werden. Die Würdigung dieses Wissenschaftsgebietes wird für Optica eine besondere Wegmarke darstellen. „Die Planung für das Jahr 2024 zielt darauf ab, im darauffolgenden Jahr optimal von der Fokussierung auf dieses Thema zu profitieren“, so Leuchs.

Seit 1985 leitete Gerd Leuchs zahlreiche Forschungsgruppen, einschließlich des Zeitraums von 1990 bis 1994, als er in der Schweiz in der Industrie im Bereich F&E tätig war. Anschließend wechselte er an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), wo er auch heute noch als Forscher aktiv ist. Nach einer fünfjährigen Pilotphase, gemeinsam gefördert durch die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und den Freistaat Bayern, gründete die MPG 2009 das neue Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts in Erlangen. 

Dort war Leuchs bis zu seiner Emeritierung 2019 als Direktor federführend. Seitdem leitet er weiterhin eine Forschungsgruppe, in der er unter anderem gemeinsam mit Christoph Marquardt das vom Freistaat Bayern geförderte bayernweite Projekt „QuKomIn“ verantwortet. In dessen Rahmen soll eine reale Testinfrastruktur für die Quantenkommunikation in Form eines hybriden Glasfasernetzes mit Satellitenanbindung und Applikationslaboren zwischen Erlangen, Nürnberg, München und Oberpfaffenhofen aufgebaut werden mit Anschluss nach Thüringen und Sachsen. Darüber hinaus ist er der University of Ottawa als Adjunkt-Professor eng verbunden.

Neben der Quantenkommunikation beinhaltet seine wissenschaftliche Arbeit Quantenschwebungen, Winkelverteilungen von Photoelektronen in der Multiphotonenionisation, quantenrauschreduzierte und verschränkte Lichtstrahlen, Quanten-Solitonen in optischen Fasern sowie Nanophotonik und Interferometrie. Leuchs hat über 400 Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften verfasst sowie drei Bücher herausgegeben. 2005 verlieh ihm die Europäische Physikalische Gesellschaft den Quantum Electronics and Optics Prize. 2014 erhielt er einen ERC Advanced Grant und 2018 den Herbert-Walther-Preis gemeinsam von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft und Optica. 

MPL / DE


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