Gold für deutsches Team
Beim diesjährigen International Young Physicists' Tournament (IYPT) in der Schweiz belegt Deutschland den dritten Platz und sichert sich so eine Goldmedaille.
DPG / Jakob Schöll
Das International Young Physicists' Tournament (IYPT) fand in diesem Jahr vom 5. bis zum 12. Juli in Zürich statt. Das deutsche Team war in dem renommierten Wettbewerb erneut sehr erfolgreich und erreichte von 35 Ländern den dritten Platz hinter Korea und dem erneuten Sieger Singapur.
Es bestand aus Johann Hoffmann (17) und Jonathan Oßwald (17) vom Hans-Thoma-Gymnasium Lörrach, Philip Klippel (19) vom Gymnasium Grünwald, Linus Konnerth (17) vom Herder-Gymnasium Berlin sowie Nikita Petrov (17) vom Gymnasium Neubiberg. Die Jugendlichen hatten sich im Frühjahr beim Bundeswettbewerb GYPT (German Young Physicists’ Tournament) und dem darauffolgenden Auswahlworkshop aus rund 280 Teilnehmenden für das Team qualifiziert. Danach ging es ans Finetuning: Für das IYPT mussten sie zwölf von 17 vorgegebenen Physik-Aufgaben untersuchen, Experimente sowie Theorie dazu entwickeln und diese beim Wettbewerb auf Englisch präsentieren.

Die Teams aus den verschiedenen Ländern traten dort in „Fights“ gegeneinander an: Ein Team präsentiert eine Lösung für eine Aufgabe, das zweite stellt kritische Fragen und das dritte bewertet beide. Jedes Team nimmt jede Rolle einmal ein und eine Fachjury vergibt Punkte für die Leistungen. Für den Sieg geht es also nicht nur darum, eine überzeugende Lösung zu präsentieren, sondern diese auch in einer Diskussion auf Englisch zu verteidigen sowie die Lösungen anderer Teams kritisch zu hinterfragen. Dabei sind wissenschaftliche Sorgfalt, rhetorisches Talent und schnelles Denken gefordert.
Die Teamarbeit hat hervorragend funktioniert. „Egal, wer aus unserem Team auf der Bühne stand, wir haben in allen Fights etwa gleich viele Punkte geholt“, erklärt Johann Hoffmann. „Das beweist, wie gut wir uns aufeinander verlassen konnten und wie effektiv wir zusammengearbeitet haben.“
Sein Vortrag „Self-Starting Siphon“ war einer der bestbewerteten Vorträge. Dieser Siphon kann Wasser aus einem Container befördern, ohne dass ein anfängliches Ansaugen erforderlich ist. Das gelingt durch die Form: Der Schlauch bzw. das Rohr ist wie ein rundes „M“ gebogen, wobei eine Seite vollständig unter die Wasseroberfläche getaucht wird. Durch die zusätzliche Biegung verdrängt der Siphon mehr Wasser, sodass der hydrostatische Druck größer ist als bei nur einer Biegung. Dadurch kann die maximale Wasserstandshöhe am Ende des Rohrs die des Behälters übertreffen und so im Endstück abfließen. Johann untersuchte mögliche Geometrien, Limitierungen und Optima sowohl experimentell als auch theoretisch äußerst umfassend.
Nikita Petrov meisterte die herausfordernde Rolle des kritischen Opponenten gegen Turnierfavorit Singapur. Das Team aus Singapur untersuchte die kontraintuitive Bewegung eines „Flipo Flip“-Spielzeugs. Dieses scheint zu rollen, obwohl es wie ein Quader aussieht. Nikita fand Schwachstellen im sonst nahezu perfekten Vortrag und diskutierte unter anderem über die physikalische Ursache des Phänomens. Der Austausch mit den internationalen Teilnehmern hat ihm großen Spaß gemacht: „Allein dafür, wie viele internationale Kontakte ich hier geknüpft habe, zahlen sich die sechs Monate super intensive Vorbereitung auf den Wettbewerb aus.“
Auch Teamkapitän Jonathan Oßwald ist stolz auf sein Team: „Mich hat enorm begeistert, wie hoch das physikalische Niveau war, auf dem die Diskussionen zwischen den Teams stattfanden.“
Betreut wurde das Team vom ehemaligen IYPT-Teilnehmer und Physikstudent Tarek Bećić, der ebenfalls stolz ist: „Wenn man als Betreuer im Fight hinten sitzt und das Team nicht mehr unterstützen kann, ist man selbst viel nervöser als die Jugendlichen auf der Bühne. Umso mehr freut es mich, dass sie verdient eine Goldmedaille geholt haben!“. Liana Brandt von der DPG vertrat Deutschland beim IYPT als Chair, Jurorin und Mitglied des International Organising Comitee (IOC). Hinter dem Erfolg steht auch die starke finanzielle Unterstützung der Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung, die seit vielen Jahren das GYPT sowie die Teilnahme am internationalen IYPT fördert.















