17.03.2023 • Energie

Großes Potenzial für Geothermie

Erdwärmesonden könnten rund zwölf Prozent des Wärmebedarfs von Wohngebäuden im Südwesten bereitstellen.

Erdwärmesonden als Wärmequelle für Wärme­pumpen sind nicht nur für Neubauten interessant. Auch für die Wärme­versorgung bestehender Gebäude können sie nützlich sein. Wie groß das gesamte Erdwärme­sonden-Potenzial in Baden-Württemberg ist, hat die KEA Klima­schutz- und Energie­agentur Baden-Württemberg (KEA-BW) jetzt mit wissen­schaftlichen Partnern in einer Studie abgeschätzt. Auch die Hoch­schule Biberach (HBC) war mit ihrem Institut für Gebäude- und Energie­systeme (IGE) an der Ausarbeitung der Studie beteiligt.

 

Abb.: Erdwärme­pumpen könnten in der kommunalen Wärme­planung eine...
Abb.: Erdwärme­pumpen könnten in der kommunalen Wärme­planung eine wichtige Rolle spielen. (Bild: KEA-BW)

Bis zu 300.000 Wohngebäude in Baden-Württemberg können demnach mit Erdwärmesonden klimaneutral versorgt werden. Das entspricht zwölf Prozent des gesamten Wärmebedarfs von Wohn­gebäuden im Südwesten. Das theoretische Wärme­potenzial mit der maximal möglichen Anzahl von Erdwärme­sonden pro Flurstück ist sogar über dreimal so hoch. Erdwärmepumpen könnten daher in der kommunalen Wärme­planung eine wichtige Rolle spielen.

Im Rahmen eines Projekts hat die KEA-BW in Zusammenarbeit mit der Universität Groningen, dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) und dem Institut für Energie- und Gebäude­systeme der HBC das landesweite Potenzial von Erdwärme­sonden für die Wärmewende berechnet. Die nötigen Geodaten für die Berechnung lieferten das Landesamt für Geo­information und Land­entwicklung Baden-Württemberg (LGL), die Landes­anstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) und das LGRB.

Johannes Miocic von der Universität Groningen hat diese Geodaten verarbeitet und für jedes bebaute Flurstück ermittelt, ob und wie viele Erdwärme­sonden dort platziert werden könnten. Aus diesen Daten wird berechnet, wie viel Wärme zur Beheizung sich jedem Flurstück entziehen ließe. Wenn dies nun auf vielen benachbarten Grundstücken gleichzeitig geschieht, beeinflussen sich die Anlagen gegenseitig, was bei der Potenzial­ermittlung berücksichtigt werden muss.

„Gemeinsam mit meinen Kollegen Adinda van de Ven, Stefan Hofmann und Lukas Schleichert haben wir einen Algorithmus und Programmcode entwickelt und für die Berechnung zur Verfügung gestellt. Mit diesem Code kann die gegenseitige Beeinflussung einfach und sehr schnell für viele benachbarte Flur­stücke mit hunderten oder gar tausenden potenziellen Erdwärmesonden berechnet werden“, erklärt Roland Koenigsdorff, der am IGE forscht und im Studiengang Energie-Ingenieurwesen lehrt, die Aufgabe der HBC. Durch die Programmierung ist es nun möglich, den landesweiten Bedarf an Erdwärmesonden zu berechnen.

Damit Kommunen das Erdwärme­sonden-Potenzial auf ihrer Gemarkung ermitteln können, stellt die KEA-BW ihnen die Daten kostenfrei zur Verfügung. Das gilt sowohl für die zur Erstellung und Fort­schreibung eines kommunalen Wärmeplans verpflichteten großen Kreisstädte und Stadtkreise als auch für die freiwillig wärme­planenden kleineren Gemeinden. Zugang zu den Daten erhalten auch Dienst­leistungs­unternehmen, die im Auftrag dieser Gemeinden arbeiten.

Auch auf Bundesebene wird bereits Interesse an der Berechnung bekundet, wie Koenigs­dorff freudig mitteilt: „Die ersten Gespräche für eine bundesweite Anwendung der Methode laufen bereits, um hiermit der oberflächen­nahen Geothermie in ganz Deutschland als wichtigen Baustein der Wärmewende zusätzlichen Schub zu geben.“

KEA-BW / DE

 

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