28.02.2024

Ein Leben für Physik und Forschungspolitik

Herwig Schopper feiert seinen 100. Geburtstag.

Kerstin Sonnabend

Photo
Herwig Schopper als Promotionsstudent in Hamburg etwa 1950
Quelle: 2003-2024 CERN / Herwig Schopper, CC BY-SA 4.0 Deed

Herwig Schopper, ein Pionier der experimentellen Teilchenphysik in Deutschland und Europa, der sich wie wenige andere ein Leben lang für die Grundlagenforschung und in der Forschungspolitik eingesetzt hat, feiert heute seinen 100. Geburtstag. 

Am 28. Februar 1924 kommt er im böhmischen Lanškroun zur Welt, das damals zur Tschechoslowakei gehört. Während seiner Kindheit und Jugend erlebt er politisch unruhige Zeiten: Als Herwig Schopper 15 Jahre alt ist, gehört seine Heimatstadt durch das Münchner Abkommen zum Deutschen Reich. Seine Reifeprüfung legt er 1942 am örtlichen Gymnasium ab. Nach Kriegsende folgt ein Physikstudium in Hamburg, das er 1949 mit dem Diplom abschließt. Für die 1951 folgende Promotion forscht er bei Lise Meitner in Stockholm; vor der Habilitation 1957 an der Universität Erlangen arbeitet er als Research Fellow in Cambridge mit Otto Robert Frisch am Cavendish-Labor. 

Danach folgt eine akademische Karriere mit Stationen als Professor in Mainz, Karlsruhe und Hamburg, während der Herwig Schopper die deutsche Forschungslandschaft nachhaltig prägt. Er entwickelt eine Quelle für polarisierte Protonen und nutzt zirkular polarisierte Gammastrahlung, um die entgegengesetzten Helizitäten von Neutrinos und Antineutrinos nachzuweisen. Außerdem verwendet er bei der Untersuchung der starken Wechselwirkung mittels Neutronenstreuung ein Hadronenkalorimeter – heute ein Detektor, der bei allen Experimenten zur Teilchenphysik in Speicherringen zum Einsatz kommt. Als Direktor des DESY (1973 – 1980) und Generaldirektor des CERN (1981 – 1988) avanciert er zum „Herrn der Ringe“: Mit den Speicherringen PETRA und LEP schafft er in die Voraussetzungen für zahlreiche bahnbrechende Messungen und Entdeckungen in der Teilchenphysik.

Nach seiner Emeritierung 1989 engagiert er sich in zahlreichen Organisationen und Gremien. So ist er nach der deutschen Wiedervereinigung von 1992 bis 1994 Präsident der DPG, im Anschluss daran Präsident der European Physical Society. Während seiner Amtszeiten leistet er wichtige Beiträge, um die Physik in Europa zu stärken und sichtbar zu machen. Für „seinen langjährigen unermüdlichen Einsatz für die physikalische Grundlagenforschung in Deutschland und Europa“ zeichnet ihn die DPG 2013 mit der Ehrenmitgliedschaft aus.

Aber Herwig Schoppers Engagement reicht über Europa hinaus: Ende der 1990er-Jahre setzt er sich dafür ein, ein internationales Zentrum für Synchrotron-Strahlung für experimentelle Anwendungen im Nahen Osten zu gründen. Von 2004 bis 2008 ist er Präsident des SESAME Council. In dieser Zeit entsteht in Jordanien unter dem Dach der UNESCO nach dem Vorbild des CERN das Forschungszentrum SESAME. Ob es der Anlage gelingt, nicht nur die Wissenschaft im Nahen Osten zu fördern, sondern auch zum Frieden in der Region beizutragen, steht angesichts der aktuellen Entwicklungen leider infrage. Für Herwig Schopper wäre es sicher ein schönes Geschenk, wenn seine Arbeit auch in dieser Hinsicht Früchte tragen könnte. 

Im Rahmen der DPG-Frühjahrstagung des Fachverbands Teilchenphysik findet am 6. März ein Festsymposium zu Ehren von Herwig Schopper statt. Er war von 1961 bis 1973 Gründungsdirektor der Institute für Experimentelle Kernphysik an der früheren Technischen Hochschule Karlsruhe (TH) und am damaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe, den beiden Vorläufereinrichtungen des heutigen Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Für seine außerordentlichen Verdienste um die Teilchenphysik und den Standort Karlsruhe wird dem Jubilar die Ehrendoktorwürde des KIT verliehen. Die Laudatio hält Albrecht Wagner von der Universität Hamburg und vom DESY. In der Festvorlesung gibt Beate Heinemann, Direktorin für Teilchenphysik am DESY, einen Überblick zu den Durchbrüchen des Forschungsfelds in den vergangenen hundert Jahren und stellt dabei die Beiträge Herwig Schoppers vor. 

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