19.07.2023

Innovationen aus der Raumfahrt

Beste Entwicklungen des INNOspace-Masters-Wettbewerbs ausgezeichnet.

Seit 2015 wurde der INNOspace-Masters-Wettbewerb der Deutschen Raumfahrt­agentur im DLR in bislang sieben Runden erfolgreich durchgeführt. Die besten Entwicklungen wurden nun am 12. Juli 2023 im Rahmen einer Highlights­konferenz in Berlin ausgezeichnet. Gewürdigt wurden dabei Teilnehmer aus den Kategorien „Start-ups“, „KMUs und ScaleUps“ sowie „Forschungs­institute & Universitäten“. Außerdem vergaben die beteiligten Partner eine Ehrung für die besten Einreichungen in ihren jeweiligen Wettbewerbs­kategorien.

 

Insgesamt 1554 Unternehmen aus vierzig Ländern haben sich seit Beginn mit rund 700 zukunfts­gerichteten Ideen an dem Innovations­wettbewerb beteiligt. Prämiert wurden dabei 86 Finalisten mit Preis- und Fördergeldern in Höhe von mehr als 9,4 Millionen Euro. In diesem Jahr waren die ehemaligen Wettbewerbs­teilnehmer aufgefordert, Ergebnisse zu ihrer Entwicklung seit der Teilnahme am Wettbewerb einzureichen. Prämiert wurden die Teilnehmer von Anna Christmann, Koordinatorin der Bundes­regierung für Luft- und Raumfahrt und Walther Pelzer, Mitglied des Vorstandes im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und Leiter der Deutschen Raumfahrt­agentur im DLR. Auch Vertreter der langjährigen Wettbewerbs­partner Airbus, OHB und der deutschen ESA Business Incubation Centres waren vor Ort.

„Die Entwicklung der ehemaligen INNOspace Masters Finalisten ist beeindruckend“, erklärt Anna Christmann. „Seit ihrer Teilnahme haben diese Unternehmen, Start-ups sowie Forschungs- und Hochschulteams nicht nur bedeutende technische Heraus­forderungen gemeistert, sondern auch einen bemerkenswerten ökonomischen Fortschritt durchlaufen.“ Insbesondere junge Unternehmen, die bereits in der Frühphase am Wettbewerb teilgenommen haben, konnten seither ein deutliches Wachstum in Bezug auf Personal, Umsatz und die Akquise privaten Risiko­kapitals verzeichnen.

Im Jahr 2015 hatte der Wettbewerb mit 50 Teilnehmern angefangen – bei der letzten Runde in den Jahren 2021/22 waren es bereits 337 Bewerber. Insgesamt kamen rund siebzig Prozent der knapp 700 Einreichungen aus raumfahrtfremden Branchen. „Die stetig wachsende Zahl von Einreichungen verdeutlicht, dass sich der Wettbewerb seit der ersten Wettbewerbsrunde mit ambitionierten und zukunfts­weisenden Themen befasst“, betont Walther Pelzer. „Die große Vielfalt der Bereiche, aus denen die Projektvorschläge stammen, zeigt dabei das hohe Potenzial für den branchen­übergreifenden Wissens- und Technologie­transfer sowie die wechselseitigen Synergien beim INNOspace Masters als Innovationswettbewerb“.

OKAPI:Orbits hat eine erfolgreiche Software-Lösung entwickelt, die einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der wachsenden Bedrohung durch Weltraummüll und Kollisionen im Orbit leistet. Durch präzise Risiko­vorhersagen und intelligente Manöver­vorschläge werden Kollisionen zwischen Satelliten und Trümmerteile verhindert, wodurch die Ausbreitung von Weltraumschrott eingedämmt wird. Mit Risikokapital-Investitionen von 6,5 Millionen Euro und einem Team von 35 Vollzeitkräften wird die Lösung von OKAPI heute bereits für über 150 Satelliten in den Erdumlaufbahnen verwendet.

Als ehemaliger Teilnehmer des Inkubationsprogramms ESA BIC Bavaria hat sich die Mynaric AG zu einem führenden Anbieter von Laser­kommunikations­terminals entwickelt und ermöglicht so schnelle, satellitengestützte Datenübertragung über tausende Kilometer. Ihre Produkte finden Anwendung in Konstellationen und Erd­beobachtungs­missionen im niedrigen Erdorbit. Von zwanzig Vollzeit­kräften im Jahr 2016 ist das Team auf 294 Mitarbeiter im Jahr 2023 gewachsen. In 2017 erfolgte zudem der Gang an der deutschen Börse, seit 2021 ist die Mynaric-Aktie zudem an der NASDAQ gelistet.

Für das Forschungsprojekt „Silent Running“ hat das Fraunhofer-Institut für Betriebs­festigkeit und System­zuverlässigkeit (LBF) in Zusammen­arbeit mit den Firmen MT Aerospace und OHB-System AG drei Weltraum­demonstratoren entwickelt. Das Projekt hat gezeigt, dass der Einsatz von vibroakustischen Materialien – also Materialien, die Körperschall absorbieren können – im Weltraum realisierbar ist. Es bietet so eine Lösung für den Konflikt zwischen Leichtbau und schwingungstechnischem Verhalten. Die Materialien sind zudem nachhaltig herstellbar. Das Forschungsteam ist seit der Teilnahme am INNOspace Masters von zwei Teilzeit­stellen auf sechs Vollzeitkräfte sowie zehn studentische Hilfskräfte angewachsen, um die Technologie auch für andere Anwendungs­bereiche nutzbar zu machen.

Als beste Spin-In-Idee wurde das Verbundprojekt InnoCube der TU Berlin und der Universität Würzburg geehrt. Die Vorhaben „Skip the Harness – SKITH“ und Fibre-Reinforced Spacecraft Wall for Storing Energy – Wall#E” fügen sich für die Entwicklung eines neuartigen Satelliten­konzepts zusammen. Die beste Idee für einen Spin-Off-Transfer kam von der DSI Aerospace Technologie GmbH. Um die Diagnostik von Herzerkrankungen signifikant zu verbessern, entwickelte das Unternehmen ein tragbares Gerät zur kontinuierlichen Überwachung der Herzfunktion. Die Technologie dafür basiert auf einer speziellen Kardiographie, welche ursprünglich für die Überwachung von Messwerten wichtiger Körperfunktionen in der astronautischen Raumfahrt entwickelt wurde.

In der Raumfahrt werden zunehmend kostengünstige Klein­satelliten, CubeSats, eingesetzt, die jedoch aufgrund ihrer Standard­größe von zehn Zentimetern Kantenlänge Einschränkungen in der Missions­vielfalt unterliegen. Während der Inkubation im ESA BIC Bavaria entwickelte die Deployables Cubed GmbH spezielle Auslösemechanismen, um ausfaltbare Strukturen im Weltall zu ermöglichen. Die Firma konnte bereits signifikante Marktanteile erobern: 14 Auslöse­mechanismen werden heute schon erfolgreich im Weltraum eingesetzt, insgesamt wurden über 100 Produkte verkauft.

Das norwegische Unternehmen DigiFarm AS schafft es mit einem eigens entwickelten Algorithmus, die Auflösung von Daten des europäischen Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-2 von zehn auf einen Meter zu verbessern. Damit können Feldgrenzen und Abgrenzungen von Bewirtschaftungs­zonen in der Landwirtschaft genau bestimmt werden. Diese werden für die Präzisions­landwirtschaft als Grundlage für wichtige Entscheidungen benötigt. Der neuartige Algorithmus basiert dabei auf neuronalen Netzen.

Unter der Verwendung von Satellitenbildern aus der Erdbeobachtung erstellt das Start-up AVES Reality GmbH mit Hilfe von künstlicher Intelligenz eine präzise und physikalisch korrekte virtuelle Kopie der realen Welt. Die so erzeugten Simulations­umgebungen können dabei hohen Anforderungen an Qualität, Skalierbarkeit, Preis und Flexibilität gerecht werden. Das Unternehmen ermöglicht damit hochwertige Simulationen, insbesondere für die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen.

Der nächste INNOspace-Masters-Wettbewerb startet Anfang des Jahres 2024.

DLR / DE

 

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