Isar Aerospace bringt erstmals Satelliten in den Orbit
Gestern um 22:12 Uhr ist die erste privatwirtschaftlich entwickelte europäische Trägerrakete aus erfolgreich in Norwegen gestartet.
Die Spectrum der Firma Isar Aerospace SE ist nur 28 Meter lang bei zwei Metern Durchmesser. Sie wurde privatwirtschaftlich entwickelt und ist daher sehr kostengünstig zu betreiben. Die Bundesregierung und die Deutsche Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) fördern die privatwirtschaftliche Entwicklung von Trägersystemen in Deutschland. Nach einem missglückten Start vor einem Jahr hat die Rakete im neuerlichen Anlauf fünf Kleinsatelliten und ein Experiment in eine erdnahe Umlaufbahn gebracht.


Die erste Stufe der zweistufigen Rakete verfügt über neun Flüssiggastriebwerke mit insgesamt 675 kN Schub. Die Nutzlast, bestehend aus fünf Kleinsatelliten und einem Experiment, wurde erfolgreich im jeweiligen Zielorbit ausgesetzt. Sie stammen aus Deutschland, Norwegen, Österreich, Slowenien und Bulgarien und testen neuartige Technologien und Komponenten für die Satellitentechnik.
Im regulären Betrieb soll Spectrum bis zu 1.000 Kilogramm Nutzlast in einen niedrigen Erdorbit befördern können. Damit ist die Rakete besonders interessant für die Beförderung von Kleinsatelliten, die eine wichtige Rolle in ganz unterschiedlichen Anwendungsfeldern spielen. Beispielsweise sind sie in der weltweiten Breitbandkommunikation und in der Erdbeobachtung schon heute ein zentrales Instrument.
„Wir freuen uns riesig über den erfolgreichen Qualifikationsflug der Spectrum-Rakete und gratulieren dem gesamten Team von Isar Aerospace zu dieser hervorragenden Leistung“, erklärt Dr. Walther Pelzer, DLR-Vorstand und Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR. „Sie haben nicht nur einen technologischen Meilenstein erreicht, sondern auch den Weg für einen unabhängigen europäischen Zugang zum All neu definiert – ein klares Zeichen für die Innovationskraft eines jungen, ambitionierten Unternehmens. Mit unserem Mikrolauncher-Wettbewerb haben wir den Weg bereitet, dass Unternehmen wie Isar Aerospace den europäischen Zugang zum All grundlegend verändern können. Die Spectrum wurde nicht im staatlichen Auftrag entwickelt. Sie wurde entwickelt, um einen globalen Markt zu bedienen. Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR hat im Namen der Bundesregierung eine Startdienstleitung für die Rakete eingekauft.“
Auf der Ministerkonferenz der Europäischen Weltraumorganisation ESA im November 2025 ist die European Launcher Challenge (ELC) aufgelegt worden, um einen ausfallsicheren und kostengünstigen europäischen Zugang zum Weltraum mittelfristig zu ermöglichen. Deutschland hat sich wesentlich hierfür eingesetzt.
Kernziel des Programms ist dabei – im Gegensatz zu heute – dass der Zugang auf mehreren verschiedenen Systemen beruht, und somit resilient gegenüber dem Ausfall eines einzelnen Anbieters wird. Hierzu wird die ESA Unternehmen in Deutschland und Europa bei der Entwicklung von Trägerraketen unterstützen und die Entwicklungen mit bis zu sechzig Prozent kofinanzieren. Die ESA wird die neuen Startanbieter zudem systematisch bei der Buchung von Startdienstleistungen berücksichtigen, um das Vertrauen von Investoren und kommerziellen Kunden weltweit zu bestärken.
Die ESA wird maßgeblich auch selbst als Kunde von Startdienstleistungen auftreten und die institutionellen Bedarfe und Anforderungen von Raketenstarts spezifizieren. Es werden jedoch keine Vorgaben zum technischen Konzept der Trägersysteme oder zur Entwicklungsphilosophie gemacht. So können Unternehmen schnell und kosteneffizient arbeiten. Langfristig soll die ELC ermöglichen, europäische Trägersysteme zu etablieren, die keine finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite mehr benötigen.
Raumfahrt ist aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Egal ob Navigation, Börsenhandel oder Breitbandkommunikation, ohne Hilfe aus dem All würden große Teile unseres Alltags kaum noch funktionieren. Ein eigenständiger Zugang Europas zum Weltall ist also unverzichtbar – gerade angesichts der aktuellen Weltlage. Privatwirtschaftlich entwickelte Trägerraketen sind ein wichtiger Baustein für Europa, um zukünftig einen kostengünstigen und ausfallsicheren Zugang zum Weltraum zu ermöglichen.
Das Modell von Isar Aerospace ist darauf ausgelegt, skalierbare Startkapazitäten aufzubauen. Deshalb entwickelt und baut das Unternehmen mit seinen vierhundert Mitarbeitenden nicht nur eine Trägerrakete, sondern hat die „Maschine hinter der Maschine“ aufgebaut, inklusive eines vertikal integrierten Fertigungsmodells und einem hohen Automatisierungsgrad in der Produktion. Dementsprechend befinden sich die Trägerraketen Spectrum 3 bis 7 bereits in der Produktion. Mit Eröffnung der neuen 40.000 m² großen Produktionshalle wird Isar Aerospace perspektivisch die Kapazität haben, bis zu vierzig Trägerraketen pro Jahr zu fertigen. [DLR / Isar Aerospace / dre]
Anbieter
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR)Linder Höhe
51147 Köln
Deutschland
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