06.12.2019

KI-Partner für ISS-Astronauten

Neuer Demonstrator zur Mensch-Maschine-Interaktion – CIMON-2 – startete zur Internationalen Raumstation.

Ein neuer CIMON für die Inter­nationale Raumstation ISS: Mit CIMON-2 (Crew Interactive MObile companioN) startete gestern um 18:29 Uhr Mittel­europäischer Zeit an Bord des US-ameri­kanischen Frachters SpaceX-19 vom US-Weltraum­bahnhof Cape Canaveral in Florida ein modifizierter und mit neuen Aufgaben ausgestatteter, in Deutschland entwickelter und gebauter Astronauten­assistent ins Weltall. CIMON-2 wird, wie sein Vorgänger, im euro­päischen Forschungsmodul Columbus eingesetzt werden. CIMON ist ein ballförmiger, freifliegender, mit künst­licher Intelligenz ausgestatteter Tech­nologie-Demonstrator zur Mensch-Maschine Interaktion.

Abb.: Stolz sind die Entwickler auf CIMON, einem ball­förmigen,...
Abb.: Stolz sind die Entwickler auf CIMON, einem ball­förmigen, frei­fliegenden, mit künstlicher Intelligenz ausge­statteten Demons­trator zur Mensch-Maschine Inter­aktion. (Bild: DLR, CC-BY 3.0)

„CIMON-1 – unser Prototyp – ist am 27. August 2019 nach 14 Monaten auf der ISS wieder auf der Erde gelandet und mittlerweile bei Airbus in Friedrichshafen angekommen", sagt Christian Karrasch, CIMON-Projekt­leiter im DLR Raumfahrtmanagement in Bonn. Die künstliche Intelligenz basiert auf der Watson-Tech­nologie von IBM, Mediziner der Ludwig-Maximilians-Univer­sität München sind für die wissenschaftlichen Fragestellungen verantwortlich. CIMON-1 war am 15. November 2018 mit dem deutschen Esa-Astronauten Alexander Gerst als weltweit erste KI auf der ISS im Einsatz. „Mit CIMON-2 wollen wir an die erfolg­reiche Demons­tration mit CIMON anknüpfen“, sagt Karrasch.

Der erste CIMON habe bei seiner Premiere eindrucks­voll gezeigt, dass eine KI-basierte mobile Anwendung auf der Raumstation funktioniert. CIMON hat neunzig Minuten mit Alexander Gerst gearbeitet. „CIMON-2 soll bis zu drei Jahre auf der Raumstation bleiben und die Besatzung unterstützen“, sagt Till Eisenberg, CIMON-Projektleiter bei Airbus. Das Modul verfügt über sensiblere Mikrophone und einen weiter­entwickelten Orientierungs­sinn. Auch die KI-Fähigkeiten und die Stabilität der komplexen Software­anwendungen wurden deutlich verbessert. Ein wichtiger Punkt in der Evolution von CIMON sei auch die erweitere Lebenslaufzeit: „Innerhalb dieser Einsatzdauer denken wir an weitere Schritte wie etwa die KI auf eine Cloud der ISS zu bringen.“ Dies wäre ein Meilenstein der Entwicklung hin zu einem völlig autonomen Assistenzsystem. „Auf dem Weg zum Mond oder Mars könnte sich die Crew dann auch ohne eine permanente Daten­verbindung zur Erde auf einen KI-basierten Assistenz-Service verlassen. Ein Anwendungs­fall für die Erde wäre zum Beispiel die Unterstützung von Menschen bei komplexen Aufgaben in Gegenden mit schwacher Infra­struktur“, sagt Karrasch.

IBM ist bei CIMON für die Implementierung der künstlichen Intelligenz verant­wortlich. „Bei seinem ersten Einsatz auf der ISS hat CIMON bewiesen, dass er Inhalte nicht nur in ihrem Kontext verstehen kann, sondern auch die Intention dahinter“, sagt Matthias Biniok, IBM Projektleiter für die künstliche Intelligenz Watson. CIMON-2 geht noch einen Schritt weiter. Mithilfe des IBM Watson Tone Analyzers aus der IBM Cloud in Frankfurt ist er nun in der Lage, die Emotionen der Astronauten auszuwerten und situations­gerecht darauf zu reagieren, wenn die Astronauten es möchten oder die Emotionsanalyse im Rahmen eines Experiments getestet wird. Damit kann sich CIMON-2 bei Bedarf von einem wissen­schaftlichen Assistenten in einen einfühlsamen Gesprächs­partner verwandeln".

DLR / JOL

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