18.04.2007

Klimawandel wird Kernthema

Der Kampf gegen den Klimawandel wird auch für die Industrie immer mehr zu einem Schlüsselthema. Energiefragen stehen auf der Hannover Messe im Mittelpunkt.

Hannover (dpa) - Der Kampf gegen den Klimawandel wird auch für die Industrie immer mehr zu einem Schlüsselthema. Auf der traditionsreichen Hannover Messe standen Energiefragen am Dienstag im Mittelpunkt. Beim effizienteren Einsatz von Energie sieht die Wirtschaft noch ein Riesenpotenzial. Die Branche der erneuerbaren Energien geht von hohen Wachstumsraten aus. Sie will Zehntausende von neuen Jobs schaffen und ihre weltweite technologische Führungsrolle ausbauen. Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer nannte den Kampf gegen den Klimawandel die «Hauptherausforderung unserer Zeit».

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, sagte auf dem «World Energy Dialogue» in Hannover zum Thema Klimawandel: «Die deutsche Industrie nimmt die Herausforderung und die Verantwortung sehr ernst.» Es komme darauf an, zugleich Wohlstand zu sichern und Kohlendioxid (CO2) zu verringern. Dies sei eine globale Herausforderung. «Wir Europäer können das Problem nicht alleine lösen.» Der EU-Anteil beim CO2 betrage 15 Prozent. Dieser werde künftig aber sinken. Vor allem die USA, China und Indien müssten mit ins Boot geholt werden.

Bei der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes komme es auf den richtigen Zuschnitt der Finanzierung an, sagte Thumann. Erneuerbare Energien müssten dort ausgebaut werden, wo Wind oder Sonne ausreichend verfügbar seien. «Alles andere ist ökologisch und volkswirtschaftlich nicht sinnvoll.»

Die bisher hoch subventionierte Branche der erneuerbaren Energien boomt. Bis 2020 würden sich die Arbeitsplätze in der Branche in Deutschland von derzeit rund einer knappen Viertelmillion mehr als verdoppeln, sagte der Vizepräsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, Hermann Albers. Ihre Exporte mit aktuell 8,5 Milliarden Euro werde die Branche bereits bis 2010 verdoppeln können. Mittelfristig könne das Exportvolumen sogar die Werte der deutschen Automobilindustrie erreichen. Langfristig gesehen könnten regenerative Energien 100 Prozent des Energiebedarfs decken.

BDI-Präsident Thumann bekräftigte dagegen die Forderung, die Laufzeiten der Atommeiler in Deutschland zu verlängern. Notwendig sei ein breiter Energiemix aus fossilen, regenerativen und nuklearen Energien.

Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) plädierte für ein Festhalten an der Kernenergie. «Ich kann mir nicht vorstellen, auf Kernenergie zu verzichten, bis die erneuerbaren Energien in großem Umfang wettbewerbsfähig sind und Marktreife erreicht haben.» Ihm sei jedoch bewusst, dass dies in dieser Legislaturperiode wegen des Widerstandes der SPD nicht durchzusetzen sei. Das Thema Klimaschutz werde aber eines der großen Themen der nächsten Bundestagswahl sein.

Glos sagte zudem, es komme nun darauf an, bei den ambitionierten Klimaschutzzielen der EU die Lasten auf die einzelnen Mitgliedsländer zu verteilen. Auf Deutschland komme eine «erhebliche Herausforderung» zu. Die EU will bis 2020 den Ausstoß der gefährlichen Treibhausgase im Vergleich zu 1990 um ein Fünftel kappen. Der Anteil von Energie aus Sonne, Wasser, Wind und Biomasse soll bis dahin mit 20 Prozent verdreifacht werden.

Für den Ausbau der erneuerbaren Energien sind aus Sicht des Branchenverbandes ZVEI hohe Investitionen in die Modernisierung der Stromverteilungsnetze nötig. Dies sei eine Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der hohen Versorgungssicherheit in Deutschland, hieß es. Die deutsche Energietechnikbranche sei zwar mit teilweise zweistelligen Umsatzzuwachsraten auf Wachstumskurs. Die Zuwächse würden aber sowohl durch den Ingenieurmangel als auch durch die unklaren Rahmenbedingungen in Deutschland gebremst. Ohne technologisch neue Lösungsansätze in den Netzen werde der Ausbau der erneuerbaren Energien und eine Ausweitung des Stromhandels nicht möglich sein.

Die Verbraucher sollen der Stromverschwendung nach Möglichkeit leichter Einhalt gebieten können, unter anderem durch den zielsicheren Kauf von umweltfreundlicheren Geräten, die mit der Stromspar-Plakette ausgezeichnet sind. In der Diskussion ist auch ein Wechsel von klimaschädlichen Glühlampen hin zu LED-Leuchten. Das Problem daran liegt aber noch am Preis: Derzeit sind LEDs um ein Vielfaches teurer als die herkömmlichen Leuchtmittel.

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