20.01.2026 • LaserPlasma

LLNL und Fraunhofer ILT kooperieren bei Fusionslasern

Vom Expe­ri­ment zum Kraft­werk – die nächs­te große Hürde für die Träg­heits­fusion.

Um die lasergezündete Trägheits­fusion (Inertial Fusion Energy, IFE) erfolgreich aus dem expe­ri­men­tellen Sta­dium in industri­elle Anwen­dungen zu über­führen, bündeln zwei welt­weit führende For­schungs­ein­rich­tungen ihre Kräfte, sowie ihr Laser-Design- und Simula­tions-Know-how. Im Projekt ICONIC-FL – das Kürzel steht für International Cooperation on Next-gen Iner­tial Con­fine­ment Fusion Lasers – gleichen das amerika­nische Lawrence Livermore National Labora­tory und das Fraunhofer-Institut für Laser­technik ILT in Aachen ihre hoch entwickelten Laser-Simulations­modelle ab. Ihre gemeinsame Ziel­setzung ist die Entwick­lung von Hoch­energie­lasern, die nicht nur zünden, sondern im 24/7-Kraft­werks­betrieb maximal effizient laufen. Hierbei kommt es auf präzise und höchst­genaue Vorher­sagen der Laser-Perfor­mance an. Computer­simula­tionen spielen daher eine zentrale Rolle bei der Entwick­lung der Laser­archi­tektur.

Seit dem historischen Durchbruch am LLNL im Dezember 2022, bei dem erstmals mehr Energie aus einer Fusion gewonnen als per Laser eingebracht wurde (Ignition), steht die Fusionsforschung vor ihrer nächsten großen Hürde: der technologischen Skalierung.

In der National Ignition Facility (NIF) lag der Fokus auf plasmaphysikalischen Fragestellungen; etwa, welcher Bedingungen es bedarf, um die Fusionstreibstoff Deuterium-Tritium auf über hundert Millionen Grad zu erhitzen, extrem zu verdichten und eine selbsterhaltende Fusionsreaktion auszulösen. Diese setzt mehr Energie frei als von außen durch Laser in die Brennstoffkapsel – das Target – eingebracht wird. Sei dem Durchbruch Ende 2022 hat das LLNL mehrfach mit steigendem Energieertrag gezeigt, dass das physikalische Wirkprinzip funktioniert. Für ein zukünftiges Kraftwerk wird eine Einzelzündung nicht genügen: vielmehr braucht es kontinuierlich rund 15 Schüsse pro Sekunde. Das setzt den Einsatz effizienter diodengepumpter Festkörperlaser (DPSSL) voraus, die zigmal pro Sekunde feuern können.

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Für deren Entwicklung bündeln mit dem LLNL und dem Fraunhofer ILT nun zwei Laser-Schwergewichte ihr komplementäres Know-how: Während das LLNL jahrzehntelange Erfahrung aus der Hochenergielaser-Technologie mitbringt, ist das Aachener Institut in der Entwicklung und industriellen Skalierung von DPSSL weltweit führend.

Vor dem Bau teurer Prototypen gilt es, das Laserdesign in Simulationen abzusichern. Im Projekt ICONIC-FL verfolgen die Partner das gemeinsame Ziel, die Verstärkungsstufen von Hochenergielasern so detailliert wie möglich zu simulieren – und so die Grundlage für ein späteres Design zu erarbeiten. Der Fokus liegt dabei auf dem Herzstück der Anlage: den Laserverstärkern. Diese verstärken einen zunächst kleinen Laserpuls zu jenen Laserenergien, die für Fusion benötigt werden. In diesen Laserpulsen übertragen die Photonen eine Energie von vielen Millionen Joule. Dabei kommen Lasermedien zum Einsatz, die aus Stapeln von Laser-Glas- oder Kristallplatten mit bis zu 40 cm × 40 cm Fläche und wenigen Millimetern Dicke bestehen und die im Betrieb mit transparenten Kühlmedien gekühlt werden. Dabei sind die Verstärkerplatten enormen thermischen und optischen Belastungen ausgesetzt.

„Ein 24/7-Betrieb führt zu Aufheizung, Brechungseffekten und Aberrationen, die den Laserstrahl verzerren könnten. Hier fallen auch kleinste, nicht vorhergesagte Effekte ins Gewicht und führen entweder zu Effizienzverlusten oder zu direkten Schädigungen der Optik. Wir wollen genau verstehen, was in der einzelnen Platte vor sich geht, um im Anschluss auch komplexe Plattenstapel präzise simulieren zu können“, erklärt Johannes Weitenberg, Projektleiter am Fraunhofer ILT.

Im Forschungsprojekt werden die Partner ihre jeweiligen über viele Jahre gereiften Simulationslösungen abgleichen, um zu immer detailgetreueren und realitätsnäheren Simulationen zu gelangen. Dieser systematische Abgleich der Simulationen und deren Überkreuz-Validierung erfolgt ohne Austausch des eigentlichen Codes. „Es geht nicht darum, die Simulationsmodelle zusammenzuführen, sondern voneinander zu lernen und unsere Ergebnisse doppelt abzusichern“, stellt Weitenberg klar. Dennoch ist dieses methodische Vorgehen wissenschaftlich, technisch und wirtschaftlich extrem wertvoll: Denn indem die Partner ihre jeweiligen, in unterschiedlichen Anwendungsfeldern zur Reife gebrachten Codes unabhängig voneinander auf dasselbe Design anwenden, garantieren sie maximale Robustheit und Zuverlässigkeit der Simulationsvorhersagen. Dieses Vorgehen kann die Entwicklung von Lasern für reale Kraftwerke entscheidend beschleunigen – und kostspielige Fehlentwicklungen in einem milliardenschweren Prozess umgehen. [FhILT / dre]

Anbieter

Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Steinbachstraße 15
52074 Aachen
Deutschland

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