Markus Aspelmeyer erhält den FWF-Wittgenstein-Preis 2026
Österreichs höchstdotierter Wissenschaftspreis geht an den Quantenphysiker der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Zwei der wichtigsten Theorien der modernen Physik beschreiben die Welt äußerst erfolgreich – doch sie passen nicht zusammen: die Quantenmechanik und die Allgemeine Relativitätstheorie. Genau hier setzt die Forschung des Wiener Quantenphysikers Markus Aspelmeyer mit seinem Team an. Ziel ist es, Experimente zu entwickeln, die erstmals zeigen könnten, wie sich Gravitation und Quantenphysik tatsächlich zueinander verhalten. Die Forschenden untersuchen, wie klein eine Masse sein kann, deren Gravitationsfeld noch messbar ist, und gleichzeitig, wie große Objekte sich nach den Gesetzen der Quantenphysik verhalten können.

Es gelang bereits, das Gravitationsfeld einer nur einen Millimeter großen Goldkugel zu messen – ein Effekt, der rund 30 Milliarden Mal schwächer ist als die Anziehungskraft der Erde. In hochspezialisierten Laboren werden Glasteilchen von der Größe eines Sandkorns im Vakuum mit Licht kontrolliert und in Quantenzustände versetzt. Langfristig sollen diese Experimente zeigen, ob auch die Gravitation den Gesetzen der Quantenwelt folgt. Gelingt dies, könnte das ein entscheidender Hinweis für eine Theorie der Quantengravitation sein – und damit zu einem tieferen Verständnis der grundlegenden Naturgesetze unseres Universums führen.
Markus Aspelmeyer zählt zu den weltweit renommiertesten Forschenden auf dem Gebiet der Quantenoptik und Quantenoptomechanik. Nach seinem Studium der Physik und Philosophie promovierte er 2002 in Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Anschließend wechselte der gebürtige Bayer an die Universität Wien, wo er in der Forschungsgruppe des Nobelpreisträgers Anton Zeilinger arbeitete. Seit 2009 ist Aspelmeyer Professor für Physik an der Universität Wien und seit 2019 Direktor am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) Wien der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er ist Teil des Vorstands des vom FWF geförderten Exzellenzclusters „Quantum Science Austria“.
Aspelmeyer gehört zu den Pionieren der Quantenoptomechanik. Gemeinsam mit seinem Team erforscht er Quantenphänomene in völlig neuen Bereichen. Seine aktuellen Arbeiten tragen wesentlich zum Verständnis der Grenzen zwischen Quantenphysik und Gravitation bei.
Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt der 52-Jährige zahlreiche Auszeichnungen, darunter den FWF-START-Preis, den Ignaz-Lieben-Preis sowie den Berthold Leibinger Innovationspreis. Im Jahr 2025 wurde ihm für seine wegweisenden Beiträge zur Quantenoptomechanik der Prize for Fundamental Aspects der European Physical Society (EPS-QEOD Prize) verliehen. Der dreifache ERC-Preisträger ist unter anderem Fellow der American Physical Society und Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie der Akademie der Wissenschaften und der Künste in Hamburg.
„Im Zentrum der Arbeiten von Markus Aspelmeyer steht eine der tiefgreifendsten Fragen der Physik: Kann die Schwerkraft selbst quantenmechanische Eigenschaften besitzen? Ein positiver experimenteller Nachweis würde Einsteins Relativitätstheorie nicht widerlegen, aber erstmals zeigen, dass die Schwerkraft Quanteninformationen vermitteln kann. Gelingt dieser Nachweis, könnte dies unser Verständnis der Natur grundlegend verändern – vergleichbar mit den Experimenten zur Quantenverschränkung, die 2022 mit dem Physiknobelpreis gewürdigt wurden. Der diesjährige FWF-Wittgenstein-Preis zeichnet nicht nur die herausragende wissenschaftliche Karriere von Markus Aspelmeyer aus, sondern ist auch eine Investition in eines der ambitioniertesten Vorhaben in der modernen Physik, das Österreichs erfolgreiche Tradition in der Quantenforschung um ein weiteres vielversprechendes Kapitel bereichert“, so die internationale FWF-Jury.
Der FWF-Wittgenstein-Preis richtet sich an exzellente Forschende aller Fachdisziplinen. Die mit 2 Millionen Euro dotierte Auszeichnung unterstützt die Forschung der Preisträgerin oder des Preisträgers und garantiert Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung. Forschende können so ihre Forschungstätigkeit auf international höchstem Niveau vertiefen. [FWF / dre]















