29.06.2026

Mit Quantensensorik Lebensmittelbetrug erkennen

Ver­bund­pro­jekt QSPEC nutzt quan­ten­me­cha­ni­sche Ef­fek­te für eine neue, kom­pakt um­zu­setz­en­de Ana­ly­se­me­tho­de für Le­bens­mit­tel.

Auf solch einem photonischen Chip sollen in Zukunft Lebensmittel auf ihre Inhaltsstoffe hin untersucht werden können.
Quelle: LZH


Lebensmittelbetrug verursacht jährlich Milliardenschäden und kann zu erheblichen Gesundheitsrisiken führen. Beispiele dafür sind etwa das Strecken von Honig oder Orangensaft mit Zuckerwasser oder von Tequila mit Zucker und anderen Alkoholen. Bisher lässt sich die Echtheit von Produkten nur im Labor überprüfen – aufwändig, teuer und zeitintensiv. Das vom BMFTR geförderte Projekt QSPEC möchte dies ändern. Der Ansatz: ein quantenbasiertes Spektroskopieverfahren, das deutlich kompakter und günstiger sein soll als bisherige Verfahren. Im Fokus stehen dabei Honig und Orangensaft, die laut einer Studie im Journal of Food Science mit zu den am häufigsten manipulierten Lebensmitteln gehören. Die sechs Partner AMO, die AG Photonische Quantentechnologien der Leibniz Universität Hannover, TOPTICA Photonics, AMOtronics und das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) sowie das Laser Zentrum Hannover (LZH) arbeiten zusammen an einem System aus einem Laser, quantenoptischen Elementen und einer dazugehörigen Erfassung.

Im Projekt QSPEC arbeiten sechs Partner an einem Quanten-basierten Messsystem für die Lebensmittelanalyse. (Foto: LZH)
Im Projekt QSPEC ar­bei­ten sechs Part­ner an einem Quan­ten-basier­ten Mess­sys­tem für die Le­bens­mit­tel­ana­ly­se
Quelle: LZH

Das spektroskopische Verfahren nutzt verschränkte Photonenpaare zur Messung. Das langwellige Photon interagiert mit der Probe, verändert dabei seine Eigenschaft und in einem zweiten Schritt wird diese Änderung auf ein kurzwelliges Photon übertragen. Dieses hat einen entscheidenden Vorteil bei der Messung: das langwellige Photon interagiert besonders gut mit der Probe, das kurzwellige lässt sich besser messen.

Zwei wichtige Bausteine des geplanten Spektroskopiesystems sind fertiggestellt. TOPTICA und das LZH haben neuartige Laserstrahlquellen entwickelt, mit denen sich verschränkte Photonen mithilfe eines Quantenfrequenzkamms erzeugen lassen. Die beiden Partner haben jeweils ein unterschiedlich konzipiertes System an die LUH ausgeliefert. Beide Laser emittieren bei einer Wellenlänge von 1950 nm und besitzen eine sehr schmale spektrale Linienbreite von unter 1 GHz, die für die Anregung des Quantenfrequenzkamms notwendig ist. Die Strahlquellen unterscheiden sich in ihren Pulsdauern. Der Laser des LZH arbeitet im Pikosekundenbereich. Der Laser von TOPTICA emittiert im Dauerstrich (cw) und ist modensprungfrei von 1920 bis 1980 nm durchstimmbar.

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Parallel dazu hat AMO erste nanophotonische Chips für das Projekt gefertigt. Diese Chips vereinen wesentliche Bestandteile der für die Messung notwendigen Technik auf kleinstem Raum, wie etwa die zur Erzeugung der Quantenfrequenzkämme mit den Lasern von TOPTICA und LZH. Die LUH hat an von AMO gefertigten Chips bereits erfolgreich die Erzeugung von Photonenpaaren bei einer Wellenlänge von 1550 nm gemessen – ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem quantenbasierten Messprinzip.

Damit die einzelnen perfekt aufeinander abgestimmten Komponenten bei den empfindlichen Quantenmessungen reproduzierbare Ergebnisse liefern, sind stabile Temperaturbedingungen entscheidend. Dazu hat die AMOtronics UG bereits ein System zur Temperaturstabilisierung aufgebaut. Das Besondere daran ist der modulare Aufbau. Dieser ermöglicht auf bis zu acht Kanälen eine einfach zu konfigurierende unabhängige digitale Präzisionsregelung (PID) und Überwachung der Temperatur. Neben einer grafischen Bedienoberfläche hat das System eine programmierbare Softwareschnittstelle zur flexiblen Integration auch in komplexere Anlagen.

In der nächsten Projektphase werden die Partner das Labor-System weiter auf- und zu einem ersten kompakten Prototypen umbauen. Mit diesem System wird das DIL Lebensmittelproben gegen bestehende Referenzmethoden testen. Dazu bauen sie aktuell bereits eine Referenzdatenbank auf Basis gängiger Verfahren, wie NIR- und NMR-Spektroskopie, für den späteren Vergleich auf. Als erste Lebensmittelproben dienen Orangensaft und Honig. Im nächsten Schritt werden die Wissenschaftler:innen dieselben Messungen mit dem Prototypen durchführen, um dessen analytische Leistungsfähigkeit einzuordnen und ihn gezielt weiter zu verbessern. Damit ergänzen sie die Datenbank und können dann Rückschlüsse auf Herkunft und Zusammensetzung der Lebensmittelmittel ziehen – idealerweise zukünftig schneller, genauer, einfacher oder zuverlässiger im Vergleich zu den bisherigen Verfahren.

Das Quanten-basierte Prinzip von QSPEC als Animation. (Animation: QSPEC)


Die Projektpartner wollen mit dem Projekt einen Grundstein legen für ein industrielles System, das klein und preiswert genug für einen flächendeckenden Einsatz ist. Ihre Vision ist dabei, dass die Funktion sich direkt im Smartphone integrieren lässt – damit jede und jeder wirklich weiß, was in unserer Nahrung ist. [LZH / dre]

Anbieter

Laser Zentrum Hannover e.V.

Hollerithallee 8
30419 Hannover
Deutschland

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